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Baden-WürttembergMordanklage nach 40 Jahren – Spur führte zu 70-Jährigem

07.07.2026, 11:00 Uhr
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Rund 40 Jahre nach dem Fund einer toten Frau bei Deggingen erhebt die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen einen 70-Jährigen. Eine alte DNA-Spur war offenbar entscheidend für die Ermittler.

Deggingen (dpa/lsw) - Nackt und an den Beinen gefesselt: So haben Spaziergänger vor mehr als 40 Jahren die Leiche einer Frau neben einem Waldweg in Deggingen entdeckt. Jahrzehntelang blieb die Tat ungeklärt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen einen 70 Jahre alten Mann erhoben, der bereits in Untersuchungshaft sitzt. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die damals 31-Jährige vergewaltigt und getötet zu haben, teilte die Behörde mit. Zu den Vorwürfen habe er sich bislang nicht geäußert.

Vergewaltigt und mit Auto überfahren

Den Ermittlungen zufolge nahm der Mann die Frau 1985 in seinem Auto mit und fuhr mit ihr zu einem Waldweg bei Deggingen (Kreis Göppingen). Bereits während der Vergewaltigung soll er sein Opfer massiv gewürgt haben. Anschließend habe er ihr mit einem Stein mehrmals auf den Kopf geschlagen.

Laut Staatsanwaltschaft zog der Beschuldigte die Frau an ihrem BH einen Abhang im Wald hinunter und ließ sie dort nackt zurück. Ihre Leiche wurde mehr als zwei Wochen später entdeckt.

Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass er die Frau mit seinem Auto überfahren habe, so die Staatsanwaltschaft. "Das Verletzungsmuster ähnelte dem eines Überrollens mit einem Kraftfahrzeug", hatte es dazu geheißen.

Mit Sonde und Spezialfahrzeug

Bereits Anfang November war das Haus des Mannes in Schwendi (Kreis Biberach) aufwendig durchsucht und der Mann kurzzeitig festgenommen worden. Etliche mögliche Beweismittel wurden nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft sichergestellt und von der Kriminalpolizei Göppingen untersucht. Die Ermittler hatten damals unter anderem ein Spezialfahrzeug sowie eine Sonde eingesetzt, die Hohlräume entdecken kann.

Entscheidend für die Spur zum 70-Jährigen dürfte eine 1985 gesicherte DNA-Spur gewesen sein. Denn: "Dass die Tötung des Opfers im Zusammenhang mit einem Sexualdelikt steht, ist sehr wahrscheinlich", hatte die Polizei bereits im vergangenen November mitgeteilt.

Die Ermittlungsgruppe "Oberberg" beim Kriminalkommissariat Göppingen hatte die in Schwendi beschlagnahmten Asservate geprüft und vorhandene Beweismittel neu bewertet. Außerdem gebe es Erkenntnisse aus einem rechtsmedizinischen Sachverständigengutachten.

Eine Auswahl langfristig ungeklärter Fälle im Land

Allein in Baden-Württemberg gibt es nach Auskunft des Landeskriminalamtes rund 360 Cold Cases. Dabei handelt es sich um ungeklärte versuchte oder vollendete Tötungsdelikte sowie Vermisstenfälle, bei denen der Verdacht auf ein Tötungsdelikt besteht. Zu den längsten ungeklärten Fällen zählen:

Eine tote und teilweise verbrannte Frau wird am 24. Juli 1997 in einem Waldgebiet bei Todtnau-Präg im Kreis Lörrach gefunden. Die Identität der rund 20 Jahre alten Frau ist auch über 27 Jahre später noch ungeklärt. Ermittler vermuten, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

Der Fall der Biologie-Studentin Eva Götz reicht ebenfalls ins Jahr 1997 zurück. Die 26-Jährige wird zu Jahresbeginn 1997 in Freiburg mutmaßlich in einem Kleintransporter entführt. Erst Ende Januar 2024 wird ihre Leiche an einem Feldweg zwischen Geisingen (Kreis Tuttlingen) und Blumberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) gefunden.

Quelle: dpa

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