Zum Tod von Michael Jackson"Tragische Gestalt der Pop-Geschichte"
Die nationale und internationale Presse ist sich einig: Michael Jackson verkörperte eine beispiellose musikalische Erfolgsgeschichte. Dennoch wird er als eine tragische Gestalt in die Pop-Geschichte eingehen.
Die nationale und internationale Presse ist sich einig: Michael Jackson verkörperte eine beispiellose musikalische Erfolgsgeschichte. Dennoch wird er als eine tragische Gestalt in die Pop-Geschichte eingehen.
"Traurig ist die Nachricht vom Tod Michael Jacksons", schreibt die Südwestpresse. Denn es sei der "Verlust eines einzigartigen Entertainers zu beklagen". Aber die Nachricht sei vor allem deshalb traurig, "weil all die Bilder, Geschichten und Erinnerungen, die nun die Nachrichten füllen, so schmerzhaft deutlich machen: Hier ist eben nicht nur ein Todesfall, sondern ein ganzer Lebensweg zu betrauern." Seine Auftritte seien "ikonenhaft" gewesen, seine Erfolge gigantisch und seine Fangemeinde riesengroß. Und trotzdem gehe Jackson "als tragische Gestalt in die Pop-Geschichte ein."
Warum er eine tragische Figur des Pops war, beschreiben die Badischen Neuesten Nachrichten. Am Ende seines Lebensweges sei er "ein Getriebener" gewesen, "ein Gefangener seines einstigen Erfolges, an den er in den zurückliegenden Jahren nicht anknüpfen konnte. Ein Opfer seiner Fans, die hinter der Fassade des vergötterten 'Moonwalkers' nicht den unsicheren, verletzlichen Menschen sehen wollten." Der berühmte Michael Jackson sei "ein gefallener Superstar, der den Ruch, ein Kinderschänder zu sein, nicht wieder los wurde".
Der Nordkurier erinnert an die "beispiellose Erfolgsgeschichte" des Michael Jackson: In den 80er Jahren regierte der "King of Pop". Da sei Musik noch etwas wert gewesen und nicht als "kostenlose Ramschware" im Internet zu haben. "Thriller" ist bis heute das meistverkaufte Album aller Zeiten. Im Guinness-Buch der Rekorde steht er als erfolgreichster Unterhaltungskünstler. "Dieser Gigantismus", wie das Blatt seinen Erfolg nennt, hätte seine Karriere geprägt. In den 90er Jahren ist sein Auftreten skurriler geworden und der Vorwurf des Kindermissbrauchs hat seiner Person schwer geschadet. Das hätte "trotz eines Freispruchs vor vier Jahren tiefdunkle Schatten auf den künstlerischen Glanz" geworfen. Über zehn Jahre später wollte er zurück auf die Bühne. Sein angekündigtes Comeback sei "teilweise bejubelt, zumeist belächelt" worden. Doch dazu kommt es jetzt nicht mehr. Michael Jackson ist tot. Das Blatt resümiert: "(…) so traurig diese Nachricht für die Familie, Freunde und Fans des Popstars ist - für das künstlerische Vermächtnis scheint es fast eine Erlösung. Bevor der 'King of Pop' zur Lachnummer des Pop geworden wäre."
Mit Stars wie John Lennon, Elvis Presley und Frank Sinatra tanze der "King of Pop" jetzt in der Galaxie umher, so die französische Le Progrès. Alle hätten sie einer Epoche und einem Stil entsprochen. Michael Jackson "hätte der große schwarze Star der amerikanischen Musikszene sein können". Allerdings mochte er seine Hautfarbe nicht. Durch diese und andere Haltungen hätte er Unbehagen hergerufen, schreibt das Blatt weiter, mit dem man sich jetzt, wo er tot ist, zwangsläufig auseinandersetzen müsse. Es sei ein Unbehagen, "das diesem androgynen Individuum mit dem ausgeblichenen, verformten, von den Chirurgen entstellen Gesicht entspricht." Es sei vor allem Dingen ein "erstickendes Unbehagen, wenn wir uns an die schwersten Vorwürfe erinnern, die ihn vor Gericht gebracht haben."
Auch die italienische Corriere della Sera erinnert an andere verstorbene Künstler, wobei Michael Jackson "ein weiteres Genie auf dem Tisch des Leichenschauhauses" sei. "Wie die unglückliche Blues-Dichterin Janis Joplin (...), dahingestreckt vom letzten 'Schuss' und der letzten in Einsamkeit getrunkenen Flasche Bourbon. Wie Jim Morrison, (...) Jimi Hendrix (...), Kurt Cobain (...). Es seien "so viel verbranntes Talent und so viele Tränen (...) auch an dieser letzten Haltestelle auf dem Leidensweg des Rock (...). Addio Michael."
Aber werde es der "King of Pop" in die Riege der Kult-Helden schaffen, fragt die Augsburger Allgemeine. Das lasse sich jetzt noch nicht beantworten. "Erst wenn in zehn Jahren Popmusik-Freunde sich gegenseitig erzählen, wo sie an dem Tag waren, als Michael Jackson starb, hätte er es geschafft."
Zusammengestellt von Julia Kreutziger