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Wahl in den USA Der Populismus bleibt

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Vier weitere Jahre, zeigt diese Trump-Anhängerin bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arizona.

(Foto: REUTERS)

Die US-Wahl hätte eine Trendwende sein können. Wird sie aber nicht. Denn US-Präsident Donald Trump hat loyale Wähler, die fast alles für ihn tun würden.

Insgeheim hatten in den vergangenen Monaten viele Menschen gehofft, dass am Wahltag in den USA ziemlich schnell klar sein würde: Das ist das Ende von Donald Trump als Politiker. Wieder lag der demokratische Kandidat, in diesem Fall Joe Biden, in den Umfragen weit vorne. Wieder prognostizierten diverse Umfrageinstitute und Medien einen deutlichen Sieg für Joe Biden. Und wieder sollte sich das als riesengroße Fehleinschätzung erweisen. Trump sagte mal vor einigen Jahren, dass er jemanden auf der Fifth Avenue erschießen könne und trotzdem keine Wähler verlieren würde. Womöglich hat er damit recht.

Auch bei dieser Wahl, vier Jahre nach Hillary Clintons historischer Niederlage, zeichnet sich ab, dass die Umfragen nicht nur leicht fehlerhaft waren, sondern mit der Realität so gar nichts zu tun haben würden. Möglicherweise war auch 2020 der Wunsch der Vater des Gedanken. Und für die Demokraten wiederholt sich das Trauma von vor vier Jahren: Sie gewinnen deutlich in absoluten Zahlen ("Popular Vote"), können das aber nicht in ein klares Ergebnis bei den Wahlmännern münzen.

Was heißt das? Selbst wenn Biden doch noch gewinnen sollte - und die Chance hat er - so zeigt der Ausgang dieser Wahl deutlich, dass Donald Trump in hohem Maße Wähler mobilisieren kann. Und zwar nicht im Vorfeld per Briefwahl, wie das die Demokraten getan haben, sondern am Wahltag selbst. Die Trump-Wähler lassen sich durch nichts beeindrucken, weder die Irrlichterei ihres Präsidenten noch die Ansteckungsgefahr mit Corona. Das ist ein Zeichen. Und der Trend bei den Stimmen der Hispanics für Trump im Bundesstaat Florida - allen voran die Amerikaner mit kubanischen Wurzeln - markiert womöglich sogar den Beginn einer neuen Zeitrechnung, wenn man auf die Wählergruppen in Amerika schaut und für wen sie in der Regel abgestimmt haben.

Was dieser Wahlabend aber am deutlichsten zeigt: Der Populismus ist nicht am Ende. Im Gegenteil: Trump konnte nach vier Jahren skandalbehafteter Präsidentschaft seine Wählerschaft in großen Teilen sogar festigen. Trotz seines Missmanagements in der Corona-Pandemie ist die Zahl seiner Wähler absolut deutlich gewachsen.

Sollte Trump nun strategisch auf das blicken, was nach ihm kommt, dann könnte der heutige Tag den Beginn einer Art neuen Dynastie in der amerikanischen Politik markieren. Denn ob Trump in ein paar Monaten oder erst in vier Jahren das Amt verlässt: Von der Bildfläche verschwinden wird er nicht. Er wird den nächsten Kandidaten aufbauen wollen, womöglich aus der eigenen Familie. Der US-Sender Fox News wird dabei helfen. Das sollte den Demokraten Sorge bereiten. Für Despoten und autoritäre Regierungschefs in aller Welt dürfte Trump jedenfalls weiterhin ein großes Vorbild bleiben.

Aber es sollte auch ein Warnsignal für Deutschland sein. Der Weg bis zur Bundestagswahl ist noch lang und auch hier werden Rechtspopulisten weiter versuchen, die Demokratie zu schwächen. Aus der AfD jedenfalls ist seit einiger Zeit auch die vermeintliche Strategie für den Erfolg bekannt: Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.

Quelle: ntv.de