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Berlin & Brandenburg Nach Bau-Desaster: Teil der Bewohner zurück, Grube gesichert

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) stehen an einer Baugrube neben Wohnhäusern in Köpenick. Foto: Paul Zinken/dpa

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Mit Hochdruck arbeiten die Experten daran, den drohenden Einsturz von Wohnhäusern in Berlin-Köpenick zu verhindern. Mit aller Kraft wird auch organisiert, dass die Menschen wieder in ihre Wohnungen können. Doch es gibt noch Ungewissheit.

Berlin (dpa/bb) - Nach einem Bau-Desaster in Berlin-Köpenick sind 12 der evakuierten Häuser wieder freigegeben worden. Etwa 240 Bewohner konnten am Dienstag zurückkehren, wie das Bezirksamt Treptow-Köpenick mitteilte. Indes arbeiten Spezialisten mit Hochdruck weiter daran, den Einsturz von zwei gefährdeten Häusern in der Pohlestraße zu verhindern.

Am Sonntag war eine Baugrube voll Wasser gelaufen. Zunächst drohte das Haus daneben abzusacken und der Giebel wegzubrechen. Auch ein zweites Haus erwies sich dann als nicht mehr sicher.

18 Häuser in der Straße wurden evakuiert, etwa 360 Bewohner mussten raus. Gas, Wasser, Strom und Wärme wurden abgestellt. Die Versorgungsleitungen liegen laut Bezirksamt an den bedrohten Häusern.

Sechs Häuser seien weiter gesperrt, sagte die Sprecherin des Bezirksamtes. Das betreffe rund 120 Menschen. Erst nach Abschluss der Sicherungsarbeiten an der Baugrube könnten die gegenüberliegenden Häuser freigegeben werden. Sachverständige würden dann auch die besonders betroffenen Häuser Nr. 7 und 11 untersuchen. Sie gelten derzeit als unbewohnbar.

Rund 150 Kräfte konzentrierten sich am Dienstag auf die Sicherung der beiden Gebäude, hieß es weiter. Das Wasser aus der Grube sei abgepumpt worden. Das Loch wurde demnach mit rund 70 riesigen, mit Sand gefüllten Säcken stabilisiert. Die Giebelwand des Hauses Nr. 11 wird laut Bezirksamt mit einer Holzkonstruktion gestützt. Dafür werde ein 40 Meter hoher, mobiler Kran eingesetzt.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sprach im rbb-Inforadio von einem "Desaster". Wasser sei nicht allein das Problem an der Baustelle gewesen - "dass dort wirklich professionell gearbeitet wurde, daran bestehen ernsthafte Zweifel", auch wenn der Bauherr dies abstreite. "Die Annahme, dass es an unsachgemäßen Bauarbeiten liegt, ist extrem hoch."

Laut Bezirksamt hatte Anfang Januar die Senatsverwaltung für Umwelt den Bauherrn aufgefordert, die Baugrube mit Erde aufzufüllen, da die Entnahme von Grundwasser nicht genehmigt sei. Zudem seien nicht, wie vom Bauherren behauptet, marode Wasserleitungen für das Bersten des Hydranten verantwortlich, "sondern das grob fahrlässige Befahren des Bürgersteiges mit schweren Kettenfahrzeugen durch die Baufirma".

In einer Erklärung wiesen Bauträger und -unternehmen die Vorwürfe zurück. Die Sorgfaltspflichten seien nicht verletzt worden. Man habe den Bürgersteig nicht mit schweren Fahrzeugen befahren, die Baugrube sei nicht unsachgemäß abgestützt worden. Die Beteiligten seien von den Behörden nicht aufgefordert worden, die Grube zu verfüllen, da dort ein Keller errichtet werde. Die Standsicherheit der Nachbarhäuser wegen eigener Bautätigkeit sei nicht gefährdet gewesen.

Ein Loch auf dem Gehsteig mit Blick auf Wasser- und Gasleitungen sei eine Baustelle der Wasserbetriebe, hieß es in der Erklärung. Es sei nach der Instandsetzung einer geplatzten Wasserleitung nicht verfüllt worden. Für eine sorgfältige Aufarbeitung stehe man bereit.

"Wenn das Bezirksamt lapidar auf Baupfusch des Eigentümers verweist, mag dies stimmen, stellt aber auch ein gravierendes Versagen der bezirklichen Bauaufsicht dar", monierte Stefan Förster, der für die oppositionelle FDP im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Der Bauherr sei als problematisch bekannt, die Baustelle hätte umfassend und regelmäßig kontrolliert werden müssen.

© dpa-infocom, dpa:210201-99-252460/9

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