Baden-WürttembergFesto will rund 1.300 Stellen in Deutschland streichen

Druck aus Asien, schwache Wirtschaft: Festo setzt den Rotstift an und baut zahlreiche Stellen ab. Was steckt hinter dem Sparkurs - und wie geht es für die Beschäftigten weiter?
Esslingen am Neckar (dpa/lsw) - Der Automatisierungsspezialist Festo will in Deutschland rund 1.300 Stellen streichen. Tiefgreifende Veränderungen in den Märkten, zunehmender Wettbewerb aus Asien und geopolitische Krisen fordern auch Festo stark heraus, wie das Familienunternehmen aus Esslingen mitteilte. Angesichts der verschärften Marktbedingungen setze man auf ein globales Transformationsprogramm zur Steigerung von Wachstum und Effizienz.
Um den finanziellen Spielraum zu erreichen, den die Transformation erfordert, werde Festo in Deutschland seine Strukturen verschlanken, hieß es. Die Stellen sollen über verschiedene Bereiche hinweg abgebaut werden. Über die konkrete Umsetzung und den Zeitplan machte das Unternehmen noch keine Angaben und verwies auf die Gespräche mit dem Betriebsrat.
"Wir brauchen das Transformationsprogramm jetzt, da wir noch aus einer Position der Stärke heraus agieren können", teilte Vorstandschef Thomas Böck mit. Das Unternehmen stelle sich weltweit so auf, dass man die führende Rolle in der Automatisierungstechnik und der technischen Bildung weiter ausbauen könne. "Dazu schärfen wir Strukturen und optimieren unsere Kostenbasis verantwortungsvoll, um langfristig investitions- und handlungsfähig zu bleiben."
Weltweit möchte das Unternehmen jährlich 200 Millionen Euro einsparen. Auch im Ausland würden Stellen eingespart, wurde Böck von der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" zitiert. In Deutschland schloss Böck die Schließung von Standorten aus. "Wir werden auch alle Produktionsstandorte in Deutschland erhalten."
Gewerkschaft hält Schritt für falsch
Deutliche Kritik an dem geplanten Stellenabbau kam von der IG Metall. "Das hat uns und die Beschäftigten eiskalt erwischt", sagte Funktionär Max Czipf von der Gewerkschaft in Esslingen. Das Ausmaß der geplanten Maßnahmen sei überraschend und mache große Sorgen über die Auswirkungen auf die Arbeits- und Wirtschaftsregion. Die IG Metall Esslingen halte den Schritt für falsch. "Wer in dieser wirtschaftlichen Krise Jobs abbaut, verantwortet den Schaden am Industriestandort", warnte er.
Der Stellenabbau soll "soweit es möglich ist", sozialverträglich umgesetzt werden, sagte der Manager der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Es seien zum Beispiel Maßnahmen geplant, die auf Einvernehmlichkeit basierten oder auch Maßnahmen, die rentennahe Mitarbeitende ansprächen. Betriebsbedingte Kündigungen seien eine Option, "aber wir versuchen dies größtmöglich zu vermeiden".
Drittes Umsatzminus in Folge
Ende 2025 beschäftigte das Unternehmen rund 20.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - genau so viele wie ein Jahr zuvor. Ungefähr 8.200 von ihnen arbeiteten in Deutschland. Die maue Wirtschaftslage hatte das Geschäft des Familienunternehmens aber belastet. Der Umsatz sank 2025 um 3,7 Prozent auf rund 3,33 Milliarden Euro. Es handelte sich um den dritten Rückgang in Folge. 2022 hatte Festo noch einen Umsatz von 3,81 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zum Gewinn äußert sich das Familienunternehmen nicht.
Der Maschinen- und Anlagenbau hat mit herausfordernden Marktbedingungen zu kämpfen, hieß es bei der Bilanzvorlage. Das werde durch Handelsbarrieren wie die unberechenbare US-Zollpolitik und geopolitische Konflikte erschwert. Viele Kunden, vor allem im Bereich Automotive, seien mit Investitionen zurückhaltend.
Festo-Produkte kommen in vielen Branchen zum Einsatz
Festo ist spezialisiert auf Steuerungs- und Automatisierungstechnik in der Industrie. Zu den Produkten des Unternehmens gehören Geräte, die mit Druckluft arbeiten, sowie Software- und KI-Lösungen. Zum Einsatz kommen sie zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Auto- und Medizintechnikbranche. Festo ist außerdem in der technischen Bildung aktiv und arbeitet zunehmend an Bioreaktoren, um nachhaltige Lösungen für die Industrie zu entwickeln.