Hamburg & Schleswig-HolsteinKüken wagen den Sprung – Naturspektakel auf Helgoland

Jedes Jahr wagen Trottellummenküken auf Helgoland den Sprung von den Klippen ins Meer. Dieses Naturschauspiel ist immer wieder besonders. Für Besucher gibt es ein buntes Veranstaltungsprogramm.
Helgoland (dpa/lno) - Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel: Trottellummenküken springen in der Dämmerung von den Felsen auf Helgoland in die Tiefe zu ihren Eltern ins Meer. Jetzt ist das alljährliche Spektakel wieder zu beobachten: Rund um den Lummensprung bieten der Verein Jordsand, der Helgoland Tourismus-Service und das Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" von Samstag an bis zum 28. Juni ein buntes Veranstaltungsprogramm rund um den Lummenfelsen an.
So geben beispielsweise täglich um 21.00 Uhr Lummensprungführungen Einblicke in das Phänomen des Sprungs. Tagsüber bieten Führungen am Lummenfelsen Gelegenheit, sich tiefer mit der dortigen Vogelwelt zu beschäftigen. Und ornithologische Rundfahrten mit dem Helgoländer Börteboot zeigen Hochseevögel direkt in ihrem Element auf dem offenen Meer.
Der Helgoländer Lummenfelsen ist nach Angaben des Vereins Jordsand mit rund 1,1 Hektar seit 1964 das kleinste Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins und eines der kleinsten in ganz Deutschland. Nur hier, an dem etwa 220 Meter langen und 50 Meter hohen Klippenabschnitt, brüten in Deutschland alle fünf Hochseevogelarten Trottellumme, Basstölpel, Dreizehenmöwe, Eissturmvogel und Tordalk.
Küken können beim Sprung noch nicht fliegen
Das außergewöhnliche Schauspiel findet regelmäßig im Juni statt, wenn die kleinen Vögel im Alter von etwa drei Wochen vom Lummenfelsen entweder direkt ins Wasser springen oder auf den Boden - je nach Ausgangspunkt. Die Jungtiere können in diesem Alter noch nicht fliegen, sondern versuchen nach Angaben des Vereins Jordsand so gut wie möglich mit ihren Stummelflügeln hinabzugleiten.
"Der Lummensprung ist jedes Jahr aufs Neue ein einzigartiges Naturschauspiel, das man in dieser Form nur auf Helgoland erleben kann", sagte Elmar Ballstaedt, stellvertretender Stationsleiter des Vereins Jordsand auf Helgoland.
Dank ihrer Fettpolsterung und ihres leichten Knochenbaus überstehen die jungen Trottellummen nach Jordsand-Angaben in der Regel unbeschadet auch Sprünge aus bis zu 150 Metern Höhe.
Ziel des sogenannten Lummensprungs ist es, zu ihren Eltern ins Wasser zu gelangen, die ihre Jungen dort einfacher mit Nahrung versorgen können. Für die kleinen Vögel ist das ein großer Schritt. Manchmal dauert es Stunden bis Tage, bis ein Jungtier springt. Die Küken, die hinter der aus Küstenschutzgründen gebauten Mauer landen und daher nicht selbstständig ins Meer gelangen können, werden von Helfern auf den richtigen Weg gebracht.