Dossier

Doppelt peinlich Merz blamiert sich

Der Auftritt war ohnehin schon peinlich genug. Und nun das: Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat große Teile seiner Karnevalsrede in Aachen abgeschrieben. Der Aachener Karnevalsverein (AKV), der Merz am Samstagabend den "Orden wider den tierischen Ernst" verliehen hatte, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Aachener Zeitung".

Die Vorlage aus dem Jahr 2003 ist ein "Interview" mit "Bundeskanzler Heinrich von Pierer" über die Erfolge seiner Kanzlerschaft, das zuerst im Satireportal zyn.de erschien. In dem Interview blickt der Bundeskanzler auf seine vierjährige Kanzlerschaft zurück. Die Vorhaben, die von Pierer in der Satire in den Mund gelegt werden, übernahm Merz für sein "11-Punkte Programm für Deutschland".

"Mecklenburg-Vorpommern wird verkauft"

"Thüringen und Sachsen haben sich ja als sanierungsfähig erwiesen, die haben wir behalten", sagt der fiktive Kanzler von Pierer im Originaltext über die neuen Bundesländer. "Für Mecklenburg-Vorpommern konnten wir nichts mehr tun, Totalverlust. Da kam uns das Angebot der Bush-Administration ganz recht, gegen die Übernahme der Landesschulden und für den symbolischen Kaufpreis von 1 das Land als Atomtestgelände zu kaufen."

In der Merz-Rede hieß es laut Deutscher Presse-Agentur: "Thüringen und Sachsen haben sich als sanierungsfähig erwiesen, die werden wir behalten." Mecklenburg-Vorpommern werde bilanziell als Totalverlust abgeschrieben und die Fläche gegen Übernahme der Landesschulden und einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro den Russen übergeben. "Den Asylantrag einer einzelnen Einwohnerin namens Dr. Angela Merkel werden wir wohlwollend prüfen", versprach Merz.

"Wir wollen das Elsass zurückkaufen"

Der AKV zitiert die Merz-Rede auf seiner Homepage folgendermaßen: "Die territoriale Bereinigung unseres Portfolios im Osten werden wir durch spektakuläre Zukäufe im Westen ergänzen. Wir wollen durch Zukäufe in den emerging markets wachsen. Wir befinden uns seit einigen Wochen in Verhandlungen mit Frankreich, wir wollen das Elsass zurückkaufen. Die Franzosen sträuben sich noch, sind aber in einer extrem schlechten Verhandlungsposition seitdem Paris von marodierenden Afrikanern aus den ehemaligen Kolonien zur Hälfte besetzt wurde und in Marseile (sic) jetzt ein islamischer Kalif regiert. Frankreich braucht das Geld, es wird uns das Elsass günstig überlassen."

In der Vorlage liest sich das so: Auf die Frage "Wird Deutschland durch Zukäufe wachsen?" antwortet der fiktive Bundeskanzler: "Das halte ich nicht für ausgeschlossen. Wie Sie sicher wissen, befinden wir uns seit einigen Wochen in Verhandlungen mit Frankreich, weil wir das Elsass kaufen wollen. Obwohl wir den Franzosen einen fairen Preis gemacht haben, sträuben sie sich noch. Aber ich glaube nicht, dass sie diesen Kurs noch lange durchhalten können. Schließlich hat es Frankreich im Gegensatz zu Deutschland versäumt, 5 vor 12 mit einem streng marktwirtschaftlichen Kurs das Ruder doch noch herumzureißen. Das hat dazu geführt, dass Paris von marodierenden Afrikanern aus den ehemaligen Kolonien zur Hälfte niedergebrannt wurde und in Marseille jetzt ein islamischer Kalif regiert. Frankreich braucht Geld, es wird uns das Elsass verkaufen."

"Das macht die Rede nicht schlechter"

Eine AKV-Sprecherin kommentierte den Vorfall gelassen: "Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber das macht die Rede nicht schlechter."

Merz selbst will in seiner Rede nur "Gedanken" aus einem fremden Text übernommen haben. Er habe nicht gewusst, dass der Text bereits veröffentlicht war. "Aber selbst wenn ich es gewusst hätte: Es gibt keine Rede auf dieser Welt, in der alles neu ist", sagte er im WDR. Der "Aachener Zeitung" zufolge hatte Merz vor seiner Ordensrede erklärt, dass er seine Rede "natürlich selber schreibe".

P.S.: Angela Merkel ist natürlich keineswegs "Einwohnerin" von Mecklenburg-Vorpommern. Zwar ist Nordvorpommern ihr Wahlkreis, doch wohnt sie bekanntlich in Berlin. Aufgewachsen ist sie im brandenburgischen Templin. Auch ihre "Datsche" steht mitnichten in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in Hohenwalde südlich von Templin. Das nur am Rande.

Quelle: n-tv.de