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Dienstag, 13. November 2012

Mit Glück oder Können?: Sind Pokergewinne steuerpflichtig?

Wer ein Gewerbe anmeldet oder ein Gewerbe betreibt, zahlt auf seine Gewinne Gewerbesteuer. So weit so gut. Eduard Scharf aus Köln staunte nicht schlecht, als er von seinem Finanzamt Post bekam. Er soll auch Gewerbesteuer zahlen - und zwar auf seine Gewinne beim Pokerspiel. Dabei galt Poker lange als Glücksspiel und die Gewinne waren somit steuerfrei. Doch einige Finanzämter sehen dies inzwischen anders.

Mit Glück und der richtigen Strategie zum Erfolg. So wird Pokern weltweit vermarktet. Das Spiel mit den Karten ist in. Preisgelder in Millionenhöhe keine Seltenheit.

Gewinnsummen bei denen mittlerweile auch deutsche Finanzbeamte hellhörig werden. Eine Erfahrung, die auch Eduard Scharf aus Köln machen musste.

Eduard Scharf, Hobby-Pokerspieler: "Also das Finanzamt Köln möchte, dass die vermeintlichen Pokergewinne, die ich in den letzten neun Jahren angeblich gemacht habe, dass ich die versteuere."

In den letzten 20 Jahren hat der ehemalige Flugkapitän an zahlreichen Poker-Turnieren teilgenommen. Aus Leidenschaft, nicht aus Profession, wie er betont.

Eduard Scharf: "Die Gewinne sind in meinem Urlaub entstanden. Ja, weitestenfalls ein Hobby, aber mehr auch nicht. Gewerbsmäßig ist einfach lächerlich. Sie versuchen die Gesetze und die Bestimmungen, die es gibt, so zu drehen, dass sie daraus Geld bekommen können. Und dazu gehört, dass es einfach gewerbsmäßig sein müsste. Deswegen verlangen sie auch Gewerbesteuer."

Mittlerweile füllt der Schriftverkehr mit dem Finanzamt mehrere Aktenordner. Auf über einhunderttausend Euro beläuft sich mittlerweile seine Steuerlast. Vor drei Jahren fing alles an: Beamte der Steuerfahndung stießen im Internet auf diese Liste. Ein Verzeichnis voll mit Preisgeldern und deren mutmaßlichen Gewinnern. Einer von Ihnen: Eduard Scharf.

Eduard Scharf: "Also es gibt vier zwielichtige Gestalten aus England, die eine Internetseite kreiert haben, wo man vermeintliche Pokergewinne veröffentlicht. Man könnte da hinschreiben und sagen ich habe ein Turnier in Gelsenkirchen oder Wanne Eickel mit Gewinnsumme sowieso gemacht, dann posten die das und die Summen stimmen hinten und vorne nicht!"

Die Finanzbeamten sahen das jedoch anders. Eduarf Scharf hat daraufhin sein Finanzamt verklagt. Das Kölner Finanzgericht lehnte die Klage mittlerweile ab, ließ allerdings die Revision vor dem Bundesfinanzhof in Müchen zu. Scharfs Anwalt hatte ihm zu der Klage geraten.

Robert Kazemi, Rechtsanwalt: "Unsere Hauptbegründung stützt sich natürlich darauf, dass Poker in der Rechtsprechung der Bundesrepublik Deutschland und in der Gesetzgebung der Bundesrepublik Deutschland gemeinhin als Glücksspiel eingestuft wird. Und es ist nun mal so, dass nur solche Gewinne der Steuer unterfallen, auf deren Anfall derjenige Einfluss hat, der sie erwirtschaftet. Das ist bei Glücksspiel naturgemäß nicht."

Poker gleich Glücksspiel. Diese Gleichung war lange unstrittig. Und somit auch, dass Gewinne aus dem Spiel nicht zu versteuern sind. Doch Eduard Scharf habe sich nicht nur auf sein Glück verlassen, meinen die Beamten. In einem Schreiben der Steuerfahndung an das Kölner Finanzamt heißt es: Pokerspiele seien keine Glücksspiele wie Roulette, sondern erfordern eine Geschicklichkeit des Spielers. Der Erfolg beruhe auf besonderen antrainierten Fähigkeiten. Eduard Scharf kann diese Argumentation nicht vollziehen. Seine Erfahrungen als Pokerspieler sind völlig andere.

Eduard Scharf: "Sie können noch so gut spielen, sie können kein Turnier gewinnen, ohne dass sie sehr viel Glück haben. Und wenn Sie sehr viel Glück haben, können sie noch so schlecht spielen, dann gewinnen sie das Turnier trotzdem und das ist in meinen Augen ein Glücksspiel."

Das sieht auch der Staat so. Gepokert werden darf in Deutschland weiterhin nur in einigen wenigen Spielbanken. Pokern um Geld, beispielsweise im Internet, ist somit illegal. Der Staat behält das Monopol beim Glücksspiel und damit auch einen Teil der satten Gewinne.

Robert Kazemi, Rechtsanwalt: "Wenn man so weit geht Poker als Geschicklichkeitsspiel einzustufen, dann gibt es enorme Rechtfertigungsprobleme für das staatliche Glücksspielmonopol und deswegen gehe ich auch davon aus, dass der deutsche Staat grundsätzlich gesamtgesellschaftlich kein Interesse daran haben kann."

Für Eduard Scharf könnte sich das Blatt also noch zum Guten wenden.

Eduard Scharf: "Also ich bin da sehr zuversichtlich, muss ich auch sein, weil sonst wäre ich schon längst durchgedreht. Denn es ist sehr belastend, seit drei Jahren bekomme ich regelmäßig Post mit Verzugszinsen und es ist ein Nervenkrieg, was die Familie sehr belastet, ja sehr an die Nerven geht."

Den Spaß an seinem Hobby hat Eduard Scharf dennoch nicht verloren. Und so hofft er weiterhin auf gute Karten: Beim Pokerspiel und auch vor Gericht.

Quelle: n-tv.de