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Bayern Leinwand statt Sofa: Filmtheater freuen sich über Kinolust

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(Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)

Ticket kaufen, Popcorn holen und ab in den Kinosessel - das ist nun endlich wieder möglich, teilweise sogar ohne Maske. Wie geht es den Kinos damit? Sind die Säle wieder voll? Zwei Betreiber berichten.

München (dpa/lby) - Nach vielen schwierigen Monaten der Corona-Krise macht sich bei den Kinos wieder Optimismus breit. "Die Leute haben so Lust auf Kino, aber bis wir wirklich wieder rentabel werden, wird das noch eine Weile dauern", sagte Christian Pfeil vom Vorstand der AG Kino Gilde Deutscher Filmkunsttheater, der Kinos in München und in Jena und Gera in Thüringen betreibt. Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) bestätigt den Trend, will die Branche aber weiter im Blick behalten: "Auch die nächsten Jahre werden eine Herausforderung sein", sagte sie am Mittwoch im Ausschuss des Bayerischen Landtags für Wissenschaft und Kunst.

279 Kinos mit 845 Leinwänden gibt es nach Auskunft Gerlachs derzeit im Freistaat - so viele wie in keinem anderen Bundesland. 2020 seien es 285 Spielstätten gewesen. Der Verlust von sechs Kinos sei eine normale Schwankung und kaum coronabedingt. Sie verwies auf Gelder von Bund und Freistaat wie Anlaufhilfen, Prämien und Fördermittel für Investitionen.

Bundesweit machten die Kinos zwischen dem 1. Juli und dem 14. Oktober Gerlach zufolge mehr als 219 Millionen Umsatz und verkauften mehr als 24,8 Millionen Tickets. Vor allem große Filme wie "James Bond - Keine Zeit zu sterben" funktionieren gut. Bei kleineren Produktionen sei es noch viel Arbeit, um auf das Niveau vor der Corona-Krise zu kommen, berichtete Kinobetreiber Pfeil. Hier sei eine Wiederanlaufhilfe sinnvoll, um den Leuten kompliziertere Filme schmackhaft zu machen.

Gerlach kritisierte in dem Zusammenhang einen Filmstau. Bis Anfang Oktober seien in diesem Jahr 257 Filme neu ins Kino gekommen. Vor Corona waren es oft mehr als 500 Neustarts im Jahr, die sich zum Teil gegenseitig Konkurrenz machen. "Nicht jeder Film gehört ins Kino", sagte sie auch mit Blick auf die Filmförderung. Wenn man mehr Mittel auf weniger Filme konzentriere, habe man vielleicht auch mehr Chancen im internationalen Wettbewerb. "Es geht um Vielfalt in hoher Qualität aber nicht um eine beliebige Vielzahl."

Diese Vielfalt können Besucher vielerorts wieder ohne Maske genießen, etwa bei Pfeil im Arena Filmtheater oder im Rio Filmpalast, wo die 3G-plus-Regel gilt. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen negativen PCR-Test vorlegen, dafür entfallen Maskenpflicht und Abstand. Gute Erfahrungen mit der schärferen Regel hat auch Matthias Damm in seinem Casablanca Kino in Nürnberg gesammelt. "Es gab zwar vereinzelte, wenn auch lautstarke, Kritik einzelner Gäste, 99 Prozent des Publikums waren aber ohnehin geimpft, insofern ändert sich für die allermeisten nicht viel, außer dass sie hocherfreut über das Ende der Maskenpflicht sind."

Vom Hype um den viele Male verschobenen James-Bond-Film profitieren kleinere Kinos wie das Casablanca aber nicht. "Der Bond hat uns eher negativ betroffen", sagte Damm. Er ziehe viel Aufmerksamkeit auf sich, was für die kleineren Filme nicht gut sei. Außerdem sei das Angebot parallel zu solchen Blockbustern immer dünn. Trotzdem ist er zufrieden. "Im Moment sind wir bei 70 bis 80 Prozent der üblichen Zahlen zu dieser Jahreszeit, was schon sehr ordentlich ist."

Dass ihm Streaming-Dienste Zuschauer weggenommen haben, glaubt Damm nicht: "Die Gäste sind begeistert, endlich wieder ins Kino gehen zu können - das hören wir jeden Abend." Gerlach nimmt die Konkurrenz dennoch ernst und nimmt auch die Kinobetreiber in die Pflicht. "Der Kinofilm ist trotzdem immer noch die Königsdisziplin." Aber die Kinos müssten mehr bieten, damit die Menschen im Durchschnitt acht Euro für eine Eintrittskarte zahlten und sich überhaupt aus dem Haus bewegten.

© dpa-infocom, dpa:211020-99-660562/3

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