Politik
Sonntag, 09. November 2008

Koalition der Willigen schrumpft: Wer bleibt 2009 im Irak?

Wer militärische Rituale und Fahnen mag, der kommt im Irak in diesem Herbst voll auf seine Kosten. Denn seit einigen Monaten vergeht kaum eine Woche, ohne eine feierliche Verabschiedungszeremonie. Verabschiedet werden Soldaten aus den Ländern, die nach der Irak-Invasion im Frühjahr 2003 dem Ruf von US-Präsident George W. Bush gefolgt waren, sich der sogenannten Koalition der Willigen anzuschließen. Manchmal stehen bei diesen Zeremonien noch 200 Soldaten hinter der Fahne stramm, manchmal sind es auch nur 20. Parallel dazu unterstellen die Koalitionstruppen immer mehr Provinzen irakischer Kontrolle. In 13 der insgesamt 18 Provinzen sind die Iraker jetzt offiziell zuständig.

Dafür, dass der multinationalen Truppe, die Mitte 2004 noch aus Soldaten aus 32 Nationen bestand, mittlerweile nur noch Soldaten aus 19 Ländern angehören, gibt es mehrere Gründe. Dazu zählt die verbesserte Sicherheitslage in einigen Regionen des Landes, auch wenn der Rückgang der Gewalt teilweise dadurch erkauft wurde, dass die Sicherheitskräfte tatenlos zusahen, als Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten aus bestimmten Gebieten vertrieben wurden. Einige Truppenkontingente waren in den vergangenen Jahren zudem abgezogen worden, weil sich die Einstellung der Menschen daheim zu dem Einsatz im Irak gewandelt hatte, teilweise auch verbunden mit einem Regierungswechsel. Weitere Soldaten mussten gehen, weil man sie andernorts einsetzen wollte, so wie die Georgier, die nach Ausbruch des Krieges gegen Russland im vergangenen August ausgeflogen wurden.

Von multinational zu amerikanisch-britisch

Die meisten kleineren Kontingente, die in diesen Wochen das Land verlassen, tun dies jedoch, weil das von der Regierung in Bagdad beantragte Mandat der Vereinten Nationen für den Militäreinsatz im Irak am 31. Dezember dieses Jahres abläuft. Das heißt: Vom 1. Januar an wäre ihr Status unklar. Denn die einzigen Nationen, die derzeit mit der irakischen Regierung über bilaterale Stationierungsabkommen zur Regelung des Status ihrer Truppen im Irak vom kommenden Jahr an verhandeln, sind die USA und Großbritannien.

Die letzten Soldaten aus Polen, Armenien und Kasachstan sind im Oktober ausgeflogen. Südkorea will seine letzten 520 Soldaten bis zum 20. Dezember zurückholen. Vor Jahresende werden auch die letzten Soldaten aus Bosnien und Mazedonien, 600 Rumänen, 155 Bulgaren und etwa 50 Soldaten aus Tonga das Land verlassen.

Ob sich die "multinationale Truppe" im Irak am 1. Januar in "amerikanisch-britische Truppe" umbenennen muss, will das US- Militärkommando in Bagdad, noch nicht sagen. Über den Status der Koalitionspartner und das UN-Mandat "wollen wir als Militärs nicht spekulieren", erklärt ein Armeesprecher in Bagdad.

Viele Briten verlassen 2009 das Land

Das britische Militär hat im Südirak derzeit noch 4100 Soldaten stationiert, die sich im Wesentlichen auf einen Stützpunkt außerhalb der Stadt Basra zurückgezogen haben. Die meisten Briten werden im Laufe des kommenden Jahres voraussichtlich das Land verlassen. Wie lange und in welcher Zahl die US-Soldaten noch an Euphrat und Tigris stationiert sein werden, hängt derzeit noch in der Schwebe. Denn um die Details des bilateralen Stationierungsabkommens zwischen Washington und Bagdad wird noch gerungen. Und der künftige US-Präsident Barack Obama hat versprochen, die derzeit noch rund 152.000 Soldaten der US-Armee schneller abzuziehen, als dies sein Vorgänger Bush angekündigt hatte.

Nicht alle dieser Soldaten sind Amerikaner. Viele unter ihnen wollen es aber werden. Für sie ist der gefährliche Einsatz im Zweistromland ein Mittel, um den ersehnten Pass zu erhalten. Am Wahltag Obamas wurden 186 Soldaten und Soldatinnen in einem ehemaligen Palast des von den Amerikanern gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu US-Bürgern. Laut einer Mitteilung des Militärs war unter ihnen auch Rasha Hennessy, eine gebürtige Irakerin.

Anne-Beatrice Clasmann, dpa

Quelle: n-tv.de