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Baden-WürttembergDieses besondere Rezept soll alten Menschen in Armut helfen

12.06.2026, 04:03 Uhr
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(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Einsam, alt, hungrig - aber das Geld reicht kaum für eine gesunde Mahlzeit. Bei Senioren kommen oft viele Probleme zusammen. Daher sollten sich auch Kinder und Enkel für dieses Projekt interessieren.

Karlsruhe (dpa/lsw) - Soziale Teilhabe auf Rezept: Um einsamen, alten Menschen in Armut zu helfen, wird in Karlsruhe ein neues Konzept getestet: Zwei Hausarztpraxen können Patienten "soziale Rezepte" verschreiben.

Damit können diese bei der Kulturküche Karlsruhe und dem AWO-Wohncafé im Stadtteil Rintheim ein warmes, gesundes Mittagessen bekommen. Und eine fachkundige Sozial- und Teilhabeberatung: eine Ansprechperson, die zuhört und entweder zu konkreten Beratungsstellen etwa für Wohngeldanträge oder zu niedrigschwelligen sozialen Angeboten in Wohnortnähe vermitteln kann.

Das steckt hinter dem Versuch

Das Pilotprojekt geht auf gleich mehrere gesellschaftliche Probleme ein: Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Armut bedroht. "Ihre Lebenssituation ist häufig gekennzeichnet durch einen schlechteren Gesundheits- und Ernährungsstatus, eine ungünstigere Wohnsituation und eine geringere gesellschaftliche Teilhabe", heißt es beim Max Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel.

Bei älteren Menschen komme erschwerend hinzu, dass sie kaum Möglichkeiten hätten, aus der Armut herauszukommen. "Denn unzureichende Altersvorsorge kann nicht rückgängig gemacht werden und körperliche Einschränkungen führen zu verringerter Fähigkeit eines Hinzuverdienstes." Daher habe die Verbesserung ihrer Situation eine große gesellschaftliche Relevanz.

Im Forschungsprojekt "Ernährungs- und Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren in Armut" entstand den Angaben nach die Idee zu dem Versuch mit den "sozialen Rezepten". Die zunehmende Einsamkeit sei oft mit einer kleinen Rente verbunden, weshalb viele Menschen aufgrund des Sparzwangs jahrelang sozial zurückgezogen lebten, teilte das MRI mit. Hausarztpraxen seien oft die einzigen Anlaufstellen, die die Betroffenen regelmäßig aufsuchen.

"Soziale Rezepte" europaweit

Damit diese auch an nicht-medizinische Angebote weiter verweisen können, gibt es schon länger die Idee vom "Social Prescribing", dem "sozialen Rezept". Das wird auch in verschiedenen Städten und anderen Zusammenhängen erprobt. Die Charité in Berlin etwa koordiniert ein europaweites Projekt dazu.

In Karlsruhe soll der Test sechs Monate laufen. "Uns interessiert natürlich, ob das soziale Rezept auch funktioniert", erklärte Sozialwissenschaftlerin Tanja Kaufmann vom MRI laut Mitteilung. "Konnten die Nutzerinnen und Nutzer damit wirklich neue Sozialkontakte knüpfen und geht es ihnen ein wenig besser?" Die Kosten für die Teilnahme an den Mittagstischen und die Beratungsgespräche trägt bei dem Pilotprojekt die Stadt Karlsruhe.

Am Ende sollen die Erkenntnisse in einen Aktionsplan mit praxisnahen Maßnahmen fließen, um die Teilhabe älterer Menschen mit wenig Geld gerade mit Blick auf die Ernährung zu verbessern. Damit ist 2027 zu rechnen.

Quelle: dpa

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