Berlin & BrandenburgZurück zur SPD: Der Wechsel von Ex-BSW-Landeschef Crumbach

Robert Crumbach war rund 40 Jahre lang SPD-Mitglied, dann baute er das BSW in Brandenburg mit auf. Nun geht der zuletzt parteilose Finanzminister den umgekehrten Weg. Warum?
Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Finanzminister und Ex-BSW-Landeschef Robert Crumbach ist wieder in die SPD eingetreten. Die rund zweijährige Mitgliedschaft im BSW nannte er einen großen Fehler und kritisierte Partei und Fraktion scharf.
"Für mich war immer wichtig, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, der kleinen Leute, zu vertreten und zu stärken", sagte Crumbach der Nachrichtenagentur dpa. "Ich war zeitweise davon überzeugt, dass es neben der SPD eine andere Partei gäbe, die dies glaubwürdig vertreten kann. Das war ein großer Irrtum und Fehler."
Crumbach nennt BSW regierungs- und politikunfähig
Der ehemalige Mitgründer ging das BSW Brandenburg nach langem Streit hart an. "Ich war sehr mitgenommen davon zu erkennen, dass die Partei, dass die Parteiführung, dass aber auch die Landtagsmitglieder im Wesentlichen nicht nur regierungsunfähig, sondern politikunfähig sind", sagte Crumbach bei einer Pressekonferenz der SPD-Landtagsfraktion. Dann habe er aber entschieden, wieder in die SPD einzutreten. Die "Märkische Allgemeine" hatte zuerst über den Eintritt in die SPD berichtet.
Die BSW-Fraktion warf Crumbach vor, er habe das Ende der Koalition mit der SPD von längerer Hand vorbereitet. "Es gibt einige wichtige Indizien, die dafür sprechen, (...) hier Truppen zu organisieren, die überlaufen, um dann gänzlich andere Mehrheiten, die der Wähler nicht gewählt hat, an den Start zu bringen", sagte Fraktionschef Niels-Olaf Lüders. Der BSW-Abgeordnete Andreas Kutsche warf ihm vor, "dass er in das BSW eingetreten ist, um das BSW von innen heraus zu zerstören".
Vom BSW-Mitgründer zum Minister
Der 63-jährige Crumbach hatte die SPD im Januar 2024 nach mehr als 40 Jahren verlassen und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Brandenburg mitgegründet. Im Januar dieses Jahres trat er nach internem Streit wieder aus dem BSW aus.
Der langjährige Arbeitsrichter war im Jahr 2024 BSW-Landesvorsitzender und später Fraktionschef geworden. Weil er als Finanzminister ins Kabinett ging, löste ihn Niels-Olaf Lüders an der Fraktionsspitze ab. Nachdem Crumbach im Kabinett und später im Landtag für die Rundfunkreform gestimmt hatte, geriet er in Fraktion und Partei immer stärker unter Druck.
Streit gipfelt im Bruch der SPD/BSW-Koalition
Nach dem Austritt von vier Abgeordneten aus dem BSW im November 2025 spitzte sich die Krise zu, obwohl zwei Abgeordnete zwischenzeitlich wieder in die Partei zurückkehrten. Im Dezember erwog Crumbach, für den Bundesvorsitz oder -Vizevorsitz des BSW zu kandidieren, verzichtete aber. Im Januar verließ Crumbach Partei und Fraktion und wurde Mitglied der SPD-Fraktion, zunächst parteilos. Die SPD/BSW-Koalition zerbrach. Im Zuge der Krise verließen 5 von 14 Abgeordneten die BSW-Fraktion und die Partei.
Gemeinsam mit der Ex-BSW-Abgeordneten Jouleen Gruhn, die wie er zur SPD-Fraktion wechselte, sicherte Crumbach SPD und CDU eine Zwei-Stimmen-Mehrheit. Beide Parteien wollen eine Koalition bilden. Im neuen Kabinett mit der CDU soll Crumbach Infrastrukturminister werden.
Die FDP hält den Wiedereintritt in die SPD nicht für glaubwürdig. "Wer in eine Partei zurückkehrt, gegen die er noch vor anderthalb Jahren an der Spitze einer Bewegung einen harten Wahlkampf geführt hat, nur um nun die eigene Karriere zu retten, bestätigt jedes schlechte Vorurteil über Politik und befördert Politikverdrossenheit", meinte FDP-Landeschef Zyon Braun.