Politik

AtommülltransporteWas ist ein Castor?

23.03.2001, 18:12 Uhr

Für den Transport und die Zwischenlagerung von Brennelementen werden in Deutschland überwiegend so genannte Castoren eingesetzt. Diese werden von der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) und ihrem Tochterunternehmen, der Gesellschaft für Nuklear-Behälter (GNB), entwickelt und hergestellt.

Der Name Castor entstand aus den Anfangsbuchstaben des englischen Begriffs cask for storage and transport of radioactive material (Behälter für die Lagerung und den Transport radioaktiver Stoffe).

Castoren wurden bereits in den 70er Jahren in Deutschland von der GNS entwickelt. Sie sind als Transport- und Lagerbehälter konzipiert und ermöglichen die trockene Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente, deren Konzept ebenfalls in Deutschland entwickelt wurde. Inzwischen werden derartige Behälter auch außerhalb Deutschlands eingesetzt, unter anderem in den USA, in Tschechien, der Schweiz und Südafrika.

Es gibt verschiedenste Castoren: für Brennelemente aus Druckwasserreaktoren, aus Siedewasserreaktoren, aus Versuchsreaktoren und aus Forschungsreaktoren. Inzwischen gibt es rund ein Dutzend Castoren. Für den Atommüll-Transport aus La Hague werden Castoren des Typs HAW 20/28 CG eingesetzt. Diese kryptische Abkürzung gibt folgende Informationen: Erstens handelt es sich bei dem Inhalt um hochradioaktiven Abfall (high active waste). Zweitens kann der Castor zwischen 20 und 28 dieser Kokillen aufnehmen. In den sechs Castoren, die demnächst von La Hague nach Gorleben fahren befinden sich 28 dieser Kokillen, insgesamt gehen also 168 Kokillen auf die umstrittene Fahrt. Die Glaskokillen enthalten nicht wiederverwertbare Spaltprodukte aus abgebrannten Kernbrennelementen.Und drittens: Die Buchstaben CG weisen auf das französische Unternehmen Cogma hin. Dieses ist Betreiber der Atomfabrik in La Hague.

Die Behälter besitzen einen einteilig gegossenen, zylindrischen Grundkörper mit einer Wanddicke von etwa 40 Zentimeter, der mit zwei Deckeln verschlossen wird. Der Behälterkörper ist in Gusseisen mit Kugelgraphit gegossen. Dieser so genannte Sphäroguss ist ein zäher, sehr belastbarer Werkstoff, der die für die Abschirmung wichtige hohe Dichte aufweist und mit dem Graphit zugleich einen Neutronenmoderator enthält, der schnelle Neutronen auf niedrige Energien "abbremst". Behälter, deren Brennelemente eine hohe Wärmeleistung abgeben, sind außerdem mit Kühlrippen ausgestattet.

Jeder Castor ist gut sechs Meter lang, hat einen Außendurchmesser von rund zweieinhalb Metern, wiegt leer 100 und beladen 112 Tonnen. In den Castoren lagert der hochradioaktive Abfall 20 bis 30 Jahre - bis er in einem Endlager entsorgt werden kann.