Berlin & BrandenburgTötung im Imbiss - Angeklagter spricht von ständiger Angst

Ein 51-Jähriger soll seine Ex-Frau in ihrem Imbiss mit einem Messer getötet haben. Zum Prozessauftakt spricht er über angebliche Erniedrigungen und eine Angst, die ihn permanent begleitet.
Potsdam/Rathenow (dpa/bb) - Nach der Tötung seiner Ex-Frau hat der Angeklagte vor dem Landgericht in Potsdam über immer wiederkehrende Streitigkeiten und Erniedrigungen gesprochen. "Es tut mir auch sehr leid", sagte er vor der Kammer zum Prozessauftakt. Seine Frau habe ihn über längere Zeit "wie einen Hund" behandelt. Vor der Tat habe er für sie "wie ein Sklave" unentgeltlich in ihrem Imbiss gearbeitet.
Der 51-jährige vietnamesische Staatsangehörige soll laut Staatsanwaltschaft im Juni vergangenen Jahres seine damals 43 Jahre alte Ex-Frau in ihrem Imbiss in Rathenow (Landkreis Havelland) mit einem Messer getötet haben. Als die Frau gerade dabei gewesen sei, die Speisen vorzubereiten, habe er nach dem Messer gegriffen. Fünf Stiche versetzte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Frau, wobei er mit der 13 Zentimeter langen Klinge die Lunge und mehrere innere Organe schwer verletzte. Die Frau starb später an inneren Blutungen im Krankenhaus.
Ständige Angst vor Vergiftungen?
Seine Frau habe dauernd mit ihm "geschimpft", etwa weil er zu langsam gearbeitet habe, sagte er. "Du kriegst dann nichts mehr zu essen. Soll ich mal auf deinen Kopf klopfen?", soll sie laut seiner Aussage gesagt haben. Hinzu kam ihm zufolge seine ständige Angst, von der Familie der Ex-Frau vergiftet zu werden. Mehrfach sollen ihre Brüder den Versuch unternommen haben, ihn mit "Drogen und Nervengift" zu töten oder in die Abhängigkeit zu treiben. "Was ist, wenn ich drogenabhängig bin? Was soll aus mir werden?" Aus Angst, vergiftet zu werden, habe er nur aus dem Wasserhahn getrunken.
Psychische Erkrankung des Angeklagten steht im Raum
Der Angeklagte sprach von einer psychischen Erkrankung. "War mal von einer Schizophrenie die Rede?", fragte der Vorsitzende Richter den 51-Jährigen. "Ich habe ständig Angst. Das ist nicht normal. Meine Hände und Füße krampfen permanent", sagte dieser. Dazu hätten die Beschimpfungen seiner Frau zu gekränktem Stolz geführt. Er sah seine "Ehre beschädigt", wie er sagte. Bei dem Prozess soll auch ein psychiatrischer Gutachter zu Wort kommen.
In der gemeinsamen Ehezeit im Vietnam habe er seine spätere Ex-Frau gelegentlich geschlagen. Eine Ohrfeige sei "wie eine Verwarnung", sagte er. "Das ist nicht so schlimm." Hätte er später in Deutschland seine Frau geschlagen oder mit ihr geschimpft, hätte das womöglich zu seiner Entlastung geführt, führte er aus. "Vielleicht wäre das besser gewesen."
Angeklagter: Kann mich an Tat nicht erinnern
Die Tat selbst sei im Affekt geschehen, betonte er. Im Streit habe seine Ex-Frau gedroht, ihm die gemeinsamen Kinder vorzuenthalten. Dann sei es geschehen. An die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. Er sei "aufgewacht" und habe seine Frau blutend in der Ecke sitzen sehen. Zunächst konnte er sich nach eigene Angaben nicht erklären, was passiert war und dachte, dass jemand anderes auf sie eingestochen habe. Dann habe er Hilfe geholt.
Der Mann sitzt seit der Tat in Neuruppin in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.