Baden-WürttembergNotfallmediziner: War eine "eher heftige" Nacht

In der Stuttgarter Notaufnahme war in der Nacht viel los - selbst für Silvester. Der leitende Arzt berichtet von abgetrennten Fingern und Schädelfrakturen.
Stuttgart (dpa/lsw) - Ärzte und Pfleger in der Notfallaufnahme des Klinikums Stuttgart haben in der Silvesternacht alle Hände voll zu tun gehabt.
Ein knapp 80 Jahre alter Mann habe bei einer Böllerexplosion einen Finger verloren, zwei weitere müssten wohl amputiert werden, berichtete der leitende Oberarzt Florian Dengler der dpa. Ein jüngerer Herr um die 40 habe schwerste Kopfverletzungen erlitten, als er eine Feuerwerksbatterie mit einem Gasbrenner oder einem ähnlichen Gerät anzünden wollte und die Batterie neben ihm explodierte. Durch die Wucht habe er Frakturen am Schädel erlitten.
Der 37-jährige Mediziner berichtete, ab Mitternacht habe man fast dreimal so viele Patienten versorgen müssen wie an einer normalen Wochenend-Nacht. Dieses Jahr sei es verglichen mit anderen Silvesterschichten "eher heftig" gewesen. "Es war sehr umtriebig." Viele Patienten seien alkoholisiert gewesen. Ein älterer Herr sei betrunken gestürzt und habe sich eine schwere Schädelfraktur und eine Hirnblutung zugezogen.
Arbeit am Fließband
Dengler hatte bereits kurz vor der Silvesternacht von einem Ausnahmezustand in seiner Notaufnahme zum Jahreswechsel berichtet. Ärzte und Pfleger arbeiteten im Dauerlauf: von Liege zu Liege, Wunden nähen, Medikamente geben, Verletzte versorgen. Pausen? Fehlanzeige.
Man sei schon froh, wenn man auf dem Weg zum nächsten Patienten einen Schluck Wasser trinken oder einmal kurz in ein Brot beißen könne, hatte der Doktor erzählt. Trotz aufgestocktem Personal stoße die Notaufnahme in dieser Nacht regelmäßig an ihre Grenzen.
Der Oberarzt berichtete auch von zunehmend aggressiven Patienten, die Pflegekräfte und Ärzte beleidigten, bedrohten oder teils mit rassistischen oder sexistischen Sprüchen angingen. Auch der Sicherheitsdienst in der Notaufnahme werde in der Silvesternacht aufgestockt.