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Hamburg & Schleswig-HolsteinInnensenator gedenkt der Opfer des Massakers von Józefów

13.07.2022, 02:49 Uhr

Seit über 20 Jahren fahren junge Hamburger Polizisten und Polizistinnen ins polnische Józefów, um der Opfer eines Massakers zu gedenken. Hamburger Polizeikräfte haben dies dort in der Nazizeit angerichtet. Zum 80. Jahrestag ist auch der Innensenator dabei.

Hamburg/Józefów (dpa/lno) - Im südostpolnischen Józefów wird am Mittwoch an den 80. Jahrestag eines Massakers erinnert, das von Angehörigen einer Hamburger Polizeieinheit verübt wurde. Hamburgs Innensenator Andy Grote und Staatsrätin Almut Möller werden dazu im Wald von Józefów gemeinsam mit Opferangehörigen und Vertretern der Stadt einen Kranz niederlegen. Dort hatten Angehörige des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 nach der Einnahme der Stadt durch die deutsche Wehrmacht am 13. Juli 1942 rund 1500 jüdische Kinder, Frauen und Männer erschossen.

Nach Angaben der Akademie der Polizei Hamburg ist das Massaker von Józefów das erste und bis heute am besten dokumentierte Verbrechen des Reserve-Polizeibataillons 101. Demnach erhielt die Einheit den Befehl, alle jüdischen Einwohner zu töten. Am frühen Morgen seien Kinder, Frauen und Männer zunächst auf dem Marktplatz zusammengetrieben worden. Bis auf rund 300 arbeitsfähige Männer, die als Zwangsarbeiter deportiert werden sollten, hätten die deutschen Polizisten die Menschen dann in das Waldstück gebracht und dort der Reihe nach erschossen.

Das Massaker dauerte den Angaben zufolge bis in den Abend. Nur wenige Männer hätten von dem Angebot des Kommandeurs Gebrauch gemacht, sich von den Erschießungen ohne weitere Konsequenzen freistellen zu lassen.

Insgesamt sollen Polizisten des Hamburger Bataillons während des Zweiten Weltkriegs Schätzungen zufolge mindestens 8000 Menschen ermordet haben und an mindestens 30 000 weiteren Morden und der Deportation von rund 50 000 Menschen in die Vernichtungslager beteiligt gewesen sein.

Polizeibataillone waren den Angaben zufolge während der Nazi-Zeit Kampfeinheiten der NS-Ordnungspolizei von je 500 Mann, die sich aus Polizisten, aber auch Freiwilligen und Reservisten älterer Jahrgänge zusammensetzten, die für den Kriegsdienst meist zu alt waren.

Die Hamburger Polizei unternimmt bereits seit über 20 Jahren jährlich mit ihren Nachwuchskräften Fahrten zu der Gedenkstätte in Józefów. Erstmals werden sie nun von einem Innensenator begleitet.

"Diese Reise ist eine harte und schmerzhafte Konfrontation mit dem Ausmaß an Unmenschlichkeit, zu dem Menschen fähig sind", sagte Grote. "Dass junge Polizistinnen und Polizisten seit mehr als 20 Jahren hierher kommen, macht sie stärker und immuner gegen jede Form von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit."

Quelle: dpa

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