Rheinland-Pfalz & SaarlandLotto hat neuen Chef - und es bleibt einer

Die Koalitionäre von CDU und SPD dürften froh sein, dass die Personalie endgültig durch und Unions-Politiker Baldauf bald im Amt ist. Der Weg dahin wird aber nachhallen.
Mainz/Koblenz (dpa/lrs) - Selten wurde über die Neubesetzung des Chefpostens bei Lotto Rheinland-Pfalz so viel diskutiert, wie diesmal. Zunächst wollte die neue Koalition aus CDU und SPD eine Doppelspitze, beide Parteien sollten einen Posten besetzen. Als es Kritik hagelte, wurde zurückgerudert. Nun steht endgültig fest, dass der CDU-Politiker Christian Baldauf der neue Geschäftsführer wird und die Gesellschaft keine erweiterte Spitze bekommt.
In einer außerordentlichen Sitzung in Mainz sprach sich der Aufsichtsrat der Gesellschaft, bei der das Land 51 Prozent hält, einstimmig für den 58-jährigen Pfälzer Baldauf aus, der in früheren Jahren mal CDU-Landeschef und Vorsitzender der Unionsfraktion im Landtag in Mainz war.
Bisheriger Chef Häfner geht Ende Mai
"Mit ihm gewinnen wir eine Persönlichkeit, die die Lotto GmbH und ihre Themen Wachstum, Modernisierung und Spielerschutz aktiv gestalten wird", teilten der neue Vorsitzende des Aufsichtsrates, Staatssekretär Fedor Rose (SPD), sowie der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Rudolf Storck, der Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz ist.
Baldauf wird Anfang Juni auf den früheren SPD-Staatssekretär Jürgen Häfner folgen. Der leitete die Lottogesellschaft mit Sitz in Koblenz zwölf Jahre lang. Zuletzt war sein Vertrag nochmal verlängert worden, Ende Mai scheidet er aus dem Amt aus.
Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe
Die 1948 gegründete Lottogesellschaft führt die staatlichen Lotterien, wie etwa das Spiel "6aus49" in Rheinland-Pfalz durch. Die Gesellschaft finanziert sich aus den Spieleinnahmen und schüttet regelmäßig einen Teil der Einnahmen unter anderem an kulturelle und soziale Einrichtungen und den Sport aus.
Lotto Rheinland-Pfalz hat 155 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Januar meldete die Gesellschaft für 2025 einen Umsatz von rund 424 Millionen Euro. Sie verarbeitete nach eigenen Angaben in dem Jahr mehr als 41 Millionen Spielaufträge und schüttete Gewinne von rund 201 Millionen Euro an Spielerinnen und Spieler aus. Fast 1.300 Projekte in den Bereichen Soziales, Kultur und Sport wurden mit 1,4 Millionen Euro unterstützt.
Weitere Anteilseigner neben dem Land sind der Sportbund Pfalz, der Sportbund Rheinland und der Sportbund Rheinhessen. Es ist üblich, dass die regierenden Parteien bei der Besetzung des Postens des Geschäftsführers ihren Einfluss geltend machen.
Idee der Doppelspitze kam gar nicht gut an
Nach dem Regierungswechsel weg von einer Ampelkoalition hin zu einem Bündnis aus CDU und SPD unter Führung der Christdemokraten war in den Koalitionsverhandlungen vereinbart worden, dass es fortan zwei Geschäftsführer bei Lotto Rheinland-Pfalz geben soll. Neben Baldauf auf dem einen, sollte der frühere Landtagspräsident Hendrik Hering von der SPD auf dem anderen Posten sitzen.
Das löste harsche Kritik unter anderem von der Opposition und vom Bund der Steuerzahler aus - auch mit Blick auf die Tatsache, dass der bisherige Lotto-Chef Häfner pro Jahr eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich verdiente. Einem Wirtschaftsprüfungsbericht zu Lotto Rheinland-Pfalz für 2024 zufolge kam er im Geschäftsjahr 2024 mit einer Grundvergütung und einer erfolgsabhängigen Vergütung auf insgesamt knapp 200.000 Euro.
Schweitzer: Keine gelungene Kommunikation
Daraufhin teilte Hering mit, das Angebot nicht anzunehmen. CDU und SPD einigten sich darauf, dass es doch bei einem Chef bleiben soll. Alexander Schweitzer, der für die SPD die Koalitionsverhandlungen leitend geführt hatte, sprach von einer nicht gelungenen Kommunikation bei der Personalie. Schweitzer war bis 18. Mai Ministerpräsident und ist inzwischen Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag.
Dass Schweitzer nur von einer nicht guten Kommunikation spreche, zeige, dass er bis heute nicht wirklich verstanden habe, dass viele Steuerzahler "diese politische Selbstbedienungs-Mentalität" leid seien, sagte der Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler Rheinland-Pfalz, René Quante.
Bund der Steuerzahler legt nach
"Wir sind froh, dass die Idee eines zweiten Lotto-Geschäftsführers genauso schnell verschwunden ist, wie sie aufkam", sagte Quante weiter. "Das belegt klar, dass es nie um eine organisatorische Notwendigkeit ging, sondern nur um einen neuen teuren Versorgungsposten."
Baldauf sagte nach seiner Berufung: "Lotto Rheinland-Pfalz steht für Seriosität, Vertrauen und soziale Verantwortung." Er freue sich darauf, die erfolgreiche Arbeit der Gesellschaft fortzusetzen und die Spielangebote für die Menschen in Rheinland-Pfalz zeitgemäß weiterzuentwickeln, vor allem mit Blick auf Digitalisierung, Spielerschutz und die Bekämpfung illegalen Glücksspiels.
Sein Landtagsmandat legt der Mann aus Frankenthal zum 31. Mai nieder. Ein entsprechendes Schreiben sei bei der Landtagsverwaltung eingegangen, sagte ein Sprecher des Parlaments. Baldauf war dort seit 2001 Abgeordneter.