Politik
Dienstag, 06. März 2007

"Rennen offen wie nie": Kandidatensuche in den USA

Von Christian Wilp, Washington

Das beste Motivationsmittel der Republikaner hat einen Namen: Hillary Clinton. Den Wiedereinzug des verhassten Clinton-Clans ins Weiße Haus sei unter allen Umständen zu verhindern, so ein einflussreicher Republikaner nach Angaben der "New York Times". Allerdings ist diese ABC-Haltung ("anybody but Clinton") auch so ziemlich die einzige, bei der unter Republikanern Konsens herrscht. Mit den eigenen Kandidaten sind vor allem die Parteirechten wenig glücklich. Die Top-Drei der jüngsten Umfragen jagen dem rechten Lager regelrechte Schauer ein.

Nr. 1: New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani. Zwar gilt der als unbestrittener Held des 11. September, doch die Positionen des New Yorkers passen offenkundig besser zu den Demokraten: Er ist für das Recht auf Abtreibung, für strengere Waffengesetze, für die Homo-Ehe. Damit ist er für die Evangelikalen praktisch unwählbar.

Nr.2: Arizonas Senator John McCain. Er ist zweifellos ein verdienter Vietnamkriegs-Veteran. Sein Problem jedoch: Er gilt vielen als suspekt, als Außenseiter und als unberechenbar. McCains Einsatz für eine vergleichsweise liberale Einwanderungspolitik bestätigt die Kritiker von der rechten Seite. Seine Unterstützung der Truppenerhöhung im Irak die von der linken. Schließlich: Mit 70 Jahren sieht er nicht nur alt aus, sondern ist es auch.

Nr. 3: Massachusetts Ex-Gouverneur Mitt Romney. Neuerdings zeigt er sich als konservativer Hardliner, doch in früheren Jahren verkörperte er im liberalen Nordostküstenstaat eher das Gegenteil. Romney hatte lange nichts gegen das Recht auf Abtreibung und homosexuelle Lebensgemeinschaften. Seine jüngste Positionsverschiebung ist nicht nur im Lager der Demokraten aufgefallen, auch die Republikaner rätseln über den „echten“ Romney. Sein Hauptmanko aber: Der Mann ist Mormone. Das allein ist für viele ein Grund, ihn nicht zu unterstützen.

Tom „Der Hammer“ DeLay, der ehemalige machtvolle Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, bringt in einem CNN-Interview das Problem der Republikaner auf den Punkt. Giuliani und McCain seien für ihn kein Thema, und bei Romney wisse man leider nicht, ob er tatsächlich meint, was er jetzt sagt. Frage CNN: „Er wird beschuldigt, ein Flip-Flopper zu sein?“ Antwort DeLay: „Exakt.“ Zur Erinnerung: Der letzte angebliche Flip-Flopper aus Massachusetts ist noch dabei, seine Niederlage zu verdauen (John F. Kerry).

Clinton schon verschlissen?

Populäre und ambitionierte rechte Politiker wie die Ex-Senatoren George Allen aus Virginia und Rick Santorum aus Pennsylvania hatten sich mit ihren Niederlagen bei den Kongresswahlen im Herbst selbst aus dem Rennen katapultiert; die, die auf der rechten Flanke übrig blieben, sind bislang national wenig aufgefallen - und liegen in den Umfragen im unteren einstelligen Prozentbereich.

Darunter: Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas, Duncan Hunter, Mitglied des Repräsentantenhauses aus Kalifornien, Sam Brownback, Senator aus Kansas. Sie alle wittern jetzt ihre Chance, das Feld von hinten aufzurollen. Tom DeLay: „Huckabee ist eine großartige Führungspersönlichkeit und war ein hervorragender Gouverneur in Arkansas.“

Ein wenig Trost spendet den Republikanern das Führungstrio der Demokraten. Auch hier sind Überraschungen nicht auszuschließen. Hillary Clinton gilt zwar als haushohe Favoritin, gleichzeitig aber auch als polarisierend – und abschreckend für weite Teile der Bevölkerung.

Shooting-Star Barack Obama aus Illinois sitzt erst seit zwei Jahren im Senat. Und bietet damit Angriffsfläche: Er sei ein Greenhorn, wenig erfahren, nicht reif für die Nach-9/11-Aera. Und der dritte? John Edwards, Ex-Senator aus North Carolina, war bereits Vizepräsidentschaftskandidat des Jahres 2004. Das Etikett der Niederlage hängt ihm noch heute an wie Blei.

New York Times-Analysten räumen deshalb New Mexicos Gouverneur Bill Richardson Außenseiterchancen bei den Demokraten ein. Richardson sei als ehemaliger Kongressabgeordneter, UN-Botschafter und Energieminister der mit Abstand erfahrenste Kandidat. Nur leider liege er in den Umfragen ebenfalls weit hinten. Die New York Times: "Das Rennen ist offen wie nie."

Quelle: n-tv.de