Kritik von HausbesitzernFrischer Wind im Kamin
Das 70 Jahre alte Schornsteinfeger-Monopol ist gelockert – doch Mieter und Hausbesitzer sprechen von einer Mogelpackung: Unsinnige Doppelprüfungen und steigende Kosten bleiben.
Mehr als sieben Jahrzehnte lag die Lufthoheit über Deutschlands Dächern und Kaminen in ihren rußgeschwärzten Händen - jetzt wird das Kehrmonopol für Schornsteinfeger aus dem Jahr 1935 auf Druck der EU-Kommission gelockert. Bislang beherrschten die rund 20.000 Schlotfeger ihr Revier ohne lästige Konkurrenz bis zur Rente.
Zum Ärger von Mietern und Hausbesitzern wagt die Koalition aber nicht, dem Berufsstand auf einen Streich alle Privilegien zu nehmen. Die Kritiker sprechen von einer "Mogelpackung", die Verbraucher durch steigende Gebühren und unsinnige Doppelprüfungen Millionen koste.
Auf den ersten Blick gibt es mehr Wettbewerb: Jeder freiwerdende Kehrbezirk wird ab 2010 alle sieben Jahre neu vergeben. Amtierende Bezirksschornsteinfeger genießen aber bis 2014 Bestandsschutz. Neu ist auch, dass jeder Haus- und Wohnungseigentümer freie Hand bekommt, welchen Schornsteinfeger er mit der Wartung von Ofen oder Kamin beauftragt.
In der Praxis dürfte es eher unwahrscheinlich sein, dass ein Kunde einen Kaminkehrer aus einem anderen Bezirk bestellt. Allein für die Anfahrtskosten könnte man gut essen gehen. Immobilienbesitzer und Verbraucherschützer sind besonders sauer, dass die Koalition in ihrem Gesetz die Praxis der doppelten Messungen nicht unterbunden hat.
So prüft ein Fachbetrieb beim Einbau eines neuen Kessels oder einer Gastherme, ob das Gerät einwandfrei arbeitet und nicht zu viele Abgase durch den Schornstein pustet. Ein paar Wochen oder Monate später klingelt dann der Schornsteinfeger und wiederholt bei seiner Routinekontrolle das Prozedere. Das teuere Doppelverfahren kann sich später bei den regelmäßigen Wartungen und Prüfungen fortsetzen.
Heftig kritisiert werden auch die Prüfintervalle. Laut Gesetz findet die "Feuerstättenschau" in Zukunft alle dreieinhalb Jahre statt - und nicht mehr erst nach fünf Jahren. "Das Geld der Verbraucher wird buchstäblich durch den Schornstein geblasen", empört sich der FDP-Mittelstandsexperte Paul Friedhoff.
Nach Ansicht der Immobilienbranche verpasst die Regierung die Chance, das Schornsteinfegerwesen komplett zu entrümpeln. Wohnungsgesellschaften, Privatbesitzer und Mieter blickten im Vorschriften-Dschungel nicht mehr durch. Auch könne kein Feger plausibel erklären, warum die Gebühren ständig steigen.
Der Zentralverband der Deutschen Schornsteinfeger versteht die ganze Aufregung nicht. Jeder Handwerker könne bei entsprechender Qualifikation Fegerdienste anbieten und sich um einen Kehrbezirk bewerben. Auch müssten Heizungs- und Sanitärhandwerker nicht fürchten, dass nun Schlotfeger massenhaft in andere Gewerke einbrechen.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärt, dass ein Schornsteinfeger eben keinen Job wie jeder andere mache, sondern auch "hoheitliche Aufgaben" erfülle. "Das Schornsteinfegerhandwerk leistet einen wichtigen Beitrag für die Feuersicherheit und den Umweltschutz." Allein 2005 seien fast 1,2 Millionen Mängel an Feuerungsanlagen festgestellt worden.
Weil auf den Schornsteinfeger Verlass ist, macht die Regierung den Mann in Schwarz - der statt Zylinder, Schultereisen und Kehrbesen heute mit High-Tech-Geräten unterwegs ist - sogar zum Klimaschutz-Beauftragten. Er soll bei seinen Hausbesuchen überwachen, ob die strengen Vorschriften beim Energiesparen eingehalten werden. Sieht er marode Heizungen, schlecht gedämmte Wände und trifft auf sture Eigentümer, kann er Druck machen und den Klimasünder im ärgsten Fall bei den Behörden "anschwärzen".
Von Tim Braune, dpa