Hamburg & Schleswig-HolsteinErneuerbare Energien: Netzanschlüsse gefragt wie noch nie

Die Nachfrage nach Solaranlagen, Windkraft und Batteriespeichern ist riesig im Norden. Das Unternehmen SH Netz merkt das an der Zahl der beantragten Netzanschlüsse. Wie es jetzt weitergeht.
Kiel (dpa/lno) - Der Boom bei Erneuerbaren Energien und Batteriespeichern führt aktuell zu einer nie dagewesenen Nachfrage nach Netzanschlüssen. Das berichtet das schleswig-holsteinische Stromversorgungsunternehmen SH Netz. "Insgesamt liegen Anschlussanträge in einer Größe von fast 60.000 Megawatt (MW) bei uns vor - das ist eine gigantische Zahl verglichen mit dem aktuell angeschlossenen Bestand", erklärt Christian Fenger, Vorstandsvorsitzender der SH-Netz-Muttergesellschaft HanseWerk.
Die angefragte Anschlussleistung sei etwa viermal so groß wie die gesamte in den letzten 40 Jahren angeschlossene Leistung aller Anlagen von Erneuerbaren Energien, erklärt Fenger. Diese neuen Anträge verteilten sich auf Photovoltaik mit 21.000 MW, Windkraft mit 11.500 MW und Batteriespeicher mit 27.000 MW.
Zum Vergleich: In den letzten rund 40 Jahren seien vor allem Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie Speicher mit insgesamt rund 14.500 Megawatt Leistung bei SH Netz angeschlossen worden.
Deutliche Steigerung der Investitionen
Auf diese "Riesenwelle" reagiere das Unternehmen mit einer deutlichen Steigerung der Investitionen, der verstärkten Digitalisierung des Netzes und einer Flexibilisierung der Anschlussverträge, kündigt Benjamin Merkt, technischer Vorstand bei HanseWerk, an.
Bis zum Jahr 2030 würden HanseWerk und SH Netz demnach rund 2,5 Milliarden Euro in die Stromnetze investieren. Geplant sei unter anderem der Neubau von rund 120 Umspannwerken und 1.000 Kilometer Hochspannungsleitungen, 9.000 Kilometer neue Mittel- und Niederspannungskabel sowie rund 7.000 weitere Ortsnetzstationen.
Der notwendige Netzausbau sei allerdings auch eine Herausforderung. Neben der Bearbeitung der vielen Anträge und dem großen Bauvolumen bremsten zum Beispiel Engpässe bei Materiallieferungen und fehlende Fachkräfte den Ausbau. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren seien in Schleswig-Holstein zwar stark verkürzt worden, bräuchten aber trotzdem Zeit, um allen Beteiligten gerecht zu werden, so SH Netz.
Schleswig-Holstein als "Musterland der Energiewende"
Die extrem gestiegene Nachfrage nach Netzanschlüssen könne in verschiedenen Regionen dazu führen, dass zunächst geringere Kapazitäten als gewünscht bereitgestellt werden können, erklärt SH Netz. Kleinere Anschlussvorhaben wie PV-Dachanlagen, Wärmepumpen, Wallboxen und Standard-Hausanschlüsse für Privatkunden seien in der Regel davon nicht betroffen.
Auch ohne die neue Antragswelle sei Schleswig-Holstein schon heute ein "Musterland der Energiewende", erklärt HanseWerk. Das Bundesland könne den eigenen Strombedarf zu rund 75 Prozent des Jahres aus erneuerbaren Energien decken. Außerdem werde hier über das ganze Jahr mehr als doppelt so viel Grünstrom erzeugt, wie verbraucht wird. Wenn der eigene Bedarf gedeckt ist, exportiert Schleswig-Holstein Ökostrom - im Jahr 2025 im Umfang des Jahresbedarfs von rund 3,5 Millionen Haushalten.
SH Netz hat nach eigenen Angaben in den letzten 40 Jahren mehr als 120.000 Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 14.000 Megawatt (MW) sowie rund 50.000 Batteriespeicher mit einer Leistung von 500 MW ans Stromnetz angeschlossen.
SH Netz beschäftigt mehr als 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 30 Standorten und betreibt für rund 2,8 Millionen Kunden Strom- und Gasleitungen in mehr als 900 Kommunen in Schleswig-Holstein. Rund 400 schleswig-holsteinische Kommunen halten Anteile an SH Netz.