Becksteins mögliche NachfolgerWer wird es?
Günther Beckstein hat sein Amt als bayrischer Ministerpräsident niedergelegt. Nun stehen "Haudrauf", "Schüttel-Schorsch" und Co. für seine Nachfolge bereit.
Nach dem Wahldesaster der CSU hat nach Erwin Huber als Parteivorsitzender nun auch Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Konsequenzen gezogen. Er erklärte nach nicht einmal einem Jahr im Amt seinen Rückzug. Anwärter auf seine Nachfolge stehen bereits in den Startlöchern. Folgende Politiker werden parteiintern genannt:
Horst Seehofer
Der Bundesagrarminister kandidiert schon als Nachfolger Erwin Hubers für den Parteivorsitz. Damit geht sein "Lebenstraum" in Erfüllung, wenn auch ein Jahr später als geplant. Seine Bestätigung durch den Sonderparteitag Ende Oktober gilt als sicher. Noch vor einem Jahr hatte Seehofer das Duell gegen Huber verloren. Viele CSU-Bundestagsabgeordnete würden den 59-Jährigen gern auch als Ministerpräsident sehen und damit das Amt des Partei- und Regierungschefs wieder in eine Hand legen. Die CSU-Landesgruppe hat Seehofer auch bereits als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2009 benannt. In der Landtagsfraktion galt der gebürtige Ingolstädter, der auch als das soziale Gewissen der CSU bezeichnet wird, bislang aber nicht als mehrheitsfähig. Seehofer ist beliebt an der Basis. Kritiker sehen ihn aber auch als selbstverliebten Einzelgänger. Von 1992 bis 1998 war er unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) Gesundheitsminister. 2004 schmiss er im Streit über die Gesundheits-Kopfpauschale seinen Posten als Unions-Fraktionsvize hin. Ein Jahr später wurde er im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Verbraucherminister.
Joachim Herrmann
Der etwas schwerfällig wirkende Mittelfranke mit der sonoren Stimme folgte Beckstein im Herbst 2007 als Innenminister nach. Öffentlich ist er in dem einen Jahr seiner Amtszeit wenig in Erscheinung getreten. Er musste vielmehr die noch von Beckstein angefangene ungeliebte Reform der bayerischen Polizei mit der Abschaffung der gesamten mittleren Verwaltungsebene umsetzen. CSU-intern galt der katholische Franke als eine der stärkeren Figuren in einem insgesamt eher blassen Kabinett. In seiner Amtszeit wurde das Versammlungsrecht in Bayern gegen heftige Kritik verschärft. Der 52-Jährige war bis 2007 Chef der CSU-Fraktion. Vor zehn Jahren gehörte Herrmann als Sozialstaatssekretär bereits einmal dem bayerischen Kabinett an. Im Landtag sitzt der Hauptmann der Reserve seit 1994.
Georg Schmid
Der leutselige Schwabe ist wegen seines Hangs zum Händeschütteln als "Schüttel-Schorsch" bekannt. Den Spitznamen hört er aber gar nicht gerne. Schmid hat sich als Fraktionschef der Landtags-CSU bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2007 Respekt verschafft. Auf sein Konto geht die Verschärfung des Rauchverbots - was der CSU im Frühjahr großen Ärger machte. Der 55-jährige ehemalige Innenstaatssekretär wurde nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Beckstein gegen seinen Willen an die Spitze der Fraktion befördert. Viel lieber wäre er Innenminister geworden. Im heimischen Schwaben zählt der Jurist zu den beliebtesten CSU-Politikern. Aber in der derzeit unkalkulierbaren Lage der CSU könnte Schmid anstatt aufzusteigen auch tief fallen. Angeblich sägen vor allem oberbayerische Konkurrenten an seinem Stuhl an der Fraktionsspitze.
Markus Söder
Dem Europaminister werden seit langem Ambitionen auf das Ministerpräsidentenamt nachgesagt. Noch dürfte es für den 41-Jährigen dafür aber zu früh sein. Viele in der Partei verübeln Söder nach wie vor sein Auftreten in den vier Jahren als Generalsekretär. Der Franke ließ kaum einen Polit-Talk im Fernsehen aus. Sogar nach seinem Ausscheiden als Partei-"General" war der gelernte Rundfunk-Redakteur in den Medien präsenter als seine Nachfolgerin Christine Haderthauer. In den vergangenen Monaten gelang dem früheren "Haudrauf" aber eine Image-Verbesserung. Seit einigen Monaten sind Söder und Seehofer Männerfreunde. In der CSU kursierte sogar ein Verschwörungsszenario, dass sich Söder mit dem CSU-Vize verbündet habe, um die Macht an der Spitze von Regierung und Partei zu übernehmen.
Thomas Goppel
Politik ist für Thomas Goppel Familiensache. Sein Vater Alfons war als bayerischer Ministerpräsident von 1962 bis 1978 der joviale "Landesvater" schlechthin. So erlebte der Sohn den Politbetrieb schon als Kind aus nächster Nähe. Der promovierte Volksschullehrer gehört dem Landtag seit 1974 an und gilt als "Allzweckwaffe" der CSU - vom Bundesratsminister über das Umweltressort bis hin zum Kunstministerium saß er schon am Kabinettstisch. Von 1999 bis 2003 war der eloquente Pädagoge als CSU-Generalsekretär die Stimme seines Herrn Edmund Stoiber. Bei vielen Auftritten ließ Goppel keinen Zweifel daran, dass er sich das Amt des Ministerpräsidenten auch selbst zutraut. Sein großer Vorteil: Die Parteibasis mag ihn. Bereits vor der Rücktrittserklärung Becksteins gab Goppel im Bayerischen Rundfunk seine Bewerbung für dessen Nachfolge ab. Sein Vorstoß wird in seinem Heimatverband, der CSU-Oberbayern, aber als Alleingang gewertet.