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Hamburg & Schleswig-HolsteinGefährliche Körperverletzung? Tierarzt erneut angeklagt

12.01.2026, 15:50 Uhr
Vor-dem-Amtsgericht-Neumuenster-findet-der-neue-Prozess-gegen-den-bereits-einmal-verurteilten-Tierarzt-statt
(Foto: Frank Molter/dpa)

Xylazin ist ein Betäubungsmittel für Pferde. Einem Tierarzt wird vorgeworfen, das Mittel seiner Partnerin verabreicht zu haben. Für eine identische Tat wurde er bereits im Jahr 2024 verurteilt.

Neumünster (dpa/lno) - Erneut soll ein Tierarzt einer Partnerin ohne deren Wissen das Tiermedikament Xylazin verabreicht haben. Deshalb steht der 60-Jährige jetzt vor Gericht in Neumünster. Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Bereits 2024 war er wegen eines fast identischen Falls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

In dem neuen Verfahren vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Neumünster wird dem Angeklagten vorgeworfen, seiner damaligen Lebensgefährtin am Abend des 14. August 2024 bei sich zu Hause das in der Tiermedizin eingesetzte Beruhigungsmittel Xylazin verabreicht zu haben.

Tiermedikament in einem Glas Ouzo

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte das Medikament in ein Glas Ouzo gemischt und der Frau zum Trinken überreicht. Nachdem sie davon getrunken habe, habe die Frau, mit der der Angeklagte seit März 2024 eine Liebesbeziehung geführt habe, an Gangschwierigkeiten und Wahrnehmungsstörungen gelitten, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage.

Gut einen Monat nach diesem Abend, am 17. September 2024, wurde dem Tierarzt der Prozess in einem anderen Fall am Amtsgericht Rendsburg gemacht. Dort musste er sich dafür verantworten, einer früheren Partnerin bei einem gemeinsamen Abendessen am 12. November 2021 ebenfalls Xylazin ohne deren Wissen verabreicht zu haben. Das Schöffengericht verurteilte den Tierarzt damals wegen gefährlicher Körperverletzung und eines hinterlistigen Überfalls zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf drei Jahre Bewährung.

Spätes Geständnis im ersten Prozess

Zudem musste der Angeklagte der Frau 8.000 Euro für die Reparatur ihres Autos zahlen, in dem sie unter Einfluss des Medikaments ohnmächtig geworden und in einen Graben gefahren war. Der Angeklagte hatte die Tat erst zugegeben, nachdem das Gericht ihm und seiner Verteidigerin ein Strafmaß zwischen einem Jahr und 8 Monaten und zwei Jahren auf Bewährung angeboten hatte für den Fall, dass er ein Geständnis ablegt. Zuvor hatte er die Vorwürfe als "Komplott" gegen sich bezeichnet.

Zu seinen Motiven für die Tat machte der Mann in Rendsburg keine Angaben. Die Polizistin hatte ausgesagt, sie sei von einer früheren Partnerin des Angeklagten vorgewarnt worden, der Tierarzt sei gefährlich. Ihr Rechtsanwalt hatte davon berichtet, dass bis zu sechs andere Frauen und ein Mann ähnliche Erlebnisse mit dem Angeklagten gehabt haben sollen. Seine Zulassung als Tierarzt hatte der Angeklagte nach dem Prozess verloren.

Angeklagter seit Ende Juli 2025 in U-Haft

Seit Ende Juli 2025 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft wegen Wiederholungsgefahr. Rechtlich umfasst die neue Anklage in Neumünster den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder eines anderen gesundheitsschädlichen Stoffes. Der reguläre Strafrahmen hierfür liegt nach Angaben des Landgerichts Kiel bei einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Gleich nach Verlesung der Anklage beantragte der Rechtsanwalt des Angeklagten, Dominik Ahlfeld, die Hauptverhandlung auszusetzen, weil die Ladung zum Prozess dem Angeklagten zu spät zugestellt worden sei. Nach kurzer Beratung entschied das Gericht daraufhin, den Prozess Ende Januar fortzusetzen. Bis dahin ist der Angeklagte weiter in Untersuchungshaft.

"Seine Verteidigung hat dem Angeklagten damit keinen Gefallen getan", sagte nach der Verhandlung Rechtsanwalt Kristof Gengel, der Vertreter der Geschädigten, die Nebenklägerin ist und im Prozess aussagen soll. Auch eine Sachverständige der Universität Kiel soll gehört werden. Der Prozess soll Ende Januar fortgesetzt werden, ein genauer Termin steht bisher nicht fest.

Quelle: dpa

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