BayernWarum die Münchner S-Bahn so viel Geduld abverlangt

Fahrgäste der S-Bahn in München sind oft leidgeprüft. Dabei sieht die jüngste Bilanz sieht nicht mehr so schlecht aus wie zuletzt. Den neuen Chef erwartet trotzdem eine "Herkulesaufgabe".
München (dpa/lby) - Die Münchner S-Bahnen waren im vergangenen Jahr etwas pünktlicher unterwegs als noch 2024 - aber weiterhin verhältnismäßig unzuverlässig. Das geht aus einer Jahresbilanz der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hervor, die den Nahverkehr mit Zügen im Freistaat plant, finanziert und kontrolliert.
Demnach waren im vergangenen Jahr im Schnitt 87,9 Prozent der S-Bahnen pünktlich - das heißt, weniger als sechs Minuten zu spät. Im Jahr 2024 waren es nur 87 Prozent gewesen. Der Anteil der S-Bahnen, die komplett ausfielen, sank von 9,7 Prozent auf 8,4 Prozent.
Neun von zehn Zügen pünktlich? Nur auf einzelnen Strecken
Allerdings ist die für Hunderttausende Pendlerinnen und Pendler täglich so wichtige S-Bahn damit immer noch meilenweit von der Zuverlässigkeit Ende der 2010er Jahre entfernt, als der Anteil der pünktlichen Züge teils bei knapp 94 Prozent lag.
Auch zwischen den einzelnen Linien gibt es große Unterschiede: Wer von Geltendorf im Westen mit der S4 in Richtung Innenstadt fuhr, musste mit einer Pünktlichkeitsquote von 83,4 Prozent leben. Wer aus Richtung Holzkirchen mit der S3 zum Ostbahnhof fuhr, war dagegen mit einer Pünktlichkeitsquote von 93,7 Prozent wohl deutlich besser unterwegs.
Verkehrsminister: "Noch nicht der große Wurf"
"Das sind ein paar Lichtblicke, aber noch nicht der große Wurf und auch noch nicht die erhoffte Trendumkehr", sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Auch BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs sagte, man habe wegen "der durchaus wirksamen Gegenmaßnahmen" der Bahn auf eine bessere Bilanz gehofft. Bei der Zuverlässigkeit auf das frühere Niveau zurückzukehren, werde für den neuen Münchner S-Bahn-Chef Matthias Glaub eine "Herkulesaufgabe", betonte Bernreiter.
Glaub, bisher S-Bahn-Chef in Stuttgart, tritt zum 1. Mai die Nachfolge von Heiko Büttner an, der Chef der Berliner S-Bahn wird. Glaub betonte vor seinem Start in München, er wolle "gerade angesichts der Herausforderungen in der Infrastruktur und dem immensen Baugeschehen" innovativ sein, um die Münchner S-Bahn nachhaltig besser zu machen.
Eine Hauptursache bedingt fast die Hälfte aller Verspätungen
Die marode Infrastruktur war laut BEG 2025 der Hauptgrund für unpünktliche Züge: Knapp die Hälfte aller Verspätungen (47,8 Prozent) im gesamten S-Bahn-Netz sei durch Störungen an Signalen, Weichen, Gleisen und Bahnübergängen verursacht worden. An einigen Stellen mussten S-Bahnen wegen der in die Jahre gekommenen Anlagen sicherheitshalber langsamer fahren, was die Züge vor allem in der zweiten Jahreshälfte unpünktlicher werden ließ. Der zweithäufigste Grund (11,4 Prozent) waren demnach äußere Faktoren wie das Wetter, Menschen, die auf den Gleisen unterwegs waren, oder Notarzteinsätze.
Die DB Regio als Betreiberin der S-Bahn sei nur für knapp sechs Prozent der Verspätungen verantwortlich, teilte die BEG mit. In diesen Fällen seien zum Beispiel Mitarbeiter nicht rechtzeitig an den Zügen gewesen oder die S-Bahnen seien nicht pünktlich bereit zur ersten Abfahrt gewesen.
Die nötigen Bauarbeiten sind Hauptgrund für Fahrtausfälle
Dass S-Bahn-Fahrten komplett ausfielen, lag 2025 der BEG zufolge überwiegend ebenfalls an der in die Jahre gekommenen Infrastruktur - und an den Bauarbeiten, die nötig sind, um deren Zustand zu verbessern. Fast zwei Drittel der Ausfälle wurden demnach durch Bauarbeiten verursacht, für die immer wieder auch die Stammstrecke in einzelnen Abschnitten gesperrt wurde. Mehrfach mussten auch kurzfristig Gleise und Weichen erneuert werden, weil Züge dort sonst nicht mehr sicher unterwegs gewesen wären.
Deutlich weniger S-Bahnen fielen dagegen 2025 wegen äußerer Einflüsse aus, hieß es. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass die Bahn an wichtigen Punkten Zäune errichtet habe - und so weniger Menschen auf den Gleisen den Verkehr behinderten.