Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburg plant Olympia mit grünem Band und günstigen Tickets

"Eine Chance für alle" - so sieht der rot-grüne Senat Hamburgs Bewerbung als Austragungsort für Olympische Spiele. Mit welcher Bewerbung die Hansestadt ins Rennen geht, steht nun fest.
Hamburg (dpa/lno) - Kostengünstige und kostenlose Olympiatickets und ein grünes Band, das die Sportstätten quer durch die Stadt verbindet: Der Hamburger Senat hat sein finalisiertes Bewerbungskonzept für die Olympischen und Paralympischen Spiele vorgelegt. "Wir sind überzeugt, dass wir damit ein neues Kapitel unserer Stadtgeschichte schreiben können", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der Präsentation.
Mit zwei zentralen Wettkampfstätten - dem "Olympic Park City" mit Heiligengeistfeld und Binnenalster sowie dem "Olympic Park Altona" mit einer neuen Arena im Volkspark und dem Olympischen Dorf in der Science City Bahrenfeld - soll die Stadt zu einer "Arena für alle" werden. So viel war bisher schon bekannt.
Kostenlose Olympiatickets für Menschen mit geringem Einkommen
In das finalisierte Konzept flossen aber auch noch Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Beteiligungsverfahren ein, wie Sportsenator Andy Grote (SPD) sagte. Um die Spiele für alle erlebbar zu machen, sollen eine Million Karten kostengünstig angeboten werden. Außerdem sei geplant, ein Kontingent an kostenlosen Tickets - etwa für Ehrenamtliche und Menschen mit geringem Einkommen - zur Verfügung zu stellen.
Neu im überarbeiteten Konzept sei auch ein grünes "Olympisches Band" aus miteinander verbundenen Parks und Grünflächen, das die Sportstätten im Volkspark mit dem Wasserpark Dove-Elbe im Osten der Stadt verbinde, sagte die Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Dazu sollen Flächen entsiegelt, begrünt und aufgewertet werden.
Binnenalster soll Olympiabühne werden
Auch die Sportarten Padel-Tennis und Stand-up-Paddling habe man im finalisierten Bewerbungskonzept mit durchgeplant. Sie sollen - wie auch das Bogenschießen und die Eröffnungsfeier - auf der Binnenalster stattfinden, teils auf schwimmenden Plattformen mit großen Zuschauertribünen am Ufer.
Einen besonderen Blick auf die Skyline würde Grote zufolge auch die Wettkampfstätte fürs Sportklettern bieten - sie könnte auf der Südseite der Elbe neben den Musical-Zelten entstehen, sagte er.
Anders als bislang geplant: Das Mountainbiking soll aus den Harburger Bergen nach Wandsbek verlegt werden. Auf der ehemaligen Deponie in Hummelsbüttel habe man mehr Gestaltungsmöglichkeiten, sagte Fegebank. Außerdem sei dort eine Nachnutzung möglich.
Tjarks hofft auf olympische Wucht für Schnellbahnausbau
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bekräftigte die Wirkung einer positiv beschiedenen Olympiabewerbung für die großen Infrastrukturprojekte der Stadt. Die Schnellbahnvorhaben U5 und S6 würden dadurch eine "andere Wucht" bekommen, wenn der Bund den deutschen Austragungsort unterstütze. Auch die Deutsche Bahn wäre dann leichter zu einem zeitnahen Ausbau des Hauptbahnhofs zu bewegen. Zudem solle die Kapazität der U3 für Olympia um 50 Prozent gesteigert werden.
Neben Hamburg bewerben sich auch München, Berlin und NRW als deutscher Austragungsort für die Spiele 2036, 2040 oder 2044. Ende Mai können die Hamburgerinnen und Hamburger über die Senatspläne abstimmen.
Er hoffe auf ein Ergebnis "50+", sagte Tschentscher. Doch je stabiler die Mehrheit ausfalle, desto größer sei auch die Wirkung auf Dritte. Als schärfsten Konkurrenten hat der Bürgermeister München im Blick, "weil wir wissen, die können das". Als bisher einzige deutsche Stadt hatte die bayerische Landeshauptstadt 1972 Olympische Spiele ausgerichtet.
Umfragen sehen knappes Ergebnis
In Hamburg hatten sich in einer Anfang Februar veröffentlichten Umfrage des Hamburger Wahlforschungs-Instituts Trend Research im Auftrag von Radio Hamburg 50 Prozent der Befragten für eine Ausrichtung von Olympischen Spielen ausgesprochen.
Gegner einer Bewerbung warnen indes unter anderem vor zu hohen Ausgaben für die Stadt, einem Anstieg der Mieten und Umweltbelastungen.
Die Münchner hatten sich bereits in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Spiele ausgesprochen. In NRW soll die Bevölkerung am 19. April befragt werden. Berlin plant kein Referendum und sieht sich Umfragen zufolge mit einer großen Mehrheit gegen das Sportgroßereignis konfrontiert.
Erst vor knapp einer Woche hatte Hamburg ein erstes Finanzkonzept für die Ausrichtung der Spiele präsentiert. Das Budget unter anderem für Wettkampfstätten, Personal, Technologie und Marketing liegt demnach bei 4,8 Milliarden Euro. Die Stadt könne mit den Spielen sogar einen Gewinn in Höhe von 100 Millionen Euro erwirtschaften, hieß es unter Berufung auf externe Finanzgutachten.