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Hamburg & Schleswig-HolsteinSozialbehörde startet Kampagne gegen Antiziganismus

09.04.2026, 12:37 Uhr
In-der-Kampagne-werden-Shlica-Weiss-l-r-Kinderbuchautorin-und-Sinteza-Jan-Azubi-sowie-Sinto-und-Rom-aus-Hamburg-und-Schuelerin-und-Romni-Gina-zu-sehen-sein

Nach wie vor ist Rassismus gegen Roma und Sinti in Deutschland weit verbreitet. Der Hamburger Senat möchte nun mit einer Kampagne mehr Sichtbarkeit für das Thema schaffen.

Hamburg (dpa/lno) - Mit einer crossmedialen Öffentlichkeitskampagne möchte die Sozialbehörde ein Zeichen gegen Antiziganismus und für mehr Sichtbarkeit von Roma und Sinti in Hamburg setzen. Auf Plakaten, Flyern, in kurzen Spots auf den Bildschirmen in S- und U-Bahn sowie auf Social Media wird zu einem respektvollen Miteinander aufgerufen.

Antiziganismus, also Rassismus gegen Sinti und Roma, sei kein Randphänomen, sondern ein tief verwurzeltes Problem einer langen und grauenvollen Geschichte, sagte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) bei der Vorstellung der Kampagne. "Während der Zeit des Nationalsozialismus hat diese menschenverachtende Politik ihren grauenvollen Höhepunkt in einem Völkermord erreicht."

Doch auch danach habe der Rassismus gegen Sinti und Roma in Deutschland nicht aufgehört, sagte die SPD-Politikerin. Sie seien "seit langer Zeit in Hamburg zu Hause."

Kampagne ist Teil einer Gesamtstrategie gegen Antiziganismus

Die 17-jährige Schülerin Gina ist eine der drei Personen, die in der Kampagne zu sehen ist. Mehrere Freunde und Familienmitglieder hätten ihr zunächst davon abgeraten, mit ihrem Gesicht Teil der Kampagne zu werden, da sie sich Sorgen um ihre Sicherheit machten, erzählte sie. Dennoch habe sie sich dafür entschieden. "Ich möchte für meine Community einstehen."

Die Kampagne ist Teil einer Gesamtstrategie des Senats zur Bekämpfung von Antiziganismus und zur Förderung der gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und Roma in Hamburg, wie die Sozialbehörde mitteilte. Sie laufe vom 10. April bis zum 18. Juni 2026.

Roma und Sinti in Hamburg und Deutschland

In Hamburg leben dem Hamburger Verein Rom und Cinti Union zufolge rund 40.000 Roma und Sinti. Antiziganismus ist noch immer ein weit verbreitetes Phänomen in der deutschen Gesellschaft. Das geht unter anderem aus einer Studie der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) aus dem Jahr 2024 hervor.

Antiziganismus äußert sich der Studie zufolge in vielfältiger Weise: in Form von gewaltsamen Übergriffen, alltäglichen Diskriminierungen in allen Lebensbereichen, Ungleichbehandlung durch Behörden, Bedrohungen und Beleidigungen sowie Hassreden und antiziganistischer Propaganda.

Quelle: dpa

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