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Hitze-Zickzack bei der Bahn Es ist die Arroganz

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(Foto: AP)

Nun also doch: Kunden, die in überhitzten ICEs gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten haben, "werden aus Kulanz zusätzlich mit 500 Euro Schmerzensgeld entschädigt". Aus Kulanz. Wie großzügig.

Nicht einmal, wenn die Bahn das Richtige tut, macht sie es richtig. Fast zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass Schüler in einem ICE kollabierten, weil die Klimaanlage ausgefallen war. Zunächst wollte die Bahn lediglich die Hälfte des Reisepreises in Form eines Gutscheins erstatten. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen an, dass es gegen die Vorlage eines ärztlichen Attestes 500 Euro geben solle. Nun ist das Attest nicht mehr nötig.

Wann immer Probleme auftauchen, reagiert die Bahn nach dem gleichen Muster: Ist doch alles nicht so schlimm, wir verteilen Gutscheine. Klar: Die Mehrzahl der Züge ist pünktlich, meist ist die Reise mit der Bahn tatsächlich ein Vergnügen, und, ja, viele Kritiker der Bahn haben keine Ahnung, wie ein ICE von innen aussieht.

Dennoch ist Kritik an der Bahn keine Majestätsbeleidigung. Es gäbe einiges zu verbessern - wobei das meiste weniger die Bahn als die Politik betrifft. Die fatale Idee des Börsengangs war politisch gewollt. Natürlich ist ein Sparkurs auch bei der Bahn nicht grundsätzlich falsch. Doch Rendite als zentrales Ziel des öffentlichen Nahverkehrs ist ein Fehler. Das gilt im Übrigen auch für große Prestigebauten, die den Service nicht oder nur wenig verbessern. Die Bahn sollte sich als Anwältin ihrer Kunden verstehen und ihre Rolle als öffentlicher Dienstleister offensiv verteidigen. Das allerdings würde eine völlig andere Unternehmenskultur voraussetzen: Offenheit statt Argwohn, Kommunikation statt Arroganz.

Es ist vielleicht ein Mentalitätsproblem. Bei der Bahn trifft die alte Vollversorgung der früheren Bahnbeamten auf den modernen Manager, der von Tradition nichts wissen will. Die Bahn ist nicht irgendein Unternehmen. Die einen lieben, die anderen hassen sie. Das ist nicht neu. Es wäre an der Zeit, dass die Bahn sich darauf einstellt.

Quelle: ntv.de

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