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Samstag, 23. Februar 2013

Biegen und rollen: Flexible Displays kommen

Mit ihnen sollen sich ganz neue Möglichkeiten ergeben: Flexible Displays, bei denen man die Bildschirme biegen und sogar zusammenrollen kann - und dabei doch leicht und stabil bleiben. Noch gibt es die zwar nicht zu kaufen, aber die großen Hersteller arbeiten heftig an solch neuen Produkten.

Es ist ein Display, obwohl es sich biegen lässt. Zudem ist es dünn und strahlend hell. Neuigkeiten, die auf der Computermesse CES vorgestellt wurden. Auch Samsung zeigte im im Imagefilm konkrete Endgeräte: ein Handy, das aufgeklappt zum Tablet wird. Oder ein Tablet, das sich aufrollen lässt.

Displaytechnik im Wandel

Der Welt wird deutlich gemacht: der Wandel der Displaytechnik kommt ins Rollen, wie auch Ulrike Kuhlmann vom Computermagazin c't erklärt: "Das entscheidende ist, es muss ein flexibler Träger sein. Man kann es also nicht aus Silizium machen, sondern es muss irgendwie am besten aus Plastik sein. Und die Transistoren müssen auch aus Plastik sein. Um es wirklich flexibel zu machen. Weil die anderen Strukturen mit Silizium würden brechen. Wenn man es zum Beispiel aufzieht, aufrollt. Wenn man es aufrollen würde, dann würden die Transistoren brechen."

Neue Technologien erforderlich

Der Prototyp von Samsung basiert auf der sogenannten Oled-Technik. Hierbei dreht sich alles um organische Halbleiter. Farbstoffmoleküle, die elektrisch angeregt, Licht aussenden. Oleds lassen sich unterschiedlich einsetzen: als großflächige Leuchtmittel oder Lampen, als organische Solarzellen oder eben auch als winzige Pixel, die Displays bilden. Oled-Displays werden zunehmend verbaut – in Handys oder auch Fernsehgeräten.

Noch sind viele Oled-Displays starr und liegen unter Glas. Aber offenbar ist es Samsung und auch Sharp wie auch dem Frauenhofer-Institut in Dresden gelungen, Oleds auf einen flexiblen Träger aufzubringen.

Es geht aber auch anders. Flexible Displays können ebenso auf E-Ink, elektronischer Tinte basieren. Wie bei der britisch-deutschen Firma Plastic Logic.

Was der Endverbraucher als E-Reader kennt oder vielleicht regelmäßig benutzt: E-Ink liefert starre Abbildungen in Schwarz-Weiß mit recht schnell wechselnden Inhalten. Die Darstellung von Filmen, die Wiedergabe von Farben funktioniert mit anderen Techniken besser.

Dennoch, Plastic Logic hat das Konzept elektronische Tinte mittels Kunststoff in eine neue Dimension gebracht, wie Rachel Lichten von Plastic Logic erläutert: "Also, das Lesegerät, das sie hier sehen ist ein Konzept, ein Beispiel von dem Einsatz unserer Displays. Unsere Displays sind besonders leicht, sind besonders dünn. Und sie sind flexibel und robust. D.h., sie ermöglichen innovative Konzepte und Produkte, die eben diese Eigenschaften übernehmen."

Vielfältige Anwendungen möglich

Die Welt ist voll mit Bildschirmen und Anzeigen – es könnten allerdings noch viel mehr werden durch den Einsatz von flexiblen Displays. Der technischen Phantasie scheinen kaum Grenzen gesetzt, meint Ulrike Kuhlmann von c't: "Dann kann man diese flexiblen Displays auch in Kleidung integrieren. Dann hat man das Display am Arm auf der Jacke. Für draußen ist das ganz praktisch, muss man es nicht mehr rausholen. Und wenn es dann richtig kostengünstig ist und noch größer, dann könnte man zum Beispiel auch so Vorhänge machen. Und dann zieht man einfach das Display vors Fenster."

Damit ist aber noch lange nicht Schluss. Was gebogen wird, könnte auch permanent im gebogen Zustand verbleiben. So haben einige TV-Geräte-Hersteller auf der CES ovale Bildschirme präsentiert: "Denken sie zum Beispiel an ein Armaturenbrett in einem Auto. Was oft ja gebogen ist. Denken sie aber auch an eine Armbanduhr, wo die komplette Uhr zum Beispiel ein Display wäre, das man um den Arm biegt. Oder zum Beispiel die Säulen an den Bushaltestellen in der Straße. Wo man dann halt ein Display einbetten kann, was dann aktualisiert wird per Funk.", so Rachel Lichten von Plastic Logic.

Schmaler, robuster, leichter

Die neuen Plastikbildschirme punkten aber neben der geringen Dicke und Robustheit auch mit ihrem geringen Gewicht. Auch das ließe sich im großen Stil ausnutzen, meint Rachel Lichten: "Wenn sie z.B. in einem Flugzeug alle Displays zukunftstechnisch auswechseln würden und mit Plastik und Kunststoffbasierten Displays auswechseln würden, da sparen sie auch eine Menge an Gewicht. Und das sehen sie wir schon heute, dass das für die Airlines ein wichtiger Faktor ist."

Großartige Aussichten – doch wann gibt es die ersten Produkte? Die E-Ink-Displays von Plastic Logic werden bereits produziert. Die ersten Anwendungen sollen noch 2013 auf den Markt kommen.

Dabei wird es sich wohl um eReader handeln. Preislich sollen die Geräte ein wenig teurer als die herkömmlichen Lesegeräte sein. In der Tendenz werden die Preise für flexible E-Ink-Displays aber sinken, erwartet Rachel Lichten: "Also auf alle Fälle sehen wir, dass die Technologie im Preis runter kommt, wenn man von höherem Volumen spricht. Weil man eben ein viel günstigeres Ausgangsmaterial hat, Kunststoff. An Stelle von Silizium. Man verwendet viel niedrigere Temperaturen und weniger Chemikalien in der Fertigung. Und die Fertigungszeiten sind wesentlich kürzer als wenn man von Silizium spricht."

Mit konkreten Ankündigungen hält sich Samsung bei seinen Oled-Bildschirmen auffallend zurück. Die Öffentlichkeit darf schauen und staunen und muss sich doch noch gedulden: "Das sind sehr frühe Prototypen. Das sind überhaupt noch keine Seriengeräte bei den biegsamen Oleds. Und die geben die auch sehr ungern aus der Hand. Weil die sehr schnell kaputt gehen. Das Problem bei Oleds ist immer die Verkapselung. Diese Leuchtschicht, die darf nicht mit Luft oder Wasser in Berührung kommen. Dann geht sie sofort kaputt. Und das Verkapseln eines biegsamen Materials, dass kann man sich ja vorstellen, ist relativ aufwendig. Das ist ein großes Problem.", so Ulrike Kuhlmann von c´t.

Da aber neben Samsung auch Sharp, LG und viele andere Wettbewerber fieberhaft an neuen Displays arbeiten, wird es nicht mehr lange dauern, bis die biegsamen Displays die Konsumenten erfreuen werden.

Quelle: n-tv.de