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Bayern "Nicht mehr das katholische Bayern": 64 000 Kirchenaustritte

Ein Altarkreuz steht zwischen Kerzen auf dem Altar. Foto: Stefan Bergmann/Stiftskirche Kaiserslautern

(Foto: Stefan Bergmann/Stiftskirche Kaiserslautern/dpa)

Bayern gilt als besonders katholisches Bundesland. Im vergangenen Jahr haben dort allerdings auch besonders viele Menschen ihre Kirche verlassen. Bei den Protestanten sieht es nicht besser aus.

Bonn/München (dpa/lby) - Mehr als 64 000 Katholiken in Bayern haben ihrer Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt. Die Zahl der Kirchenaustritte im Freistaat war damit 2018 die höchste aller Bundesländer - und lag noch deutlich über den Austritten im Jahr 2017. Damals waren es rund 48 000; 2016 waren es ähnlich viele.

Bayern hatte - wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht - zwar mit knapp 6,4 Millionen auch besonders viele Katholiken. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem 2018 knapp 6,8 Millionen Katholiken lebten, traten aber nur rund 50 000 aus der Kirche aus.

"Bayern ist nicht mehr das katholische Bayern", sagte der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner. "Es ist schlimmer als erwartet. Was muss eigentlich noch alles passieren, damit es endlich Konsequenzen gibt?" Er sieht den Grund dafür vor allem in den erschütternden Ergebnissen der im September 2018 veröffentlichten Studie über massenhaften sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Deutschlandweit hatten 216 000 Menschen im Jahr 2018 die katholische Kirche verlassen, wie die DBK am Freitag in Bonn mitteilte. Das sind 48 500 Austritte mehr als 2017, als 167 500 Menschen der katholischen Kirche den Rücken kehrten.

Auch die evangelische Kirche kämpft mit drastisch sinkenden Zahlen: 2018 traten insgesamt knapp 28 000 Menschen aus der evangelischen Kirche in Bayern aus. Das waren noch einmal deutlich mehr als 2017 (knapp 24 000), wie die Landeskirche am Freitag mitteilte. Am 31. Dezember 2018 lebten mehr als 2,3 Millionen Protestanten in Bayern.

"Die hohe Zahl der Kirchenaustritte schmerzt mich", sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. "Sie zeigt, dass die lebenslange Kirchenmitgliedschaft kein Automatismus nach der Taufe im Kindesalter ist." Deutschlandweit traten bei den Protestanten 220 000 Menschen aus der Kirche aus, 23 000 mehr als 2017, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover mit.

Der Generalvikar im katholischen Erzbistum München und Freising, Peter Beer, sagte: "Wir müssen überlegen, warum wir zu so vielen Menschen den Kontakt verloren haben. Wie können wir unsere Angebote qualitativ besser machen? Wie können wir Menschen erreichen?" Für den Würzburger Bischof Franz Jung geht es nun "ganz offensichtlich um die Glaubwürdigkeit der Kirche". Weisner von "Wir sind Kirche" kritisierte: "Die kommen einfach nicht über den Ankündigungsmodus hinaus."

Die steigende Zahl der Austritt hat auch finanzielle Konsequenzen für die Bistümer. Das katholische Bistum Würzburg hatte in dieser Woche einen dreijährigen Baustopp angekündigt, weil dort das Geld knapp wird. Die Steuer macht bei den Kirchen im Freistaat in einigen Bistümern den Großteil der Einnahmen aus. In Würzburg und Passau sind es 80 Prozent, in Bamberg 75 Prozent, in Augsburg und Regensburg sogar fast 90 Prozent.

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