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BayernStellenmoratorium führt zu größeren Klassen und weniger AGs

26.02.2026, 16:29 Uhr
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Der Einstellungsstopp der Staatsregierung gilt auch für Lehrkräfte an Bayerns Schulen. Die Folgen werden viele Kinder und Jugendliche zu spüren bekommen. Wie es an den einzelnen Schularten aussieht.

München (dpa/lby) - In Bayerns Schulen wird es im kommenden Schuljahr teils größere Klassen geben, andernorts werden Wahlunterricht und Arbeitsgruppen wegfallen. Der Grund: Zusätzlich zum Mangel an Lehrkräften wirkt sich das Stellenmoratorium der Staatsregierung spürbar auf die Stundenbudgets aus. Das Kultusministerium reagiert mit einer Reihe von Maßnahmen, die sowohl die Lehrkräfte als auch die Kinder und Jugendlichen treffen - und je nach Schulart unterschiedlich massiv ausfallen. Dies geht aus dem "Gesamtkonzept Unterrichtsversorgung" des Kultusministeriums für das Schuljahr 2026/27 hervor.

"Unser wichtigstes Ziel ist ein Stundenplan, auf den sich unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte verlassen können", betonte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). Allerdings herrscht in Bayern schon seit Jahren Lehrkräftemangel, auch wenn sich an den Grundschulen jetzt eine Entspannung abzeichnet. Und: Laut Moratorium der Staatsregierung dürfen 2026 keine zusätzlichen staatlichen Stellen geschaffen werden. Zwar werden frei werdende Plätze nachbesetzt, doch müssten eigentlich aufgrund steigender Schülerzahlen auch neue Stellen eingerichtet werden.

Unterschiedliche Lage an den verschiedenen Schularten

Dieser Situation will Stolz vor allem mit flexiblen Lösungen vor Ort begegnen: Die Schulen sollen selbst entscheiden, wie sie auf die fehlenden Lehrerstunden am besten reagieren. Je nach Schulart werden darüber hinaus auch bereits bestehende dienstrechtliche Maßnahmen fortgeführt - also unter anderem eingeschränkte Möglichkeiten für Teilzeit und vorzeitigen Ruhestand - oder auf freiwillige Mehrarbeit gesetzt. Auf diversen Wegen soll zudem neues Personal generiert werden. Dazu gehören Quereinstiegsmöglichkeiten genauso wie der Einsatz weiterer Personalgruppen und Werbung für das Lehramtsstudium.

Am wenigsten von den Einschnitten im kommenden Schuljahr betroffen sind die Grundschulen, weil dort nur eine geringe Erhöhung der Schülerzahl erwartet wird - und voraussichtlich erstmals wieder genügend neue Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Dennoch werden unter anderem die bereits bestehenden Maßnahmen fortgeführt.

Mittelschulen besonders betroffen

Gänzlich anders ist die Situation an den Mittelschulen: Sie werden besonders stark vom Stellenmoratorium betroffen sein. Schon jetzt gibt es dort einen massiven Lehrkräftemangel. Deshalb schöpft das Kultusministerium das komplette Spektrum aus: Die dienstrechtlichen Maßnahmen für Lehrkräfte greifen ebenso wie zentrale Vorgaben und individuelle Lösungen.

So sollen noch häufiger als bisher Aushilfskräfte ohne vollwertige Lehrerausbildung eingestellt werden. Dennoch sind laut Konzept weitere "bedarfssenkende Maßnahmen" erforderlich. Im Klartext: Größere Klassen, die Reduzierung von Wahlunterricht und Arbeitsgruppen (AGs) oder der Wegfall von Budgetzuschlägen etwa aufgrund der Zusammensetzung der Schülerschaft.

Eine höchst angespannte Lage wird auch an den Förderschulen erwartet, wo es schon jetzt hörbar knirscht. Nicht nur im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung steigen die Schülerzahlen teils stark an. Entsprechend hart trifft diese Schulform das Stellenmoratorium. Zudem kommen hier schon verstärkt andere Personalgruppen zum Einsatz.

Und die Klassen wurden wegen der Personalknappheit bereits in solch einem Ausmaß vergrößert, dass eine weitere Ausweitung kaum vertretbar scheint. Neben den dienstrechtlichen Maßnahmen sind an den Förderschulen unter anderem die Kürzung der Stundentafel, der Wegfall von Wahlunterricht und AGs oder auch die Aufhebung pädagogisch eigentlich sinnvoller Gruppenteilungen vorgesehen.

Zwei Prozent weniger Stunden an Realschulen und Gymnasien

Die Realschulen sind ebenfalls vom Stellenmoratorium betroffen und bekommen im kommenden Schuljahr zwei Prozent weniger Lehrerstunden zugewiesen. Jede Schule soll dem Konzept zufolge dann selbst entscheiden können, wie sie mit dem Budget zurechtkommt, ob sie etwa die Klassen größer macht, Wahlkurse einspart oder auf Intensivierungsstunden verzichtet.

Ebenfalls eine Budgetabsenkung um zwei Prozent trifft die Gymnasien, die wegen der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium und damit einem schlagartigen Schülerzuwachs ohnehin einen hohen Bedarf an weiteren Lehrkräften haben. Sie hatten im laufenden Schuljahr durch eine freiwillige Aufstockung von Teilzeitkräften einen Gutteil der Lücke ausgeglichen - das Kultusministerium setzt nun darauf, dass die Lehrkräfte auch im kommenden Schuljahr in einem ähnlichen Umfang einspringen. Dennoch werden die Gymnasien wie die Realschulen individuell einsparen müssen.

Die steigenden Schülerzahlen seien seit langem erwartet worden, kritisierte der bayerische Philologenverband. "Statt nun den Bildungsbereich weiter zu stärken, verwehrte der Landtag sehenden Auges mit dem Moratorium zusätzliche Stellen und sorgt nun für weiteren Druck."

Den spüren auch die Fach- und Berufsoberschulen, die unter einer "Abwanderung" von Lehrkräften an die Gymnasien leiden. Ansonsten gibt es an dieser Schulart extreme regionale und fächerspezifische Unterschiede, weshalb die Schulen in hoher Eigenverantwortung reagieren sollen. Zentrale Maßnahmen gibt es nicht.

Quelle: dpa

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