Berlin & BrandenburgWas tue ich, wenn mir etwas ins Gleisbett fällt?

Nach dem tödlichen Unfall eines 17-Jährigen in Berlin warnt die Verkehrsverwaltung: Wem etwas auf das U-Bahngleis fällt, sollte nie selbst hinuntersteigen. Was stattdessen zu tun ist.
Berlin (dpa/bb) - Das Betreten von U-Bahngleisen ist grundsätzlich tabu. Wem zum Beispiel an der Bahnsteigkante etwas herunterfällt und auf die Gleise gerät, sollte Hilfe holen, aber nicht selbst ins Gleisbett steigen, warnte die Sprecherin der Berliner Verkehrsverwaltung, Petra Nelken. "Das Betreten der Bahnanlagen ist verboten. Punkt", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Gefährlich sind sowohl einfahrende Züge als auch die sogenannten Stromschienen, die neben den Gleisen verlaufen und die U-Bahnen mit dem nötigen Strom mit einer Spannung von 750 Volt versorgen. In einem Teil der Tunnel liegt die Stromschiene oben ohne Abdeckung für den Stromabnehmer, in einem anderen Teil ist sie unten offen.
Informationssäulen am U-Bahnsteig
Fällt einem etwas auf die Gleise, sei es vernünftig, sich über den Knopf an den Informationssäulen am U-Bahnsteig mit der Service- und Informationszentrale verbinden zu lassen und die Situation zu schildern. "Da kommt keine Computerstimme, man spricht immer mit einem Menschen", versicherte Nelken.
"An den kann man sich wenden, wenn einem zum Beispiel der Schlüsselbund oder eine Tasche auf die Gleise gefallen ist", so die Sprecherin der Verkehrsverwaltung. "Und der wird in der Regel dann sagen: "Tief durchatmen, auf die Bank setzen und warten. Wir schicken jemanden"", erklärte Nelken. "Und dann kommt ein Profi."
Kontakt mit der Sicherheitsleitstelle aufnehmen
Der wisse, was zu tun sei und kenne die Risiken, die nicht nur von möglichen Stromschlägen ausgehen, sondern auch von den U-Bahnen selbst, die auf der Strecke unterwegs seien. "Notfalls bleibt in so einem Fall die nächste U-Bahn dann erst mal stehen", sagte Nelken.
Die Säulen mit einer Notruffunktion - etwa bei akuter Lebensgefahr - und einem Knopf für Informationen zum Beispiel in Situationen, bei denen etwas ins Gleis gefallen ist, gibt es den Angaben zufolge in allen Berliner U-Bahnhöfen. Der Mitarbeiter, mit dem man nach dem Knopfdruck an der Info-Säule verbunden werde, könne den Hilfesuchenden sehen, es gehe eine Kamera an, erläuterte Nelken. "Der bekommt das mit und kann dann schnell reagieren."
Selbst ins Gleisbett zu springen, komme aber nicht infrage. Das müsse der Grundsatz sein, um tragische Unfälle zu vermeiden wie den des 17 Jahre alten Jugendlichen, der am Wochenende in einem Berliner U-Bahnhof durch einen Stromschlag getötet wurde. Er hatte nach Polizeiangaben versucht, einen heruntergefallenen Gegenstand unter einer abgestellten U-Bahn aus dem Gleisbereich zu holen.
Auch S-Bahn fährt mit Gleichstrom
Auch die Berliner S-Bahn fährt mit 750 Volt Gleichstrom, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) sagte. Das bedeutet, dass die sogenannte Stromschiene jederzeit unter Spannung steht. Aber unabhängig davon gelte: "Das Betreten von Gleisen ist in jedem Fall lebensgefährlich und daher verboten", so der Sprecher. "Wer einen Gegenstand im Gleisbett verliert, darf auf keinen Fall versuchen, ihn selbst zu bergen." Über den Kundendialog der S-Bahn können Fahrgäste den Verlust melden oder sich in größeren Bahnhöfen an die DB-Information wenden.
Bei einem Notfall sei der schnellste Weg, den Notruf (110/112) zu wählen. Alle Rettungsstellen haben demnach einen direkten Kontakt zur Notfallleitstelle der DB, die sofort Züge stoppen kann. Außerdem sollten Fahrgäste generell beim Warten immer hinter dem mit weißen oder gelben Streifen gekennzeichneten Sicherheitsbereich warten und nur zum Einsteigen an die Bahnsteigkante treten.