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Hamburg & Schleswig-HolsteinArbeitskräftemangel schmälert Wertschöpfung im Norden

19.02.2026, 14:08 Uhr
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(Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dp)

Bis 2035 könnten in Schleswig-Holstein mehr als 97.000 Stellen unbesetzt bleiben. Die IHK warnt vor Milliardenverlusten und fordert mehr Einsatz für duale Ausbildung und Integration.

Kiel (dpa/lno) - Der Fach- und Arbeitskräftemangel in Schleswig-Holstein wird die Wirtschaft nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) zunehmend belasten. Bis zum Jahr 2035 könnte die Lücke von aktuell gut 55.000 auf mehr als 97.000 unbesetzte Stellen wachsen, wie aus dem neuen IHK-Fachkräftemonitor hervorgeht. Das sei noch die positive Annahme, die bereits wirksame Gegenmaßnahmen berücksichtigt.

Frühere Berechnungen seien im schlechtesten Szenario von mehr als 300.000 fehlenden Fach- und Arbeitskräften ausgegangen. Dem Land droht den Angaben zufolge ein aufaddierter Wertschöpfungsverlust von rund 32 Milliarden Euro bis 2035 wegen nicht zu besetzender Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Die Wertschöpfung in Schleswig-Holstein lag den Angaben zufolge 2024 insgesamt bei knapp 110 Milliarden Euro.

Wirtschaftsminister: Arbeitskräftelücke gemeinsam bewältigen

"Die neue Zahl darf keinesfalls als eine Entspannung der Lage missverstanden werden", betonte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. "Die bevorstehende Arbeitskräftelücke bleibt eine große Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können."

Wichtig ist aus Sicht des Präsidenten der IHK Kiel, Knud Hansen, die Erkenntnis, dass man in erster Linie auf eine Praktiker-Lücke zusteuere. Mehr als 54.000 der fehlenden Arbeitskräfte entfallen auf den Bereich der beruflich gebildeten Fachkräfte und nicht auf den akademischen Bereich. Das unterstreiche die Bedeutung der dualen Ausbildung als größte Säule der Fachkräftesicherung.

IHK-Präsident: Mehrere Hebel nutzen

Die aktuell schwache Konjunktur darf nach Hansens Überzeugung nicht täuschen: "Der Fachkräftemangel verschwindet nicht. Wer glaubt, die Demografie mache Pause, gefährdet die Substanz unseres Standorts." Jetzt müssten strukturelle Hürden abgebaut und Potenziale ausgeschöpft werden. Hebel dazu seien, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, um die Erwerbsquote zu erhöhen und die Arbeitskraft der älteren Menschen länger zu nutzen. Außerdem müssten Zuwanderungsverfahren beschleunigt und die duale Ausbildung gestärkt werden, so Hansen.

Im Zusammenhang mit der Integration von Zuwanderern kritisierte Madsen die Streichung von Sprachkursen durch die Bundesregierung. Das Erlernen der deutschen Sprache sei die wesentliche Voraussetzung für Integration, im sozialen Bereich und am Arbeitsmarkt.

Aktuell gibt es in Schleswig-Holstein die größte Zahl an nicht besetzten Stellen in Verkaufsberufen (gut 9.700), in Verkehrs- und Logistikberufen ohne Fahrzeugführung (gut 9.200) und bei Berufen in Unternehmensführung- und Organisation (mehr als 6.500) Auch in medizinischen Gesundheitsberufen (5.300) und Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen (gut 5.100) werden viele Arbeitskräfte gesucht.

Quelle: dpa

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