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Montag, 12. Mai 2014

Kostengünstige Lese-Alternativen: Digitale Bibliotheken im Test

Viele Deutsche wälzen längst nicht mehr Bücher - sondern lesen digital auf ihren E-Readern und Tablets. Weil die Buchpreisbindung auch für E-Books gilt, ist das allerdings teuer. Jetzt gibt es immer mehr digitale Bibliotheken, in denen man E-Books leihen statt kaufen kann. Wir testen die kostengünstige Alternative.

Immer mehr nutzen eReader, um die eigenen Lieblinsbücher zu lesen. Das ist praktisch, weil man mit den elektronischen Lesegeräten ganze Bibliotheken herumschleppen kann, ohne sich einen Bruch zu heben. Wer auf eine preisliche Ersparnis hofft, schaut hingegen in die Röhre, denn obwohl E-Books auf eine Datei abgespeckt sind, unterliegen sie der Buchpreisbindung und sind damit ebenso teuer wie ein dicker Wälzer aus Papier.

Doch es gibt eine clevere Alternative: Elektronische Bücher muss man nämlich nicht mehr teuer kaufen, sondern kann sie auch leihen. Eine logische Konsequenz, findet Johannes Haupt, der mit "lesen.net" ein Online-Magazin für eBooks betreibt: "Gerade bei E-Books, wo man sowieso nur Dateien hat und wo man nur eine Lizenz bekommt und gar nicht das Buch an sich, ist es natürlich naheliegend, eine Datei nur zu leihen statt zu kaufen und sie verfallen zu lassen, wenn man sie gelesen hat."

Vier Anbieter gibt es in Deutschland schon. Unsere Testerin Julia hat einen AmazonKindle und einen Prime-Account, deshalb probiert sie das Leihangebot des Online-Versandhändlers, den "Kindle Shop".

Doch Amazon setzt bei seiner Leihbücherei auf Masse statt Klasse, findet Julia: "Trotz über 500.000 Bücher, sind das sehr unbekannte Bücher. Also das finde ich ehrlich gesagt ein bisschen enttäuschend, welche Bücher es da zu leihen gibt."

Julia entscheidet sich trotzdem – für einen Thriller. Der ist schnell heruntergeladen und lesebereit. Die Kindle-Leihbücherei gibt es nur mit Amazon-Prime-Mitgliedschaft, die 49 Euro im Jahr kostet. Die Bedienung ist einfach, aber die Leihe funktioniert nur mit einem Kindle-Gerät. Die Auswahl überzeugt trotz der Menge an Titeln nicht, außerdem lässt sich nur ein neues Buch pro Monat herunterladen.

Deshalb will Julia es mit der sogenannten "Onleihe" probieren, dem E-Book-Verleih der öffentlichen Bibliotheken. Die Stadtbibliothek Köln ist eine von 1.700 Büchereien, die mitmachen. Leider kann der Kindle als E-Reader hier nicht genutzt werden. Mit allen anderen Tablets und E-Readern klappt die Onleihe – eine Mitgliedschaft in der Stadtbücherei vorausgesetzt. In der Stadtbibliothek Köln gibt es in der Onleihe nicht nur jede Menge Bücher, sondern auch Zeitungen und Zeitschriften. Das Problem: Häufig hat die Bücherei nur eine Lizenz, lange Wartezeiten sind die Regel.

Bücherschleppen muss man nicht mehr – die Onleihe ist bequem von zu Hause aus nutzbar, per App oder Website. Außerdem praktisch: auch Mahngebühren gehören der Vergangenheit an. Nach 14 Tagen ist der Zeitzähler allerdings schon abgelaufen.

Doch die Vorteile der Onleihe überwiegen: Der geringe Grundpreis entsteht, da man nur einen Mitgliedsausweis der Bibliothek braucht. Ein großes Angebot ist ein weiteres Plus, außerdem funktioniert die Ausleihe auf nahezu allen Geräten. Lange Wartezeiten muss der Leser wegen der wenigen Lizenzen in Kauf nehmen, genau wie die auf zwei Wochen begrenzte Leihfrist.

Nächster Anbieter: "Skoobe". Dahinter steckt der Zusammenschluss der Verlage Random House und Holtzbrinck. Die Leihe funktioniert als App für E-Reader und Tablets und überzeugt vor allem mit der Größe des Angebots. Für 10-20 Euro im Monat kann man bei Skoobe bis zu 15 Bücher gleichzeitig leihen und lesen. Skoobe bietet das flexibelste Leihmodell. E-Books geben sich da selbstständig zurück, wenn das Buch ausgelesen ist, Leihfristen entfallen, man kann das Buch solange behalten wie man will. Das größte Plus: Bis zu 15 Bücher sind gleichzeitig ausleihbar. Das große Angebot hat aber seinen Preis und ist mit bis zu 20 Euro relativ teuer.

Ganz neu auf dem Markt ist "Readfy". Das Prinzip gleicht Musikstreamingdiensten wie Spotify: Readfy ist aktuell noch kostenlos und werbefinanziert, da aktuell noch die Testphase läuft. Im Sommer, wenn das Ganze offiziell an den Start geht, soll Readfy 5-10 Euro im Monat kosten. Bislang geht das allerdings nur mit einem Android-Gerät, in den nächsten Monaten soll eine iPhone-App kommen.

Unser Fazit: Für Wenigleser lohnt sich die E-Book-Leihe bei keinem Anbieter. Vielleser wie Julia können darauf hoffen, dass sich der Markt weiterentwickelt. Dazu müssen sich vor allem die Verlage bewegen.

Quelle: n-tv.de