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BayernSteinmeier schuftet beim DAV-Wegebau – Werbung fürs Ehrenamt

22.05.2026, 16:19 Uhr
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Bundespräsident Steinmeier schnappt sich Schaufel und Wanderschuhe: Warum er beim Wegebau des Alpenvereins mit anpackt und was das mit dem Grundgesetz zu tun hat.

Aschau im Chiemgau (dpa/lby) - Steine schleppen fürs Ehrenamt: Zur Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Wanderschuhe geschnürt und mit Freiwilligen des Deutschen Alpenvereins (DAV) beim Wegebau angepackt. Bei einer Wanderung mit Vertretern von DAV und Bergwacht Bayern zur Priener Hütte im Chiemgau griffen Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zu Schaufel und Spitzhacke und halfen – wenngleich mehr symbolisch – bei der Wege-Instandhaltung mit.

"Rückgrat unserer Demokratie"

Anlass ist der deutschlandweite Ehrentag, den Steinmeier zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 ins Leben gerufen hat. "Ich finde, die Werte des Grundgesetzes sind es auch wert, gefeiert zu werden." Der Ehrentag solle ein "lebendiger, aktiver Geburtstag" für die Verfassung sein, die seit Jahrzehnten Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit garantiere.

"Ehrenamt, das ist so etwas wie das Rückgrat unserer Demokratie. Das wollen wir nicht nur bewahren, das wollen wir stärken", sagte Steinmeier. "Meine Vorstellung ist die, dass eigentlich jeder in Deutschland, jung und alt, einmal in seinem Leben ein paar Monate der Gemeinschaft, dem Gemeinwesen zur Verfügung stehen sollte", ergänzte er unter Verweis auf seinen Vorschlag zu einer sozialen Pflichtzeit.

Der Bundespräsident, selbst passionierter Bergsteiger, würdigte die Arbeit von Alpenverein wie auch der Bergwacht, deren rund 4.000 ehrenamtliche Kräfte jährlich 9.000 Mal zu Rettungseinsätzen ausrücken. Bei Alarm müssen sie sofort verfügbar sein. "Sie müssen dann auch Arbeitgeber haben, die sie freistellen", stellte Steinmeier fest.

Dass Ehrenamt teils auch aus finanziellen Gründen nicht für jeden umsetzbar ist, merkten Vertreter der Jugendorganisation JDAV an. Sie riefen die Politik zu mehr Entlastung auf. "Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit, sondern oftmals ein Privileg", sagte Annika Quantz vom JDAV.

Bundespräsident beim Steineschleppen

Freiwillige beim DAV halten allein 30.000 Kilometer an Wanderwegen instand. Im vergangenen Jahr leisteten fast 37.000 Ehrenamtliche rund 2,64 Millionen Arbeitsstunden, laut DAV, ein wirtschaftlicher Gegenwert von knapp 40 Millionen Euro. "Ohne Ehrenamt gäbe es den DAV in seiner heutigen Form nicht", sagte DAV-Präsident Roland Stierle. "Tausende Menschen investieren ihre Zeit und ihr Wissen – für Wege, Hütten, Ausbildung, Naturschutz und Sicherheit am Berg."

Schwere Steine müssen gehoben werden, um den Weg zu befestigen, Ablaufrinnen müssen freigeräumt werden, damit bei Starkregen das Wasser abfließt und nicht den Weg wegschwemmt. Der Klimawandel verändert nicht nur die Landschaft, sondern macht auch den Erhalt der Wege schwieriger, erläutern DAV-Vertreter.

Steinmeier und seine Frau schlüpfen in die grüne Freiwilligenjacke des DAV, streifen Handschuhe über und legen Hand an. Tritttest: Die vom Staatsoberhaupt neu gelegte Treppenstufe hält.

"Ich gehe selbst gerne in die Berge, und ich gebe zu: Mir ist auch nicht jeden Tag und bei jeder Wanderung bewusst gewesen, dass die Wege, die ich gehe, von Freiwilligen gepflegt werden", sagt Steinmeier hinterher.

"Werde sicher ehrenamtlich tätig sein"

Auch über seine Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Amt sprach der Bundespräsident. Viele Menschen stellten sich vor, dass er nach dem Ende seiner Amtszeit am 17. März kommenden Jahres "uferlos Zeit" habe. "Ja, ich werde sicher ehrenamtlich tätig sein." Er werde aber sorgfältig auswählen, in welchen Bereichen künftig seine Schwerpunkte liegen sollen – und zugleich darauf achten, dass die Terminkalender etwas weniger gefüllt seien als in den vergangenen Jahrzehnten.

Von Flensburg bis Berchtesgaden

Er freue sich, dass die Idee zu dem Ehrentag "im ganzen Land von Flensburg bis Berchtesgaden aufgegriffen" worden sei, sagte Steinmeier über die unterschiedlichen Aktionen und Aktivitäten. "Solche Projekte, solche Initiativen besichtige ich jetzt die ganze Woche. Wir helfen, sie bekannt zu machen." Der Ehrentag solle Menschen zum Mitmachen ermutigen, die sich ehrenamtliches Engagement bislang nicht vorstellen konnten. Die Aktion gebe Gelegenheit, "hineinzuschnuppern".

Zuletzt hatte Steinmeier, selbst DAV-Mitglied, den Verein 2019 besucht. Damals informierte er sich bei einer Wanderung zum 150-jährigen Bestehen des DAV im Mangfallgebirge vor allem über dessen Bemühungen in Umwelt- und Klimaschutz. Der DAV ist mit mehr als 1,6 Millionen Mitgliedern der weltgrößte Bergsportverband.

Quelle: dpa

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