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Berlin & Brandenburg"Lieben statt Liken" - Anti-Smartphone-Flyer in Berlin

11.03.2026, 04:37 Uhr
Kritik-am-ausufernden-Gebrauch-von-Handys

Ein Aktivist klebt Tausende Flyer gegen übermäßigen Smartphone-Gebrauch in Berlin – und bringt Passanten nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen.

Berlin (dpa/bb) - Mit Tausenden Flyern an Ampelmasten und Laternen hat in Berlin die "Radikale Anti Smartphone Front" ihre Kritik am ausufernden Gebrauch von Handys und dem Sog sozialer Medien auf die Straße gebracht. Dahinter steckt keine riesige Bewegung, sondern ein einzelner Künstler und Aktivist: Der 34-jährige Benno Flügel war dafür in den vergangenen Wochen viele Tage bis zu acht Stunden lang auf den Beinen und hat die Zettel geklebt – in den Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg, Treptow, Friedrichshain, Prenzlauer Berg sowie in Mitte, Schöneberg und Moabit, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Coole Berliner lachen auch mal laut

Seine Slogans lauten unter anderem "Lieben statt liken", "Tanzen statt Twittern" oder auch "Exit Social Media". Es sei ihm ernst und wichtig, die "soziale Vergiftung des Lebens" durch Smartphones kritisch zu beleuchten, berichtet er. Aber wichtig sei auch ein "gewisser satirischer Witz" der Aktion. "Hauptsächlich geht es darum, zum Nachdenken anzuregen, eine Debatte anzustoßen und – auch sehr wichtig – die Leute zum Lachen zu bringen." Viele Passanten seien positiv auf ihn zugekommen, "durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten hinweg". Die Berliner seien ja immer sehr darauf bedacht, irgendwie cool zu bleiben. Aber die Aktion habe viele aus der Reserve gelockt – "und sie lachen dann halt auch mal laut auf der Straße".

Illusion eines erfüllten Lebens auf Social Media?

Vor zehn Jahren habe er die Initiative zusammen mit Freunden zu Studienzeiten gegründet, die dann aber nach und nach versandet sei, sagte er. Nun mache er weitgehend allein weiter, als Künstler und Aktivist. Hintergrund sei, dass er seinen Job gekündigt habe. "Jetzt hatte ich eben Zeit und habe das Ganze selber in die Hand genommen." Die Freunde und Mitstreiter von damals seien indirekt "sozusagen als offenes Ohr" noch im Hintergrund beteiligt. Zuerst hatte die "Berliner Morgenpost" mit Flügel gesprochen.

In einem Manifest der "RASF" werden Fragen zum exzessiven Gebrauch von Smartphones und Online-Medien aufgeworfen. "Gehört man zur gesellschaftlichen Avantgarde, wenn man in sozialen Netzwerken die Illusion eines glücklichen und erfüllten Lebens inszenieren kann, obwohl sich dahinter nur ein wackliges Gerüst aus Lügen und Selbsttäuschung verbirgt?", heißt es etwa darin.

Quelle: dpa

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