Dossier

Kampf um den echten Nikolaus Muffiges aus Schokolade

Es ist eine ganz besondere Gattung, die der Brauchtums-Pfleger Hans Triebel aus dem bayerischen Gotzing bei Miesbach wieder in Deutschland heimisch machen will: den Bischof Nikolaus von Myra – aus Schokolade. Denn seit den 1970er Jahren hat der Weihnachtsmann allmählich den Heiligen mit Mitra – die Kopfbedeckung der Bischöfe –und Bischofsstab verdrängt. Doch inzwischen rührt sich vor allem in Bayern Widerstand gegen die Allmacht der rot-weißen Zipfelmützen.

Zu den wenigen deutschen Schokoladen-Herstellern, die dem Heiligen die Treue halten, zählt die kleine Firma Fesey aus Riemerling bei München. Ihre handgemachten Schoko-Bischöfe finden vor allem in Deutschland und Österreich Abnehmer. In der Produktionsstätte von Hugo Seybolds Unternehmen duftet es nach Schokolade, Weihnachtsmänner in allen Größen stehen schon in Reih und Glied in den Regalen. 25 Frauen arbeiten konzentriert, um die vielen Aufträge in der Vorweihnachtszeit zu erfüllen.

Stolz hält Seybold einen fertigen Nikolaus aus feiner Vollmilchschokolade hoch. Rot leuchtet das Kreuz auf der weißen Mitra, darunter ein paar dunkelbraune Augen aus Zartbitterschokolade. In der einen Hand ist der Bischofsstab, in der anderen ein roter Apfel für den kleinen Buben, der sich mit erhobenen Händen an den Mantel des Nikolaus schmiegt. Lange Zeit war auch bei Fesey der Bischof nicht im Sortiment. Erst vor drei Jahren kramte Seybold, der die Firma in dritter Generation führt, die alten Formen hervor.

Brauchtums-Pfleger Triebel freut sich über solche Entwicklungen. Für ihn ist die Figur des Heiligen, der vor fast 1700 Jahren in Kleinasien wirkte, eine wertvolle Tradition des katholischen Bayern. "Wenn von San Francisco bis in den Bayerischen Wald alles gleich ist, dann ist das schrecklich", schimpft er auf Santa Claus, den viele mit den USA verbinden. Und so importierte Triebel aus Österreich 600 Nikoläuse, die er innerhalb kurzer Zeit in seiner Gaststätte zum Selbstkostenpreis verkaufte.

"Es gibt eine Renaissance des Heiligen Nikolaus – nicht nur in Schokolade", hat das Erzbischöfliche Ordinariat in München festgestellt. Und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, erklärt, warum der Patron der Gefangenen, der Jugend, der Familien und der Sozialarbeiter noch heute in Europa eine große Bedeutung hat: "Besonders armen und bedrängten Menschen war er ein Nothelfer", sagt Wetter. "Sein Eintreten für Menschenrechte ist heute höchst aktuell."

Von Cordula Dieckmann, dpa

Quelle: n-tv.de