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Berlin & BrandenburgLängster Stromausfall in Berlin - mehr Polizei im Einsatz

06.01.2026, 13:29 Uhr
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Temperaturen deutlich unter null Grad, Schneefall. Der tagelange Stromausfall im Berliner Südwesten wird für die Menschen zunehmend zur Herausforderung. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz.

Berlin (dpa/bb) - Am vierten Tag des Stromausfalls im Berliner Südwesten hat die Polizei ihre Kräfte in Wannsee und den benachbarten Ortsteilen deutlich erhöht. Man habe Unterstützung durch die Bundespolizei und sei mit 450 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, hieß es in einer Mitteilung am Morgen. Bisher war von 300 Polizisten, die zusätzlich zum normalen Kontingent unterwegs sind, die Rede.

Man sei sehr eng mit der Bundespolizei in Abstimmung, um zusätzliche Lichtmasten zu erhalten, so die Polizei. Nachts will sie laut Polizei-Vizepräsident auch mit einem Hubschrauber in der Luft unterwegs sein, um die Kräfte am Boden zu unterstützen. Bei Bedarf stünden auch Polizeihunde und Pferde der Bundespolizei bereit, wenn es nötig sei.

Noch rund 25.500 Haushalte ohne Strom

Rund 25.500 Haushalte und 1.200 Geschäfte und Firmen sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin auch am vierten Tag noch ohne Strom. Am Samstagmorgen waren es zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen. Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es nach Angaben eines Sprechers des Betreibers etwa bis Donnerstagnachmittag dauern.

Damit handelt es sich laut Stromnetz um den längsten Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Blackout vom September 2025 im Berliner Südosten hatte rund 60 Stunden gedauert. Die Dimension des damaligen Stromausfalls sei vergleichbar mit dem aktuellen Fall, so der Sprecher des Betreibers. Damals waren rund 50.000 Stromkunden betroffen.

Im aktuellen Fall sind laut Betreiber inzwischen die Tiefbauarbeiten an den zwei Baustellen abgeschlossen. "Heute beginnen die elektrischen Arbeiten." Damit liege man "sehr gut im Zeitplan", so der Sprecher. Bei den Baustellen handelt es sich zum einen um eine beschädigte Kabelbrücke am Teltowkanal, zum anderen um die Arbeit an einer provisorischen Lösung für die betroffenen Haushalte. Zwei Leitungen, die bisher nicht miteinander verbunden waren, sollen zusammengeführt werden.

Pflegeeinrichtungen wieder versorgt

Laut Betreiber sind inzwischen alle 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen wieder mit Strom versorgt. Aktuell seien rund "35 sehr große Notstromaggregate im Einsatz". Unterstützung kam aus Nordrhein-Westfalen: Nach Angaben eines Sprechers der Berliner Feuerwehr trafen fünf Notstromersatzanlagen in der Nacht ein und wurden angeschlossen. Bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung solcher mobiler Anlagen hilft nun laut Innenverwaltung auch die Bundeswehr.

Auch die Stromversorgung für alle drei betroffenen S-Bahnhöfe ist laut Stromnetz wiederhergestellt. Das seien die Stationen Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee. Somit könnten die Bahnhöfe wieder genutzt werden. Die Züge der S1 und S7 fahren wieder im 20-Minuten-Takt, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn mitteilte. Nach und nach öffnen auch mehr Supermärkte.

Tausende Menschen harren in Kälte aus

Viele Tausend Menschen müssen jedoch weiter ohne Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Manche sind in Hotels gegangen, andere wärmen sich tagsüber in Notquartieren oder anderen Anlaufstellen auf. Sie können dort auch etwas essen und trinken und ihr Handy aufladen. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Klopfen an Türen

Um möglichst alle Menschen zu erreichen, gehen Mitarbeiter von Ordnungsämtern, der Polizei, der Malteser und anderen Besuchsdiensten seit Sonntag von Tür zu Tür.

"Wenn jemand im Stromausfall lebt und vielleicht ein bisschen älter ist, hat er meistens auch kein Internet und keinen Strom und es fehlt das Telefon. Also gehen wir in die Häuser und versuchen so die Kommunikation zu etablieren", sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Tim Richter (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Verstärkung gebe es von den Behörden in Neukölln und Friedrichshain.

Sieben Grad in Wohnungen

"Gleichzeitig bieten wir jetzt jedem Menschen an, Unterkunftsplätze oder Hotelplätze zu mieten, damit keiner in den kalten Wohnungen bleibt, weil die Wohnungen sind jetzt so bei sieben, acht Grad teilweise", sagte Richter.

Betroffenen werden die Kosten für Hotelzimmer erstattet, wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf der Plattform X mitteilte. Der Senatsverwaltung für Wirtschaft zufolge gilt das für entsprechende Partnerhotels der Berliner Tourismusagentur Visit Berlin. Bisher konnten solche Zimmer in Hotels, Hostels und Pensionen bereits zu Sonderkonditionen gebucht, mussten aber selbst bezahlt werden. Nun kann die Hotelrechnung beim Sozialamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf eingereicht werden.

Ursache des Stromausfalls war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte.

Quelle: dpa

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