Berlin & BrandenburgNotruf alle 28 Sekunden – Einsatz-Höchststand bei Feuerwehr

Die Feuerwehr wird durch eine Höchstzahl von Notrufen gefordert. Nicht alle Einsätze sind nötig. Manche Menschen mit psychischen Problemen rufen so oft an, dass sie in eine eigene Kategorie fallen.
Berlin (dpa/bb) - Immer mehr Einsätze fordern jedes Jahr die Sanitäter und Notärzte der Berliner Feuerwehr. Die Belastungsgrenze sei im Rettungsdienst schon länger erreicht, sagte Feuerwehrchef Karsten Homrighausen bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025.
Insgesamt verzeichnete die Feuerwehr 2025 rund 558.000 Einsätze – das waren 26.136 oder knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Und es war der höchste Wert seit Gründung der Berliner Berufsfeuerwehr 1851.
Zahl der Einsätze in 25 Jahren verdoppelt
Die Zahl verdoppelte sich innerhalb der letzten 25 Jahre. Alle 28 Sekunden geht ein Notruf über die Telefonnummer 112 ein, alle 56 Sekunden beginnt ein Einsatz, alle 50 Minuten eine Brandbekämpfung.
Der Großteil aller Einsätze galt gesundheitlichen Problemen oder medizinischen Notfällen bei Menschen. Nur für rund 21.000 Alarmierungen waren Brände der Grund. Oft gab es dabei Fehlalarme, in rund 10.500 Fällen musste tatsächlich gelöscht werden. Außerdem gab es mehr als 20.000 technische Hilfeleistungen.
Mehr Menschen sind alt und leben allein
Seit vielen Jahren klagt die Feuerwehr über die steigende Zahl der Notfalleinsätze, für die nicht immer ein tatsächlicher medizinischer Notfall vorliegt. Homrighausen nannte weitere Gründe: Die Einwohnerzahl Berlins steigt weiter, es gibt immer mehr alte und sehr alte Menschen, die kränker sind als Junge, mehr Menschen als früher leben allein und erhalten nicht schnell Hilfe eines Familienmitglieds.
Oft werden Sanitäter aber auch in Bagatellfällen gerufen, in denen Menschen mit leichten Symptomen oder Verletzungen eigentlich selbst zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen sollten. Zudem würden soziale und psychiatrische Notfälle zunehmen, sagte Homrighausen. "Wir bringen sie ins Krankenhaus und dann gehen sie wieder nach Hause. Und eine Stunde später rufen sie uns wieder an."
"Super Frequent User" wählen immer wieder den Notruf
Sorgen bereiten der Feuerwehr bestimmte Patienten, die zehn oder zwanzigmal oder noch öfter im Jahr den Notruf wählen. Genannt werden sie "Super Frequent User" mit mehr als zehn Alarmrufen im Jahr oder "High Frequent User" mit sieben bis zehn Anrufen. Gründe sind psychische Erkrankungen, Pflegeprobleme, fehlende Medikamente, Drogensucht, soziale Isolation, Einsamkeit und Obdachlosigkeit.
2.533 Menschen dieser beiden Kategorien waren im letzten Jahr für 31.529 Einsätze verantwortlich. Das sind im Durchschnitt pro Kopf 12,5 Einsätze der Feuerwehr. Oder einhundertmal so viele Alarmrufe, wie vom durchschnittlichen Berliner ausgehen.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Homrighausen lobten die vor einem Jahr neu eingeführten Notfallkategorien, nach denen Notrufe sofort in fünf Dringlichkeitsstufen eingeordnet werden. Bei dringenden Notfällen habe man so die Einsätze beschleunigt, in weniger dringenden Fällen dauere es etwas länger. Mehr leichte Fälle als früher werden von der Feuerwehr direkt an den telenotärztlichen Dienst und die Kassenärztliche Vereinigung abgegeben.
Frauenanteil steigt nur langsam
Bei der Berufsfeuerwehr arbeiten knapp 6000 Menschen: Feuerwehrleute und andere Angestellte. Dazu kommen rund 3.000 ehrenamtlich tätige Menschen bei den Freiwilligen Feuerwehren und den 49 Jugendfeuerwehren.
Der Frauenanteil bei der Feuerwehr, die früher eine reine Männerdomäne war, steigt trotz viel Werbung und Förderung nur sehr langsam. Nur 2,8 Prozent der Feuerwehrleute sind weiblich, bei den Auszubildenden sind es inzwischen 12,9 Prozent.
Die größten einzelnen Herausforderungen im vergangenen Jahr waren laut Homrighausen der große Stromausfall nach einem linksextremistischen Brandanschlag im September auf den Techpark in Adlershof im Südosten Berlins – und das extreme Wetter mit zwei dicht aufeinanderfolgenden Stürmen im Juni.
Spranger kündigte an, im Juni werde von einer Expertengruppe ein Bericht zu den Lehren aus dem Stromausfall im Herbst 2025 und im Januar 2026 vorgelegt. Es gehe um Verbesserungen des Landes und des Bundes. "Wir müssen uns fitter machen, aber wir sind auf einem guten Weg", sagte die Innensenatorin.