Politik

Porträt Drach Werdegang im Kölner Milieu

Die Spur von Thomas Drach verlor sich am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, wenige Tage nach Reemtsmas Freilassung. Spuren führten nach Belgien, in die Niederlande, Spanien und in den Ostblock. Auch Australien oder Vietnam wurden als mögliche Fluchtorte gehandelt. Selbst das Gerücht, Drach sei von der Mafia umgebracht worden, hielt sich hartnäckig.

Tatsächlich war Drach 1998 mit einem falschen britischen Pass unter dem Namen Anthony Lawlor nach Argentinien eingereist und lebte inUruguay.

Familie zerbrach am kriminellen Milieu

In Erfstadt, 20 Kilometer westlich von Köln wuchsen die Brüder Thomas und Lutz Drach in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater war leitender Mitarbeiter bei den Miele-Werken, die Mutter Sekretärin. Dennoch glitten die Brüder in das kriminelle Milieu ab.

Bereits im Alter von 13 Jahren brach Thomas Drach Autos auf, mit 18 überfiel er einen Supermarkt. 1981 raubten die Brüder auf spektakuläre Art und Weise eine Bank aus: Mit einem Auto rasten sie durch ein Schaufenster direkt in eine Kölner Sparkasse und bedrohten die Angestellten mit Schrotgewehren. Dafür wurde Thomas Drach 1982 zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb und sein Bruder Lutz zu zehn Jahren Haft verurteilt.

1990 soll Thomas Drach in dunkle Geschäfte in Osteuropa und Deutschland verwickelt gewesen sein. Im Kölner Ganovenmilieu war er damals ebenso zu Hause wie in Budapest. Sein gefälschter ungarischer Paß lautete auf Sandor Dulai, außerdem nannte er sich Piet Hellmann.

In der Graf-Stauffenberg-Straße in Erfstadt weiß jeder, daß die Familie an der kriminellen Karriere der Brüder zerbrach. 1981 Jahren verließ Karl-Heinz Drach seine Frau - vermutlich aus Scham. Helga Drach war schließlich allein, als ihre Söhne sich im Milieu herumtrieben oder in Haft saßen.

Reemtsma: Drach soll keine Freude am erpressten Geld haben

Wenn der heute 40 Jahre alte Drach aus der Haft kommt, wird er über 50 Jahre alt sein. Mit den gehorteten Millionen könnte er sich noch ein paar Jahrzehnte lang ein schönes Leben machen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft jedenfalls wird nach der Freilassung nicht mehr gegen ihn ermitteln, auch keine Überwachung anordnen. "Nach der Entlassung erhält er seine Personalpapiere und kann machen, was er will", so Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger.

Drach könnte also direkt vom Gefängnis zum Flughafen fahren, nach Südamerika fliegen und dort das Geld verprassen. Doch daran will ihn Reemtsma hindern: Drachs Opfer will zivilrechtlich gegen den Entführer vorgehen und dafür sorgen, dass Drach keine Freude an dem Geld haben wird.

Quelle: n-tv.de