Baden-Württemberg"The Normal One": CDU wirbt mit Hagel als Mann aus der Mitte

Selfies, Bauhelm und türkises Band: Wie die CDU ihren Spitzenkandidaten Hagel als Kumpel von nebenan inszeniert – und warum sie die neuen Wahlkampfregeln vor große Hürden stellen.
Stuttgart (dpa/lsw) - Manuel Hagel hemdsärmelig bei einer Rede, Hagel beim Selfie mit einer echten "Schwarzwaldmarie", auf dem Bau und im Gespräch mit Polizisten - die CDU will ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl mitten in der Gesellschaft positionieren. "Ein Kandidat aus der Mitte des Landes. The Normal One", sagte der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Tobias Vogt bei der Vorstellung der Kampagne in Stuttgart.
Die übergroßen Wahlplakate, die sogenannten Wesselmänner, konzentrieren sich vor allem auf den CDU-Landes- und Fraktionschef, dazu wirbt die Partei mit kurzen, einfachen Botschaften zu den Themen Wirtschaft, Sicherheit, Heimat und Bildung um das Kreuzchen auf dem Stimmzettel am 8. März. Im Gegensatz zum grünen Koalitionspartner finden sich auf allen CDU-Plakaten zudem der Name der Partei in schwarzen Buchstaben und das Logo.
Cadenabbia-Türkis und knappe Botschaften
Besonders ins Auge fällt - wie zuletzt stets bei der CDU - die Farbe Türkis als Band und Hintergrundfarbe. Eine Farbe mit parteihistorischer Aufladung: Die Grundfarbe heißt "Cadenabbia", benannt nach dem italienischen Urlaubsort des ersten CDU-Kanzlers Konrad Adenauer. Deutlich zurückhaltender hingegen die insgesamt rund 100.000 Kandidatenplakate: Lediglich der Name der Partei und des Kandidaten oder der Bewerberin sind zu sehen.
Der Wahlkampf habe sich vor allem durch die jüngsten strengen EU-Vorgaben für Parteienwerbung im Internet stark verändert, sagte Vogt. "Wir brauchen beides, den Wahlkampf online und offline. Aber Offline, also auf der Straße, an den Haustüren und über die Briefkästen, wird wichtiger."
Vogt: EU-Verordnung ist Bürokratiemonster
Nach der Verordnung über "die Transparenz und das Targeting politischer Werbung" muss kostenpflichtige politische Werbung seit dem vergangenen Oktober eindeutig als solche gekennzeichnet sein und darüber informieren, wer wie viel dafür bezahlt hat. Zudem müssten Informationen dazu enthalten sein, ob sich die Werbung an ein bestimmtes Publikum richtet.
So sollen Bürgern unter anderem bezahlte politische Werbung erkennen und etwa von redaktionellen Inhalten oder persönlich geäußerten politischen Meinungen unterscheiden können. Meta, Google und andere hatten daraufhin angekündigt, keine politischen Anzeigen mehr in ihren Angeboten zu schalten.
"Das stellt uns vor riesengroße Herausforderungen und schränkt uns wahnsinnig ein", sagte Vogt, der auch von einem "Bürokratiemonster" sprach. "Die Reichweite wird einzementiert auf dem Stand vor der Verordnung", sagte er weiter.