Baden-WürttembergNeue Stadt an Spitze: Das macht Mannheim so kriminell

Jahrelang hatte Freiburg im Breisgau die höchste Kriminalitätsrate im Land. Nun ist Mannheim negativer Spitzenreiter. Warum das so ist und was die Stadt dazu sagt.
Mannheim (dpa/lsw) - Der tödliche Messerangriff auf einen Polizisten auf dem Marktplatz, die Amokfahrt mit zwei Toten: Mannheim war immer wieder mit aufsehenerregenden Straftaten bundesweit in den Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr ist die Stadt diejenige mit der höchsten Kriminalitätsrate im Land gewesen, wie aus dem Sicherheitsbericht des Innenministeriums hervorgeht. Umgerechnet 9.498 Straftaten pro 100.000 Einwohner wurden demnach erfasst - das waren mehr als doppelt so viel landesweit im Schnitt.
Damit hat Mannheim den jahrelangen Spitzenreiter Freiburg abgelöst. Der rutschte mit 9.263 erfassten Straftaten pro 100.000 Einwohner auf Platz 2 im landesweiten Vergleich. Doch wie kommt es dazu?
Wie haben sich die Zahlen in Mannheim entwickelt?
Im vergangenen Jahr wurden laut Polizeipräsidium Mannheim insgesamt 30.207 Straftaten registriert - ein Rückgang um rund 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei bleiben ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einreisen außen vor. In den vergangenen Jahren waren die Gesamtzahlen nach einem Tiefstand während des Corona-Jahres 2021 von 22.965 registrierten Straftaten wieder deutlich angestiegen.
Welche Straftaten wurden in Mannheim vor allem erfasst?
Am häufigsten wurde laut Polizeipräsidium Mannheim im vergangenen Jahr Schwarzfahren erfasst: Das Erschleichen von Leistungen machte 3.073 Fälle aus, es war damit rund jede zehnte registrierte Straftat. Allerdings ging die Zahl im Vergleich zu 2024 um rund 29,6 Prozent zurück. Knapp dahinter lagen 2025 Ladendiebstahl mit 2.873 registrierten Fällen (+ 1,4 Prozent) sowie Sachbeschädigung mit 2.452 erfassten Straftaten (+5,8 Prozent).
Warum hat Mannheim Freiburg überholt?
In der 240.000-Einwohner-Stadt Freiburg wurden im vergangenen Jahr mit 21.996 Straftaten insgesamt rund 5,9 Prozent weniger registriert als noch im Vorjahr, ausländerrechtliche Vergehen nicht mitgezählt. Damit liegt die Kriminalitätsrate unter der von Mannheim mit seinen rund 330.000 Einwohnern. Die am häufigsten erfasste Straftat in Freiburg war der Diebstahl von Fahrrädern (2.704). Besonders stark ging das Erschleichen von Leistungen wie etwa beim Schwarzfahren zurück - auf 916 erfasste Straftaten (minus 37,9 Prozent), ebenso Körperverletzungsdelikte und Ladendiebstähle.
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg betonte allerdings, dass sowohl das Entdecken von Schwarzfahrern als auch von Ladendieben stark damit zu tun habe, wie viele Kontrolleure und Ladendetektive eingesetzt würden. Ein Rückgang von Kontrollen könne auch der Grund für den Rückgang der erfassten Straftaten sein.
Was sagt die Polizei zu Mannheims hoher Kriminalitätsrate?
Das Polizeipräsidium Mannheim verweist unter anderem auf eine höhere Kriminalitätsbelastung von Städten generell im Vergleich zum ländlichen Raum. Zudem spiele die Lage Mannheims im Dreiländereck Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und als Verkehrsknotenpunkt eine wichtige Rolle: Die Stadt liegt an den Autobahnen 5 und 6. Damit sei Mannheim etwa für bundesweit tätige Einbrecherbanden attraktiv, sagte ein Sprecher. Zudem ist der Mannheimer Bahnhof auch Halt auf ICE-Strecken nach München, Zürich, Hamburg, Paris und Amsterdam.
Darüber hinaus spielten auch sozio-ökonomische Gründe eine Rolle für kriminelles Verhalten, so der Sprecher. Laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband war etwa die Armutsquote in der Region Rhein-Neckar - zu der auch Mannheim gehört - 2024 mit 15,2 Prozent die höchste in Baden-Württemberg. Dem Diakonischen Werk Mannheim zufolge lebten zuletzt in manchen Stadtteilen mehr als 40 Prozent der Kinder in Armut. Kriminalitäts-Brennpunkte in der Stadt gibt es nach Angaben der Polizei keine.
Was sagt die Stadt zu Mannheims hoher Kriminalitätsrate?
"Die Kriminalitätsbelastung in Mannheim konzentriert sich insbesondere auch auf den Bereich des Hauptbahnhofs", sagte eine Sprecherin. "Er ist der höchstfrequentierte Bahnknoten in Baden-Württemberg, was ihn – mit der hohen Anzahl an Personen, die hier täglich verkehren und sich aufhalten – leider auch zu einem Kriminalitätsbrennpunkt macht." Vergleichbares lasse sich auch an und in vielen weiteren Hauptbahnhöfen deutscher Großstädte beobachten.
Für den Bahnhof ist die Bundespolizei zuständig, deren Zahlen auch in den Sicherheitsbericht einfließen. Im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei in Mannheim wurden im vergangenen Jahr laut Landeskriminalamt 2.937 Straftaten registriert - ebenfalls ohne ausländerrechtliche Vergehen.
Zudem betonte die Sprecherin, es sei zu bedenken, dass hohe Kriminalitätsraten durch eine hohe Aufnahme von Anzeigen entstünden. Ob die Anzahl der Vorfälle wirklich gestiegen sei - oder ob lediglich mehr Taten angezeigt wurden - lasse sich daher nicht abschließend sagen.
Was tun die Behörden für die Sicherheit in Mannheim?
Die Stadtverwaltung verweist unter anderem auf den seit 2018 bestehenden KI-basierten "Intelligenten Videoschutz". Er diene der Überwachung und dem Schutz von öffentlichen Räumen durch die Polizei. Außerdem führte Mannheim Ende 2023 eine Waffen- und Messerverbotszone in Teilen der Innenstadt ein.
Die Stadtverwaltung betont zudem, dass bei der vergangenen Sicherheitsbefragung 2024 fast 80 Prozent der Befragten angegeben hätten, dass sie sich in ihrem Stadtteil sehr sicher oder ziemlich sicher fühlten. Nur rund 22 Prozent fühlten sich demnach ziemlich oder sehr unsicher.