Politik
Montag, 31. August 2009

Kindern Kurdisch beigebracht: Zehnjährige vor Gericht

Die türkische Justiz ermittelt gegen ein zehnjähriges Mädchen, weil es anderen Kindern kurdischen Sprachunterricht erteilt haben soll.

Weniger im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht der Kurden-Konflikt in der Türkei.Wenn das Mädchen vor Gericht erscheinen müsse, werde sie auch dort Kurdisch sprechen, weil sie ohnehin kein Türkisch könne, kündigte Medya Örmek aus dem südostanatolischen Diyarbakir nach Medienberichten.

Medya hatte im Rahmen eines lokalen Kulturprojekts in ihrem Stadtteil zehn anderen Kindern in ihrem Elternhaus Kurdischkenntnisse beigebracht. Trotz mehrerer politischer Reformen in den vergangenen Jahren sind private Kurdischkurse nur unter strengen Auflagen erlaubt. Stadtteil-Bürgermeister Abdullah Demirbas verteidigte das Mädchen jedoch mit den Worten, sie sei lediglich einem Aufruf der Verwaltung gefolgt. "Sie ist unschuldig, sie hat nichts Verbotenes getan."

Initiativen aus Ankara

Das Ermittlungsverfahren erregt in der türkischen Presse nicht nur Aufsehen, weil es sich gegen ein Kind richtet, sondern auch, weil es zu einer Zeit eingeleitet wurde, in der sich die Regierung in Ankara um eine friedliche Beilegung des Kurdenkonflikt bemüht.

Erdogans Regierung kündigt seit geraumer Zeit Zugeständnisse an die Kurden an, ohne bisher Details des Plans bekanntgemacht zu haben. Im Kern geht es vor allem darum, die kulturellen Rechte der Kurden zu stärken. So sollen Verbote für die Verwendung der kurdischen Sprache aufgehoben werden.

Friedensplan von Öcalan

7158361.jpgDer inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hat Ankara einen eigenen Friedensplan unterbreitet. Bisher sind nur einige Details des 160 Seiten umfassenden Papiers bekanntgeworden. So fordert Öcalan Reformen für eine demokratische Verfassung, kulturelle Rechte und die Gründung einer kurdischen Ortspolizei, die von gewählten Vertretern geführt werden müsse. "Ich will keine Armee in der Armee", wurde Öcalan zitiert.

In dem Kurdenkonflikt sind nach Angaben der türkischen Armee mehr als 35.000 Menschen getötet worden. Öcalan war 1999 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden. 2002 wurde sein Urteil auf internationalen Druck in eine lebenslange Haftstrafe abgemildert. Er sitzt als einziger Insasse in einem Gefängnis auf der Insel Imrali im Marmarameer ein.

Quelle: n-tv.de

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