Berlin & BrandenburgWie sich Berlin und Brandenburg aufs Sturmtief vorbereiten

Ein winterliches Sturmtief bringt eine "extreme Wetterlage". Behörden warnen vor Problemen im Verkehr, Kliniken rechnen mit Verletzten - auch der Flughafen stellt sich auf Verzögerungen ein.
Berlin/Potsdam (dpa/bb) - Schnee, Wind und Glätte könnten am Freitag in Berlin und Brandenburg für einen turbulenten Tag sorgen: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen. Die Warnung gilt ab Freitag 3.00 Uhr morgens und ist voraussichtlich bis Samstagmorgen um 3.00 Uhr gültig, wie es in einer Mitteilung heißt.
Die Warnung gilt für Berlin und folgende Gebiete in Brandenburg: Kreis Barnim, Kreis Dahme-Spreewald, Kreis Havelland, Kreis Märkisch-Oderland, Kreis Oberhavel, Kreis Oder-Spree, Kreis Ostprignitz-Ruppin, Kreis Potsdam-Mittelmark, Kreis Prignitz, Kreis Teltow-Fläming, Stadt Brandenburg, Stadt Frankfurt (Oder) und Stadt Potsdam.
Starke Einschränkungen auf Straßen und Wegen möglich
Sturmtief "Elli" soll ab der Nacht zu Freitag über Teile Deutschlands fegen. Ab Freitagvormittag ziehe aus Südwesten anhaltender und teils kräftiger Schneefall mit markanten Neuschneemengen auf. Es müsse mit starken Einschränkungen auf Straßen und Wegen gerechnet werden.
Die Kombination aus Schneefall und kräftigem Wind führe zu einer Situation, "wie man sie sonst nur aus dem Bergland kennt", erklärte Thomas Endrulat, DWD-Meteorologe in Potsdam. In der Flachlandregion sei das "schon eine Besonderheit". Durch die Schneeverwehungen ergäbe sich eine sehr unterschiedliche Schneedecke. So werde es Stellen geben, an denen kaum etwas liege und an anderen kämen viele Zentimeter Schnee zusammen.
Eltern dürfen über Schulbesuch entscheiden
Wegen der erwarteten Wetter-Extreme steht es den Eltern in Berlin und Brandenburg am Freitag frei, ihre Kinder zur Schule zu schicken, wie die Bildungsverwaltungen in der Hauptstadt und in Potsdam mitteilten. Die Präsenzpflicht sei ausgesetzt, hieß es in Berlin. "Wenn Eltern ihr Kind aus Gründen wie etwa einer besonderen Wetterlage oder auch Krankheit zu Hause lassen, gilt das als entschuldigtes Fehlen", teilte das Bildungsministerium in Brandenburg mit. Grundsätzlich blieben die Schulen im Land geöffnet.
Bei starkem Schneefall und Schneeverwehungen empfiehlt der DWD, Aufenthalte im Freien und Fahrten unbedingt zu vermeiden. "Wir empfehlen, auf nicht unbedingt notwendige Fahrten zu verzichten", hieß es auch von der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ).
Aufgrund der angekündigten Witterungsverhältnisse wurde in Potsdam der für Freitag geplante Empfang der Sternsinger bei der Landesregierung abgesagt. Da die Sternsinger-Kinder längere Anreisen hätten, sei die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgesagt worden, so die Staatskanzlei Brandenburg.
Nicht überall sind Wege geräumt
Der Winterdienst in Brandenburg ist nach Angaben von Verkehrsminister Detlef Tabbert mit Räum- und Streufahrzeugen unterwegs. "Unsere Teams sind im ganzen Land im Einsatz, wenn alle ein bisschen mehr Rücksicht nehmen und den Fahrstil anpassen, kommen wir gemeinsam besser durch diesen Wintertag."
In Berlin ist es auf vielen Bürgersteigen seit Tagen gefährlich glatt, oft wird nicht ausreichend geräumt. Die Grünen wollen das mit einer Gesetzesänderung ändern: Die Stadtreinigung BSR soll künftig schrittweise auch den Winterdienst auf Geh- und Radwegen übernehmen, forderte die verkehrspolitische Sprecherin Oda Hassepaß.
Nach geltendem Recht muss geräumt werden, wenn nachts Schnee fällt – werktags bis 7.00 Uhr, sonn- und feiertags bis 9.00 Uhr. Zuständig sind die Anlieger, auch wenn sie Firmen beauftragen – kontrollieren müssen sie die Räumung trotzdem, heißt es auf der Homepage des Senats.
Die Stadtreinigung BSR appellierte an Anwohner, Gehwege selbst zu räumen. "Sorgen Sie bitte im Rahmen Ihrer Anliegerpflichten für sichere Gehwege", teilte das Unternehmen mit. Zudem sei wichtig, dass Anwohner für die Müllentsorgung die Zugänge zu ihren Tonnen schnee- und eisfrei machten.
Unfallkrankenhaus wegen Glätte "am Anschlag"
Kliniken stellen sich auf Verletzte nach Stürzen und Unfällen ein. In Berlin und Brandenburg sorgen Glätte und Stürze seit Tagen für zusätzliche Belastung in den Notaufnahmen. Das Berliner Unfallkrankenhaus behandelt nach eigenen Angaben zahlreiche Verletzte, darunter Menschen mit Knochenbrüchen, Platzwunden oder Schädelhirntraumata - teils mit langen Wartezeiten.
Auch im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus gab es in den vergangenen Tagen eine erhöhte Anzahl an Verletzten. Die Notaufnahme sei personell und organisatorisch auf ein womöglich erhöhtes Patientenaufkommen vorbereitet, sagte der leitende Oberarzt der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, Bernhard Fleischer.
BER rechnet mit Verspätungen und Ausfällen
Auch der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) bereitet sich auf den starken Schneefall vor. Trotz Winterdienstflotte und 18 Enteisungsfahrzeugen rechnet die Betreibergesellschaft mit Behinderungen im Flugverkehr – mögliche Folgen sind Verspätungen und Flugstreichungen. Passagiere sollten den Status ihres Fluges regelmäßig prüfen und sich auf winterliche Bedingungen bei An- und Abreise einstellen.
Kältehilfe und Obdachlosenhilfe gefordert
Mit Blick auf die erwarteten Minusgrade bereitet sich auch die Obdachlosenhilfe auf zusätzliche Nachfrage vor. In Potsdam hofft die AWO, dass die Unterbringungsplätze ausreichen - einen Kältebus wie in Berlin gibt es dort nicht. In Berlin rufen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Stadtmission dazu auf, obdachlose Menschen im Blick zu behalten. Das DRK ist mit zwei Wärmebussen im Einsatz, die Stadtmission mit drei; bei Notfällen sollen Menschen den Rettungsdienst rufen.
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) appellierte, besonders achtsam zu sein und Hilfe anzubieten. Zudem prüfe die Senatsverwaltung zusammen mit der Kältehilfe-Koordination ständig die Belegung von Notunterkünften. "Bei einer sehr hohen Auslastung werden wir auch kurzfristig die Kapazitäten erweitern", so Kiziltepe.
Entspannung naht
Am Samstag soll sich die Wettersituation dann laut DWD wieder entspannen. "Samstagvormittag zieht dann das Ganze wieder nach Süden weg", sagte DWD-Meteorologe Endrulat. Von Norden her setze sich dann die kalte Luft durch und schiebe das Schneefallgebiet wieder nach Süden, Richtung Sachsen.