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Hamburg & Schleswig-HolsteinKeine zentrale Gedenkfeier für Hamburger NSU-Opfer Tasköprü

28.05.2026, 00:02 Uhr
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Lange war der Mord am Altonaer NSU-Opfer Taşköprü ungeklärt. Erst spät wurde klar, dass Rechtsterroristen die Täter waren. Zum 25. Jahrestag sollte es eine zentrale Feier geben. Daraus wird nichts.

Hamburg (dpa/lno) - Zum 25. Jahrestag der Ermordung des Hamburger Gemüsehändlers Süleyman Taşköprü durch die Rechtsterroristen vom NSU wird es keine zentrale Gedenkfeier geben. Von der Familie Taşköprü werde eine solche Feier nicht gewünscht, berichtet das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" in seiner Juni-Ausgabe. Die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken hatten im März einen interfraktionellen Antrag für die Durchführung einer solchen in die Bürgerschaft eingebracht und Mittel dafür zur Verfügung gestellt.

Die Bürgerschaftskanzlei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass keine zentrale Gedenkfeier mehr geplant werde.

Familie des Opfers fühlte sich instrumentalisiert

"Es war eine nett gemeinte Geste, aber als die Politik es ohne Rücksprache an die Presse gegeben hat, haben wir uns als Familie instrumentalisiert gefühlt", sagte der Neffe des Getöteten, Okan Taşköprü, "Hinz&Kunzt".

Um seines Onkels zu gedenken, wolle er lieber Essen an Obdachlose austeilen. "Es gibt in der Türkei den Brauch, dass man im Namen des Verstorbenen Essen verteilt", sagte Okan Taşköprü. "Für mich ist das unabhängig vom Brauch eine schöne Geste: Das Gefühl von Geben gibt mir mehr als eine Trauerfeier."

Süleyman Taşköprü war am 27. Juni 2001 im gemeinsam mit seinem Vater betriebenen Obst- und Gemüseladen in Hamburg-Bahrenfeld von den NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen worden. Der 31-Jährige hinterließ seine Frau und eine kleine Tochter.

Verein plant Veranstaltungsformat gegen rassistische Gewalt

Im März hatte die Bürgerschaft beschlossen, dass "eine zentrale Gedenkveranstaltung im Jahr 2026 anlässlich des 25. Jahrestages des Mordes an Süleyman Taşköprü durch den NSU unter Berücksichtigung der Wünsche der Familie Taşköprü durchgeführt werden" sollte. Zugleich wurden dem Verein "Licht ins Dunkel" dafür Mittel in Höhe von bis zu 15.000 Euro zur Kofinanzierung bereitgestellt.

"Eine zentrale Gedenkfeierlichkeit im engeren Sinne war mit dem Antrag der Bürgerschaft zur Kofinanzierung nicht zwingend intendiert", hieß es nun aus der Bürgerschaftskanzlei. Zum Jahrestages des Mordes plane der Verein jetzt "ein mehrtägiges Veranstaltungsformat, das sich an Betroffene rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie an Initiativen, Politik, Verwaltung und Kulturinstitutionen richtet".

NSU-Morde blieben lange unentdeckt

Taşköprü war eines von zehn Mordopfern des rechten Terrornetzes "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) um das Trio Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe. In den Jahren zwischen 2000 und 2007 ermordeten sie deutschlandweit acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin.

Die Sicherheitsbehörden hatten den Zusammenhang der Taten lange nicht erkannt und zunächst im Umfeld der Opfer ermittelt.

Hamburg ist das einzige Bundesland, in dem der NSU gemordet hat und in dem die Taten nicht von einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss untersucht wurden.

Im vergangenen Jahr hatte die Bürgerschaft die Ruhr-Universität Bochum mit einer Studie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des NSU-Komplexes in Hamburg beauftragt. Das Landesparlament begleitet die Arbeit in Form eines Beirats.

Quelle: dpa

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