Fastnacht in Franken"Freunde fürs Leben"
Was in der Realität wohl kaum denkbar wäre - im unterfränkischen Veitshöchheim wurde es wahr: Ministerpräsident Edmund Stoiber versöhnte sich mit der Fürther Landrätin Gabriele Pauli.
Was in der Realität wohl kaum denkbar wäre - im unterfränkischen Veitshöchheim wurde es wahr: Ministerpräsident Edmund Stoiber versöhnte sich mit der Fürther Landrätin Gabriele Pauli (beide CSU). Allerdings handelte es sich bei dem Parteichef, der bei der "Fastnacht in Franken" am Freitagabend demonstrativ neben Pauli Platz nahm, um ein Double.
Die im Engelskostüm - ganz in weiß und mit ausladenden Flügeln - erschienene Stoiber-Kritikerin nahm den ungewohnten Verehrer an ihrer Seite mit Humor. Trotz der stark vertretenen CSU-Prominenz, die sie in den vergangenen Wochen eher geschnitten hatte, wirkte Pauli gut aufgelegt. Vom Spott der Narren blieb sie allerdings bei der 20. Ausgabe der Fernseh-Prunksitzung nicht verschont.
So sagte die Karlstädter Karnevalistin Gerlinde Heßler, die als Überbleibsel des deutschen Fußball-Sommermärchens ihre Runde durch den Saal machte, zu Pauli: "Eins wundert mich immer noch: Jetzt sind Sie schon 30 Jahre Parteimitglied - und merken erst jetzt in welcher." Die beiden schrulligen Fürther Witwen "Waltraud und Mariechen" alias Volker Heißmann und Martin Rassau meinten sogar: "Die Pauli, also suuuuuper scheinheilig", was die rund 600 Gäste in den Mainfrankensälen mit tosendem Applaus würdigten.
Auch "Innen-Minister-Präsident" Günther Beckstein (CSU), der den frei gebliebenen Stuhl von Stoiber eingenommen hatte, bekam sein Fett weg. Beckstein hatte sich als Ritter verkleidet - mit stählernem Brustpanzer und weiß-blauem Schild, auf dem das fränkische Wappen prangte. Er sei, so betonte der mögliche künftige bayerische Ministerpräsident vieldeutig, "für alles, was in den nächsten Monaten ansteht, gewappnet". Der gebürtige Franke erinnerte die Fastnachterin Heßler allerdings eher an die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste, wie sie sagte.
Nicht eben zimperlich behandelten die fränkelnden Büttenredner und Kabarettisten auch den Oppositionsführer im bayerischen Landtag, Franz Maget. Seine Kostümierung sorgte besonders für Aufsehen: Der SPD-Politiker kam als Indianerhäuptling - bauchfrei und mit Kriegsbeil und Friedenspfeife. "Wenn Sie schon das ganze Jahr nicht auffallen, dann wenigstens in Veitshöchheim", spottete Heßler.
Närrische Zielscheibe war auch Wirtschaftsminister Erwin Huber. Vieldeutig hatte er sich als spanischer Stierkämpfer verkleidet - mit schwarz-rotem Tuch. "Gemeinsam bekämpfen wir den roten Stier", sagte er. Das Kostüm sei keine Anspielung auf den bevorstehenden Kampf um den CSU-Chefsessel mit Bundesagrarminister Horst Seehofer. "Wir sind Freunde fürs Leben."
Nahezu jeder zweite Fernsehzuschauer in Bayern verfolgte die mehr als dreistündige Kult-Sendung. Besonders durch den Kakao gezogen wurde der scheidende Ministerpräsident Stoiber, der die Pointen der scharfzüngigen Büttenredner allerdings verpasste: Der Parteichef weilte mit Russlands Präsident Wladimir Putin in München.
(von Angelika Röpcke und Klaus Tscharnke, dpa)