Politik

Telefontarife Warteschleifen künftig kostenlos

Der Ärger mit teuren Telefon-Warteschleifen könnte schon bald ein Ende haben. Die Bundesregierung verständigt sich endlich darauf, dass Warteschleifen kostenlos sein sollen. Das soll für Anrufe aus dem Festnetz wie aus dem Mobilfunknetz gelten - und zwar für alle entsprechenden Servicenummern.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Verbraucher sollen für Anrufe bei Service-Telefonnummern künftig erst bezahlen, wenn sie mit einem Gesprächspartner verbunden sind. Die Warteschleifen davor sollen kostenlos werden, wie aus Regierungskreisen in Berlin verlautete. Auf diese bislang umstrittene Regelung verständigten sich demnach die zuständigen Ministerien.

Die neue Regelung soll den Angaben zufolge für alle Warteschleifen und bei Anrufen aus dem Festnetz genauso wie vom Handy gelten. "Künftig heißt es also: Entgelt nur noch gegen Leistung", hieß es dazu. Die Einigung ist Teil der Umsetzung des sogenannten EU-Telekom-Pakets, das die Verbraucher in mehreren Punkten besserstellen soll.

Während 0800-Nummern derzeit kostenlos sind, müssen Anrufer für 0180-Servicedienste und 0900-Premiumdienste zahlen. Wer in einer Warteschleife hängt, muss dafür nach Recherchen der Grünen-Bundestagsfraktion mit zweistelligen Euro-Beträgen rechnen. Es gibt allerdings Obergrenzen.

Hunderte Testanrufe

Die Grünen hatten Ende 2009 in einem Test mit rund 700 Anrufen festgestellt, dass Warteschleifen ein großer Kostentreiber sind. Das Resultat waren Wartezeiten von bis zu 18 Minuten bei einem 0180-Anruf des Telefon-Anbieters Alice und Kosten von bis zu 22 Euro bei einer 12 Minuten-Schleife einer 0900-Nummer der Esoterik-Internetseite "Tarot König"

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte sich lange gegen eine gesetzliche Regelung gesträubt. Das Problem bei 0180-Nummern war bisher, dass technisch ein kostenloser und ein kostenpflichtiger Teil nicht getrennt werden konnten. Das ist inzwischen möglich.

Weitere Neuregelungen

Das federführende Bundeswirtschaftsministerium hatte im März einen Entwurf zur Novellierung des Telekommunikationsgesetzes vorgelegt. Damals fehlten noch die Vorgaben für kostenlose Warteschleifen. Dagegen schon enthalten waren Erleichterungen für die Mitnahme von Rufnummern: Diese sogenannte Rufnummern-Portierung muss künftig innerhalb eines Arbeitstages erfolgen.

Außerdem sollen Verträge künftig eine maximale Mindestlaufzeit von 24 Monaten haben. Gleichzeitig müssen die Telekommunikationsfirmen aber auch Verträge mit einer Laufzeit von nur zwölf Monaten anbieten. Zudem soll es künftig besondere Anforderungen zugunsten behinderter Nutzer geben.

Zusammen mit der Einigung auf kostenlose Warteschleifen beschlossen Wirtschafts- und Verbraucherschutzministerium den Regierungskreisen zufolge nun auch, dass Verbraucher künftig besser vor der Abrechnung von Internet-Kostenfallen über die Handyrechnung geschützt sein sollen. Demnach können, wie schon jetzt beim Festnetz, künftig keine Anschlüsse mehr gesperrt werden, wenn Kunden Widerspruch gegen einzelne Rechnungsposten einlegen.

Ebenfalls sollen Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht bei Umzügen erhalten, wenn die bisherige Leistung am neuen Wohnort nicht erbracht werden kann. Kunden waren dabei bislang häufig auf die Kulanz des Anbieters angewiesen und mussten teils Grundgebühren für Dienste zahlen, die sie nach einem Umzug nicht mehr nutzten.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa