Regionalnachrichten

Berlin & BrandenburgFatma Deniz - Das ist die neue Frau an der Spitze der TU

28.03.2026, 10:02 Uhr
Deniz-Fachgebiet-als-Professorin-war-Sprache-und-Kommunikation-in-biologischen-und-kuenstlichen-Systemen
(Foto: Soeren Stache/dpa)

Schon in der Schule war sie Jahrgangsbeste. Ab April leitet die 43-Jährige eine der größten Universitäten des Landes. So tickt die Informatikerin.

Berlin (dpa/bb) - An einer der größten Universitäten Deutschlands gibt es Veränderungen an der Spitze: Zum ersten April übernimmt Fatma Deniz als neue Präsidentin der Technischen Universität (TU) Berlin. Ihre teils umstrittene Amtsvorgängerin Geraldine Rauch wurde bei der Wahl im Dezember abgewählt. Deniz' Amtszeit dauert vier Jahre. Auf ihre neue Rolle blickt sie mit Demut, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Überfliegerin seit der Schule

Bereits zu Schulzeiten in der Türkei war die 43-Jährige, die in München geboren wurde, eine Überfliegerin. An einem Gymnasium in Bursa, im Nordwesten des Landes, war sie nach eigenen Angaben Jahrgangsbeste. Danach studierte Deniz Informatik an der TU München. Für Lehr- und Forschungsaufenthalte verbrachte sie einige Zeit in Kalifornien.

Das erste Mal nach Berlin und an ihren jetzigen Wirkungsort verschlug es sie 2008 für ihre Promotion am Bernstein Center for Computational Neuroscience und der TU Berlin. Seit 2023 ist sie an der TU Professorin für Informatik, seit 2024 Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Resonanz aus der Türkei

Als Informatikerin und Neurowissenschaftlerin arbeite sie sehr interdisziplinär, erzählt sie. An der Schnittstelle dieser Bereiche beschäftigt sie sich etwa mit Themen wie Künstliche Intelligenz oder der Verarbeitung von Daten. Diese Perspektive für verschiedene Fächergruppen sei sehr nützlich für die Leitung einer großen Universität mit sieben Fakultäten und sehr unterschiedlichen Fachrichtungen. "Ich glaube, dieser Blick hilft mir enorm."

Aus der Türkei gebe es einiges Interesse an ihr. "Viele Rückmeldungen, die ich bekommen habe, waren auch mit Stolz verbunden", sagt Deniz. "Diese Interkulturalität ist ein natürlicher Teil von mir. Es ist nicht etwas, was ich zusätzlich repräsentiere, sondern es ist Teil meiner Biografie und Teil meines Seins."

"Mit Demut" an die neue Aufgabe

An dem neuen Amt reizten sie verschiedene Dinge. Zum einen das Verantwortungsbewusstsein, eine Uni zu gestalten, aber auch die Freude daran, Dinge zu ermöglichen. "Als Präsidentin habe ich die Chance, vielen Forschenden zu ermöglichen, ihre exzellente Arbeit voranzutreiben - und das reizt mich sehr." Auch an sich selbst und an ihre Arbeit habe sie einen hohen Anspruch, sagt die 43-Jährige.

Laut Zahlen der Berliner Wissenschaftsverwaltung waren im Oktober vergangenen Jahres rund 34.000 Studierende an der TU eingeschrieben. Wie blickt sie darauf, ihre Repräsentantin zu sein? "Mit Demut", sagt sie. "Das ist eine große Aufgabe, die ich mit dem gleichen Verantwortungsbewusstsein angehe wie meine Kandidatur für dieses Amt." Sie werde wahrscheinlich auch Fehler machen. "Dabei ist für mich wichtig, zu reflektieren und schnell zu korrigieren."

Besonders wichtig seien ihr exzellente Forschung und der Transfer in die Gesellschaft. Auch die digitale Transformation möchte sie vorantreiben. Teilweise seien einige Prozesse an der TU Berlin sehr komplex, etwa mit Blick auf Einstellungsprozesse.

Kürzungen, marode Gebäude und die Hochschulverträge

Auf Deniz warten jedoch auch einige Baustellen. "Die finanzielle Haushaltslage und die Budgetkürzungen sind große Herausforderungen, auch unsere Bausubstanz. Was das anbelangt, ist die Stimmung insgesamt bedrückend." Bei beiden Themen sei die Uni sehr abhängig vom politischen Senat, könne aber auch eigene Lösungsvorschläge erarbeiten. "Dies werden wir auch tun."

Die TU Berlin muss eigenen Angaben zufolge bis Ende 2028 einen Betrag von 65 Millionen Euro dauerhaft kürzen. Das sind laut der Hochschule 15 Prozent des Haushaltes. Gleichzeitig beläuft sich der Sanierungsstau für die Hochschule auf 2,4 Milliarden Euro. Zahlreiche Gebäude sind marode. Um Prozesse zu beschleunigen, möchte Deniz auf TU-Expertise zurückgreifen. "Wir wollen insgesamt viel mehr Fachwissen aus dem eigenen Haus nutzen."

Nach langem Ringen hatten im Februar fast alle staatlichen Berliner Hochschulen den Änderungsvertrag zu den Hochschulverträgen unterzeichnet. Er sieht jährliche Mittelsteigerungen von 3 bis 3,5 Prozent vor – weniger als ursprünglich geplant. Geraldine Rauch, die nach dem Ende ihrer Amtszeit an die Charité zu ihrer Professur am Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie zurückkehren wird, nahm nicht an der Unterzeichnung teil. Ob und wann Deniz dies nachholt, ließ sie offen: "Das werden wir jetzt eruieren müssen. Wir sind ein neues Präsidium und es wird eine unserer ersten Aufgaben sein, dass wir uns damit befassen." Die Entscheidung werde das neue Präsidium gemeinsam treffen, betont sie.

Zurückhaltender als die Vorgängerin?

Deniz' Vorgängerin Rauch hatte durch ihre politische Positionierung, etwa zum Gaza-Krieg, viel Kritik eingeheimst. Hat auch ihre Nachfolgerin vor, sich öffentlich politisch zu äußern? "Ich sehe meine Rolle als Universitätspräsidentin bei hochschulpolitischen Angelegenheiten und natürlich darin, die Technische Universität Berlin bestmöglich nach außen mit ihren Themen und Anliegen zu vertreten. Aber darüber hinaus, nein, mein Fokus ist die Leitung und Gestaltung der Universität."

So geht es weiter

Am 1. April bezieht Deniz ihr neues Büro. Von dort aus blicke sie direkt auf die Baustelle des neu entstehenden Tuliums, ein neues Transfer- und Ausstellungsgebäude der TU. Am 16. April findet Deniz' Inauguration statt. Am selben Tag wird mit einem Festakt auch das 80-jährige Bestehen der Universität gefeiert.

Quelle: dpa

Regionales