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Nach PKK-VerschleppungTürkische Soldaten im Gefängnis

12.11.2007, 15:34 Uhr

Acht türkische Soldaten hat die Freilassung aus den Händen der verbotenen Kurdenorganisation PKK vor einer Woche nun geradewegs hinter die Gitter eines Militärgefängnisses geführt.

Acht türkische Soldaten hat die Freilassung aus den Händen der verbotenen Kurdenorganisation PKK vor einer Woche nun geradewegs hinter die Gitter eines Militärgefängnisses geführt. Nach öffentlichen Vorwürfen, nur Feiglinge und Verräter könnten sich lebend in den Nordirak verschleppen lassen, werfen Militärankläger den Männern Pflichtverletzung und unerlaubte Entfernung ins Ausland vor. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die gereizte Stimmung in der Türkei.

Die acht Männer waren nach Kämpfen am 21. Oktober bei Daglica an der Grenze zum Irak von der PKK verschleppt worden. In großer Übermacht hatten sich PKK-Kämpfer über die Grenze geschlichen und einen mit 20 Mann besetzten türkischen Posten unter Feuer genommen. Nachdem zwölf türkische Soldaten im Gefecht getötet worden waren, brach dort die Verteidigung zusammen.

Frostiger Empfang in der Heimat

Zwei Wochen dauerte die Geiselhaft im Irak, bevor die jungen Männer, auch auf Vermittlung kurdischer Abgeordneter des türkischen Parlamentes hin, freikamen. Der Empfang in der Heimat war frostig bis ehrenrührig. Seit Monaten zeigen türkische Medien Soldaten des Landes vor allem in schwerbewaffneter Überlegenheit oder als für das Vaterland gefallene Helden.

Gefangenschaft ist nicht vorgesehen, wie Justizminister Ali Mehmet Sahin deutlich machte. Er könne sich nicht richtig über die Freilassung freuen, sagte der Minister. Der türkische Soldat müsse bereit sein, als Märtyrer zu sterben. Jedenfalls dürfe er sich nicht von Terroristen abführen lassen. "Kein Mitglied der türkischen Streitkräfte sollte jemals in eine solche Situation geraten", sagte der Minister.

Gekämpft bis zur letzten Patrone

Die Soldaten geben in den Vernehmungen eine ganz andere Darstellung der Ereignisse, wie türkische Zeitungen am Montag berichteten. Sie hätten gekämpft bis zur letzten Patrone, ohne dass Verstärkung gekommen sei, berichteten sie. Dabei sei die Armee wegen verdächtiger Bewegungen an der Grenze und eines ungewöhnlich intensiven Funkverkehrs der PKK mit Codewörtern gewarnt gewesen.

"Wäre es besser gewesen, er wäre gestorben?", fragte die aufgebrachte Mutter eines der von der PKK freigelassenen Soldaten bereits vor Tagen. "Wir erziehen unsere Söhne, dem Land zu dienen. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass unserer Ehre mit Füssen getreten wird, nur weil sie nicht tot sind."

Von Carsten Hoffmann, dpa