Dossier

Schlemmer-Schnaps Doornkaat wird 200 Jahre alt

Komiker Heinz Erhardt nannte ihn "Dodo" und nutzte ihn als Mutmacher vor seinen Auftritten. Vier Jahrzehnte später greift Erhardts Kollege Hape Kerkeling ebenfalls zu der bekannten eckigen, dunkelgrünen Flasche, um sie fast schon zu einem Markenzeichen für seine Kultfigur Horst Schlämmer zu machen: Die Rede ist von Doornkaat. In diesem Jahr wird die hochprozentige Spirituose aus Ostfriesland 200 Jahre alt. Ein Verkaufsrenner ist sie zwar nicht mehr, wird dafür aber noch in Handarbeit von den Brennmeistern hergestellt.

Auch wenn schon Wilhelm Busch die Folgen des Doornkaats in Wort und Bild beschrieb, seine Blütezeit hatte der dreifach gebrannte Schnaps tatsächlich zu Zeiten Heinz Erhardts, als das Wirtschaftswunder in Deutschland für Wohlstand sorgte. "In den 60er, 70er Jahren spielte die Marke eine ganz andere Rolle als heute", sagt Oliver Bartelt, Pressesprecher von Berentzen in Haselünne.

Der emsländische Spirituosenspezialist übernahm die ostfriesische Traditionsmarke Anfang der 1990er Jahre. Damals war der Stern des Weizenkorns im Sinken begriffen. Aber obwohl die Absatzzahlen heute längst nicht mehr an die von vor 40 Jahren heranreichen, hat der Doornkaat einen sicheren Platz im Berentzen-Programm. "Heute wird er vor allem in der Gastronomie getrunken, als Abschluss nach einem guten Essen", sagt Bartelt. Eine Million Flaschen verkaufte Berentzen im Jahr 2005.

"Ein Schnaps wie Doornkaat gilt heute eigentlich als Opa-Getränk", sagt der Bochumer Kommunikationsforscher und Buchautor Peter Kruck. Dass der klassische Korn unter der Konkurrenz von allerlei exotischen Likören und Schnäpsen in der Beliebtheit nachlässt, bestätigt auch Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen im westfälischen Hamm. Im Lebensmitteleinzelhandel - ohne Kaufhäuser, Fachhandel und Discounter - habe der Umsatz für Korn im Jahr 2005 zwar bei 68 Millionen Euro gelegen, und der für Wodka bei 37 Millionen Euro. "Beim Korn gibt es aber einen Rückgang um vier Prozent, während der Wodka um 18,2 Prozent zugelegt hat", sagt Hüllinghorst. Freilich können solche Trends auch wieder kippen. "Wie das in fünf Jahren sein wird, weiß keiner", sagt Kruck.

Gegründet wurde Doornkaat 1806 von dem Niederländer Jan ten Doornkaat, der im ostfriesischen Norden eine kleine Brennerei kaufte. Das dreifache Brennen machte den Schnaps im Vergleich zur Konkurrenz besonders mild und rein. Ostfriesland übrigens hatte in Sachen Kornkonsum in jenen Tagen einen etwas zweifelhaften Ruf bei der Obrigkeit. "Wohl nirgends wird Branntwein in schrecklicherem Übermaße getrunken wie in dieser Provinz. Und nirgends wird so ein schlechter Branntwein gebrannt wie hier", heißt es in einem Dokument der preußischen Kriegs- und Domänenkammer von Anfang des 19. Jahrhunderts, das die Berentzen-Pressestelle aufgetrieben hat.

Im Hause Berentzen gehört Doornkaat zu den Premiummarken. Nach wie vor wird der Traditionsschnaps nicht in der vollautomatisierten Brennerei hergestellt, sondern rinnt durch einen altertümlichen Destillierapparat aus Kupfer, der nach der Markenübernahme von Norden nach Haselünne transportiert wurde, sagt Kurt Dembrowski, der in der Geschäftsführung des Familienunternehmens für Technik und Beschaffung zuständig ist. Die Apparatur sei alle zwei bis drei Wochen in Betrieb. "Doornkaat ist für uns nach wie vor gediegenes Handwerk", betont Dembrowski.

(Elmar Stephan, dpa)

Quelle: n-tv.de