Propaganda der HamasMickey Mouse wird zensiert
Alle Kinder kennen Mickey Mouse. Auch die Kinder im Gazastreifen. Dort tritt allerdings ein falscher Mickey auf. Er verbreitet Hass, nicht Witz.
von Ulrich Sahm
"Sanabel, was willst du zum Wohl der El-Aksa-Moschee tun", fragt Saraa, ein Mädchen mit Kopftuch. Sanabel, eine Kinderstimme, antwortet per Telefon: "Ich werde schießen". Farfur, eine Figur mit Mickey-Mouse-Maske und weißen Handschuhen fragt die Telefonstimme: "Was sollten wir tun, um zu befreien..." Das Mädchen antwortet: "Wir wollen kämpfen." Weiter will Mickey Mouse wissen: "Und was sonst?" Saraa und Sanabel sagen gleichzeitig: "Die Juden auslöschen." Als nächstes wollen sie "Märtyrer", also Selbstmordattentäter werden.
Der Dialog in der Kinderstunde bei Al-Aksa-TV, dem Hamas-Fernsehen im Gazastreifen, geht noch weiter. Saraa mit dem Kopftuch und Mickey Mouse sind sich einig, dass die arabische Sprache die Quelle der Zivilisation sei und dass der Islam die ganze Welt beherrschen werde.
Der Filmclip wurde zunächst von der israelischen Organisation "Palestinian Media Watch" entdeckt, mitgeschnitten, ins Englische übersetzt und per E-Mail verbreitet. Beim amerikanischen Sender CNN gab es Zweifel, ob die Übersetzung korrekt war. Arabische Mitarbeiter monierten, dass da nicht gesagt werde, "wir wollen die Juden auslöschen", sondern, "die Juden schießen auf uns". Jigal Carmon, Leiter der Medienbeobachtungsorganisation MEMRI und selbst des Arabischen mächtig, reagierte ungehalten: "Der Satz wurde korrekt übersetzt. Auch aus dem Kontext ist klar, dass die Juden da passiv dargestellt werden, während die Figuren schießen, kämpfen und Selbstmordattentate verüben wollen."
Paula Zahn von CNN kommentierte die Indoktrination palästinensischer Kinder mit Gewalt und Hass: "Das macht mich ganz krank". Daraufhin rief die pro-palästinensische Gruppe "Al Awda" ihre Mitglieder auf, CNN der "unausgewogenen Berichterstattung" zu bezichtigen.
Verärgert reagierte auch Walt Disneys Tochter Diane Disney Miller. Der New Yorker "Daily News" sagte die 73-Jährige: "Die Welt liebt Kinder, aber dies ist ohne jedes Quäntchen Menschlichkeit... Das, mit dem wir hier konfrontiert sind, ist schlichtweg böse. Man darf es nicht ignorieren." Die Kinderstunde der Hamas wurde auch von ihren Rivalen von der Fatah-Partei kritisiert. Basem Abu Sumaya, Leiter des offiziellen PBC-Fernsehens, sagte: "Ich halte es weder für professionell noch für human, Kinder für derart harte politische Programme zu missbrauchen. Der nationalistische Geist der Kinder sollte anders gefördert werden." Während der Intifada hatte freilich PBC-TV in seiner Kinderstunde immer wieder schnulzige Clips mit dem vor laufender Kamera getöteten Muhammad al Dura gezeigt, während ein Kinderchor sang: "Folgt mir ins Paradies". Diese Werbung für Selbstmordattentate löste Abscheu aus.
David Baker, Sprecher im israelischen Ministerpräsidentenamt, war nicht amüsiert: "Es ist gar nicht komisch, wenn die junge Generation der Palästinenser aufgestachelt wird, Israelis zu hassen." Die weltweite Empörung über den Missbrauch von Mickey Mouse irritierte auch die palästinensische Regierung. Am Mittwochabend erklärte Informationsminister Moustafa Bargouti, dass die Mickey-Mouse-Show des Hamas-Fernsehens gegen die Gesetze verstoße und deshalb verboten werde. Gleichzeitig kritisierte er die westlichen Medien, über die Mickey-Mouse-Show der Hamas berichtet, aber einen Videobericht über vermeintliche israelische Menschenrechtsverletzungen ignoriert zu haben. Ob Bargouti sich in dem weitgehend von der Hamas kontrollierten Gazastreifen durchsetzen kann, ist fraglich. Ein Sprecher der Hamas erklärte, dass die nächste Sendung schon vorbereitet sei. Vor der Presse in Ramallah sprach Bargouti von "voller Kooperation" mit Al-Aksa-TV. Es werde weiter völlige Presse- und Meinungsfreiheit geben, aber wer gegen die Regeln verstoße, müsse mit einer Strafe rechnen.
Am Donnerstagabend wurde dann bekannt, dass ein Vorstandsmitglied des Hamas Senders El Aksa TV in Gaza, Fadahi Hamad, erklärte, dass sein Sender sich gegen die "Einmischung von Außen", infolge Drucks aus dem Westens, verwahre. Der Sender weigere sich, die für Freitag geplante nächste Sendung mit Farfur- Mickey Mouse abzusetzen. Niemand dürfe der Hamas vorschreiben, wie ihre Kinder zu erziehen seien.