Hamburg & Schleswig-HolsteinAOK: Im Norden werden mehr Migränemittel ausgegeben

In Schleswig-Holstein steigen die Ausgaben für Migränemittel weiter. Dabei entfällt ein Großteil der Kosten auf neue Wirkstoffe. Nebenbei sind Schmerzmittel frei erhältlich und nicht immer ein Segen.
Kiel (dpa/lno) - Die Ausgaben für Migränemittel im Norden sind weiter gestiegen. Dies belegt eine aktuelle Auswertung der Krankenkasse AOK NordWest. Ärztinnen und Ärzte in Schleswig-Holstein verschrieben demnach 2024 Migränemittel im Wert von über 10,8 Millionen Euro an gesetzlich Versicherte.
Das entspreche einem Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu 2018 haben sich die Kosten sogar mehr als verdreifacht. AOK-Vorstandschef Tom Ackermann erklärte: "Das nicht ohne Grund: Im ersten Halbjahr 2019 kamen Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zur Vorbeugung von Migräne auf den Markt." Diese neuen Wirkstoffe machten zwar nur einen kleinen Teil der Verordnungen aus, trieben die Kosten jedoch stark in die Höhe.
Insgesamt stellten Ärztinnen und Ärzte im Land fast 102.000 Rezepte für Migränemittel aus, so die AOK. Obwohl nur 8,7 Prozent der Verordnungen auf die neuen Wirkstoffe entfielen, verursachten sie fast 67 Prozent der Gesamtkosten. Als Prophylaxe müssten diese Wirkstoffe monatlich gespritzt statt wie bisher nur bei akuten Migräneanfällen eingesetzt zu werden. Zudem erfordert die Therapie regelmäßige Erfolgskontrollen.
Ackermann: Häufig werden Kopfschmerzen nicht ernst genommen
Betroffene greifen neben ärztlich verordneten Migränemitteln oft zu rezeptfreien Schmerzmitteln aus der Apotheke. Laut der Krankenkasse kann der regelmäßige Gebrauch solcher Mittel die Schmerzen sogar verstärken. "Häufig werden Kopfschmerzen nicht richtig ernst genommen, viele Betroffene greifen vorschnell zu Medikamenten, anstatt sich aktiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen", erklärte Ackermann.
Stattdessen helfe es oft, den Lebensstil anzupassen und Migräne-Auslöser zu meiden. Stressabbau, Entspannungstechniken, bessere Schlafgewohnheiten oder der Verzicht auf Alkohol könnten die Schmerzen lindern oder kontrollierbar machen.